Nicht auf den Staat verlassen: Jetzt private Altersvorsorge angehen

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14. Januar 2026

Nicht auf den Staat verlassen: Jetzt private Altersvorsorge angehen

Es wird immer deutlicher: Die Bundesbürger können sich bei der Altersvorsorge nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Die private Vorsorge ist deshalb wichtiger denn je. Eine professionelle Finanzplanung kann dabei einen entscheidenden Mehrwert liefern.

Eigentlich hat sich die Bundesregierung das Thema Rentenreform groß auf die Fahne geschrieben. Doch das geplante Rentenpaket ist weder der erhoffte „große Wurf“, noch herrscht wirklich Einigkeit in der Koalition aus CDU/CSU und SPD über die geeigneten Lösungswege. Klar ist: Die Herausforderungen sind enorm, die Lebenserwartung steigt und immer weniger Arbeitnehmer müssen für immer mehr Rentner aufkommen.

Erschwerend kommt hinzu, dass in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Ohne ein deutliches Umsteuern droht eine Finanzierungsnot. Es ist mittlerweile allgemeiner Konsens, dass das gesetzliche Rentensystem an seine Grenzen kommt. Doch trotz des Wissens über dieses Dilemma ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wenig passiert.

Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen

Die Konsequenz kann nur sein, dass jeder Bürger noch stärker den Fokus auf die eigene private Altersvorsorge legt. Denn eine lebenslange finanzielle Absicherung ist für einen unbeschwerten Lebensabend von enormer Bedeutung. Und je früher man damit anfängt, desto besser. Wer seinen Ruhestand angemessen bestreiten will, muss selbst vorsorgen und Geld gezielt und intelligent zurücklegen. Denn auch die Inflation mit Werten von zum Teil über zwei Prozent sorgt dafür, dass schlecht verzinste Spareinlagen langfristig real deutlich an Wert verlieren.

Was aber tun? Eine Patentlösung bei der Altersvorsorge gibt es nicht, die Planung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen das Lebensalter und somit die Zeit bis zum Ruhestand, die persönlichen Lebensumstände wie Familien- und Vermögenssituation sowie die eigenen Ziele und Wünsche. Ein professionell erstellter und auf die individuelle Situation angepasster Finanzplan kann jedem helfen, entsprechende Defizite im Portfolio aufzudecken.

Wichtiger „Aha“-Effekt

Der große Vorteil: Die Verbraucher bekommen durch die professionelle Aufbereitung ihrer Vermögensverhältnisse im Finanzplan häufig erstmals einen kompletten und genauen Überblick über die Werthaltigkeit ihrer einzelnen Vermögensanlagen. Sozusagen ein „Aha“-Effekt, der zu einer optimierten Altersvorsorge-Planung führt.

Nur solch ein genauer Fahrplan mit einer umfassenden Vermögens- und Rentenübersicht schafft die Voraussetzung, den späteren Ruhestand zufrieden und in finanzieller Freiheit genießen zu können. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Simulation von Risikoszenarien, wie ein starker Anstieg der Inflationsrate oder die finanziellen Aufwendungen bei einer eventuell auftretenden Pflegebedürftigkeit. Das kann helfen, um möglicherweise auftretende Finanzlücken im Alter auszuschließen.

Nicht nur auf die Ansparphase achten

Ein wichtiges Augenmerk sollte dabei auch auf der Liquiditätsplanung liegen, das heißt, welche Einnahmen kann man ab dem Ruhestandsbeginn pro Jahr erwarten und wie hoch werden in etwa die Ausgaben sein. Der Fokus einer üblichen Finanzberatung liegt meist auf der Ansparphase, doch die Auszahlungsphase ist mindestens ebenso wichtig – gerade vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung und der damit verbundenen längeren Rentenbezugsdauer. Entscheidend ist, das angesparte Kapital zu optimieren und in leistungsfähige sowie sichere Zahlungsströme zu verwandeln.


Kolumnist Prof. Dr. Rolf Tilmes, CFP® ist Vorstand des FPSB Deutschland und Academic Director Finance, Wealth Management & Sustainability Management an der EBS Executive School, Oestrich-Winkel.