Arbeitszeitmodelle und Altersvorsorge sind auf komplexe Weise miteinander verbunden. Darauf weisen auch verschiedene Forschungs- und Studienergebnisse hin.
Flexible Arbeitszeitmodelle gewinnen in einer mobiler wie „fragmentierter“ werdenden Arbeitswelt an Bedeutung. Altersvorsorge war schon immer wichtig für die Zukunftssicherung. Beides – Arbeitszeitmodelle und Altersvorsorge – sind auch zwei Aspekte entsprechender Forschungen zur heutigen Arbeitswelt. So beschäftigen sich beispielsweise Experten der Hans-Böckler-Stiftung damit, wie unterschiedliche Modelle die individuelle Erwerbsbiografie und damit später auch die Altersabsicherung beeinflussen. Ergänzende Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) verdeutlichen, dass die Teilzeitquote in Deutschland europaweit zu den höchsten zählt. Das prägt hierzulande aktuell nicht nur die aktuellen Einkommen, sondern später auch die erworbenen Rentenansprüche.
Deutschland: Hohe Verbreitung von Teilzeitmodellen
Destatis weist für das Jahr 2024 eine Teilzeitquote von insgesamt 29 Prozent aus. Bei Frauen beträgt der Anteil 49 Prozent, bei Männern rund 12 Prozent. Gleichzeitig zeigen aktuelle Veröffentlichungen, dass 56 Prozent der Beschäftigten in flexiblen Arbeitszeitmodellen wie Gleitzeit tätig sind. Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie sehr sich die Arbeitszeitrealität in den vergangenen Jahren verändert hat und welche strukturellen Folgen dies für die Einkommensverläufe und damit für die Altersvorsorge hat.

Teilzeit und ihre langfristigen Effekte
Der Forschungsförderungs-Report Nr. 10 der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass lange Teilzeitphasen das Lebenseinkommen durchschnittlich um 30 bis 40 Prozent reduzieren können. Diese Einkommenseinbußen übertragen sich unmittelbar auf die Rentenpunkte, da die gesetzliche Rentenversicherung ja bekanntermaßen auf beitragspflichtigen Einkommen basiert. Die Experten betonen zudem, dass früh gewählte Teilzeit aufgrund von Summierungseffekten deutlich stärkere langfristige Folgen für die Rente hat als erst später realisierte Teilzeitphasen.
Verkürzte Vollzeit als tragfähigere Alternative
Doch es gibt Alternativen zu klassischer Teilzeit. Zumal auch die Unternehmen daran interessiert sind, insbesondere die Ressourcen ihrer Fachkräfte so ausgiebig wie möglich zu nutzen. Dafür werden verkürzte Vollzeitmodelle – in der Regel 30 bis 35 Wochenstunden – zunehmend als ausgewogenere Lösung diskutiert, um Einkommen und Arbeitsbelastung besser zu balancieren. Analysen der Hans-Böckler-Stiftung zeigen, dass diese Modelle lediglich Einkommensverluste von rund 8 bis 12 Prozent verursachen, was langfristig deutlich höhere Renten ermöglichen kann als klassische Teilzeitmodelle. Zudem werden Erwerbsunterbrechungen seltener, was den Rentenversicherungsverlauf stabilisiert.
Unregelmäßige Arbeitszeiten und Erwerbsstabilität
Auch unregelmäßige Arbeitszeiten wie im Schicht- oder Wechseldienst gehen häufig mit schwankenden Wochenarbeitszeiten und variablen Einkommenshöhen einher. Obwohl hierzu aktuell keine belastbaren Zahlen vorliegen, zeigen qualitative Studien, dass Beschäftigte in solchen Modellen erfahrungsgemäß häufiger Erwerbsunterbrechungen erfahren und dadurch geringere beitragspflichtige Einkommen erzielen. Auch dies wirkt sich direkt auf die Ansammlung von Rentenpunkten aus.
Arbeitszeitmodelle und Altersvorsorge: Kurzfristig mehr Freizeit, langfristig weniger Rente
Arbeitszeitmodelle prägen Erwerbsbiografien und Rentenansprüche nachhaltig. Während flexible Modelle Vorteile für die Vereinbarkeit von Arbeit und Alltag bieten, erhöhen klassische Teilzeit und unregelmäßige Arbeitszeitmodelle das Risiko geringerer Altersrenten. Verkürzte Vollzeit kann ein zukunftsfähiger Kompromiss sein, der Flexibilität mit stabileren Einkommens- und Vorsorgeperspektiven verbindet. Angesichts des demografischen Wandels und zunehmend fragmentierter Erwerbsverläufe ist also die gezielte Gestaltung der Arbeitszeit auch ein wesentlicher Baustein individueller Altersvorsorge.