Die Lebenserwartung in Deutschland hat 2025 neue Höchstwerte erreicht. Das ist eine gute Nachricht. Zugleich verschiebt ein längeres Leben die Gewichte in der Alterssicherung, insbesondere auch in der privaten Altersvorsorge.
Renten werden hierzulande im Durchschnitt länger bezogen, während die Zahl der Beitragszahlenden demografisch unter zunehmenden Druck steht. Neue Vorschläge der Alterssicherungskommission setzen deshalb auch beim Thema „Renteneintritt“ und damit verbundenen Positionen an. Für die private Altersvorsorge wächst zudem parallel die Bedeutung eines ausreichend langen individuellen Planungshorizonts.
Steigende Lebenserwartung erreicht neue Höchstwerte
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2025 für Frauen bei 83,6 Jahren und für Männer bei 79,1 Jahren. Gegenüber 2024 stieg sie damit um knapp zwei beziehungsweise rund drei Monate. Beide Werte markieren einen neuen Höchststand. Seit 2022 haben Frauen statistisch etwa neun Monate hinzugewonnen, Männer fast 13 Monate.
Auch mit 65 bleiben im Durchschnitt viele Jahre
Für die Altersvorsorge ist die fernere Lebenserwartung besonders aufschlussreich. Eine 65-jährige Frau hatte 2025 statistisch noch 21,2 Jahre vor sich, ein gleichaltriger Mann 18,2 Jahre. Daraus ergibt sich ein durchschnittlich erreichbares Alter von 86,2 beziehungsweise 83,2 Jahren. Individuelle Lebensverläufe können davon allerdings (auch) erheblich abweichen.
Sterbetafeln sind eine Momentaufnahme
Die Werte stammen aus Periodensterbetafeln. Sie übertragen die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse modellhaft auf ein ganzes Leben. Sie sind jedoch keine persönliche Prognose und unterstellen auch keine (möglichen) künftigen medizinischen Fortschritte. Dennoch dokumentieren sie auch, wie lange ein vorhandenes Alterseinkommen unter heutigen Bedingungen im Durchschnitt tragen muss.
Kommission schlägt Kopplung ab 2031 vor
Die Alterssicherungskommission empfiehlt, Änderungen der Lebenserwartung nach 2031 im Verhältnis 2:1 auf Erwerbs- und Rentenphase aufzuteilen. Zwei Drittel zusätzlicher Lebenszeit entfielen demnach in Deutschland auf längeres Arbeiten, ein Drittel auf einen längeren Ruhestand. Nach heutiger Datenlage würde die Regelaltersgrenze zwischen 2031 und 2041 schrittweise von 67 auf etwa 67,5 Jahre steigen.
Auch der vorgezogene Rentenbeginn soll sich verschieben
Nach dem Vorschlag soll die Altersgrenze für die Rente für langjährig Versicherte mit Abschlägen zunächst von 63 auf 64 Jahre steigen und anschließend parallel zur Regelaltersgrenze mitwachsen. Daneben verlangt die Kommission zielgenaue Schutz- und Härtefallregeln für Menschen, die wegen körperlicher oder gesundheitlicher Belastungen nicht länger arbeiten können. Die Vorschläge sind Teil eines Reformpakets und noch nicht geltendes Recht.
Längeres Leben verändert auch die private Vorsorge
Eine steigende Lebenserwartung erhöht nicht automatisch den individuellen Vorsorgebedarf. Entscheidend sind unter anderem tatsächlicher Rentenbeginn, gesetzliche und betriebliche Versorgungsansprüche, gewünschter Lebensstandard, Rendite, Inflation und Lebenserwartung. Klar ist allerdings: Wer mit einem früheren Ausstieg oder zusätzlichem Einkommen im Alter plant, muss einen möglicherweise längeren Entnahmezeitraum berücksichtigen. Der neue Höchststand macht diese Zeitdimension als Herausforderung nunmehr sichtbarer beziehungsweise berechenbarer.
