Armutsgefährdung in Deutschland steigt auf 16,1 Prozent

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13. April 2026

Armutsgefährdung in Deutschland steigt auf 16,1 Prozent

Die Armutsgefährdung in Deutschland lässt sich im Zusammenspiel von Einkommen, Haushaltsstruktur und gesellschaftlicher Teilhabe bewerten. Doch ein Trend ist erkennbar: sie nimmt zu.

Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) waren zuletzt rund 13,3 Millionen Menschen armutsgefährdet. Das entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung und liegt damit über dem Vorjahreswert von 15,5 Prozent. Die Entwicklung verdeutlicht, dass trotz stabiler Beschäftigungslage ein erheblicher Teil der Bevölkerung über Einkommen verfügt, die deutlich unterhalb des gesellschaftlichen Mittelniveaus liegen. Darüber berichtet Destatis in einer jüngsten Pressemitteilung.

Armutsgefährdung und Einkommensschwellen

Grundlage der Berechnungen ist das mittlere Äquivalenzeinkommen. Nach Definition der Europäischen Union gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent dieses Medianeinkommens zur Verfügung hat. Für das Jahr 2025 lag diese Schwelle bei 1.446 Euro netto im Monat für eine alleinlebende Person, nach 1.381 Euro im Jahr zuvor. Für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren ergab sich ein Schwellenwert von 3.036 Euro monatlich, gegenüber 2.900 Euro im Vorjahr. Diese Werte zeigen, dass die Armutsgefährdungsgrenze dynamisch mit der allgemeinen Einkommensentwicklung steigt.

Haushaltsstruktur als zentraler Risikofaktor

Die Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Haushaltstypen. Besonders hoch ist die Armutsgefährdungsquote bei Alleinlebenden mit 30,9 Prozent sowie bei Personen in Alleinerziehenden-Haushalten mit 28,7 Prozent. Diese Gruppen verfügen häufig nur über eine Einkommensquelle und sind daher stärker von Einkommensschwankungen betroffen. Im Vergleich dazu liegen Mehrpersonenhaushalte mit mehreren Erwerbstätigen deutlich seltener unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze.

Erwerbsstatus und Armutsgefährdung

Arbeitslose weisen mit 64,9 Prozent die höchste Armutsgefährdungsquote auf. Auch andere Nichterwerbstätige erreichen mit 33,8 Prozent überdurchschnittlich hohe Werte. Selbst im Ruhestand liegt die Quote mit 19,1 Prozent oberhalb des Durchschnitts. Diese Zahlen verdeutlichen, dass fehlende oder reduzierte Erwerbseinkommen ein zentraler Treiber der Armutsgefährdung sind.

Armutsgefährdung, soziale Ausgrenzung, individuelle Perspektiven

Im Jahr 2025 waren rund 17,6 Millionen Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entspricht 21,2 Prozent der Bevölkerung und liegt nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Nach europäischer Definition gilt eine Person als betroffen, wenn mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist: ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze, erhebliche materielle und soziale Entbehrung oder eine sehr geringe Erwerbsbeteiligung im Haushalt. In Zeiten kompexer Herausforderungen und anhaltender Kostensteigerungen ist jedoch zu befürchten, dass sich an einer zunehmenden Armutsgefährdung hierzulande absehbar wenig ändern dürfte.