Beim Thema Altersvorsorge spielt der Staat für viele Menschen eine zentrale Rolle. Das zeigt der “AXA Vorsorge Report 2026”.
35 Prozent der Befragten sagen, dass der Staat die hauptsächliche Verantwortung für eine ausreichende Altersvorsorge trägt. Unter den 18- bis 24-Jährigen sind es 40 Prozent. Diese Zahlen zeigen: Gerade bei jungen Erwachsenen ist die Erwartung an den Staat besonders ausgeprägt. YouGov hat im Auftrag der AXA über 2.000 Personen in Deutschland im März 2026 online befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.
Private Vorsorge ist wichtig, aber nicht für alle bezahlbar
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass viele Menschen die gesetzliche Rente nicht als alleinige Absicherung ansehen. 51 Prozent sagen, dass sie sich nicht ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlassen. 52 Prozent der Bevölkerung investieren regelmäßig in die private Altersvorsorge. Im Vorjahr waren es 50 Prozent. Der Anteil ist damit leicht gestiegen. Allerdings legt ein großer Teil der Menschen wenig oder gar nichts zurück. 35 Prozent geben an, überhaupt nicht in die private Altersvorsorge zu investieren. Weitere 13 Prozent investieren weniger als 100 Euro im Monat. 15 Prozent sparen monatlich zwischen 100 und 200 Euro. Zehn Prozent kommen auf 200 bis 300 Euro. Höhere Beträge sind deutlich seltener. Fünf Prozent sparen monatlich 300 bis 400 Euro. Neun Prozent investieren mehr als 400 Euro im Monat.
Preissteigerungen bremsen die Altersvorsorge
Ein zentrales Hindernis sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten. 41 Prozent der Bevölkerung sorgen wegen der großen Preissteigerungen der vergangenen Jahre weniger für den Ruhestand vor. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2023. Damals lag der Anteil bei 32 Prozent. Im Jahr 2024 waren es 38 Prozent, im Vorjahr 40 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, wie stark Inflation und hohe Alltagskosten die private Altersvorsorge belasten. Wer mehr für Energie, Lebensmittel oder Dienstleistungen ausgeben muss, hat weniger Geld für langfristige Rücklagen. Die Hälfte der Bevölkerung würde gern mehr für den Ruhestand sparen. 50 Prozent sagen jedoch, dass sie sich das finanziell nicht erlauben können. Zugleich geben 16 Prozent zu, dass sie zu wenig für den Ruhestand vorsorgen, obwohl es ihnen finanziell möglich wäre, mehr dafür zu tun.
Wo Menschen zuerst sparen würden
Um mehr Geld für die Altersvorsorge investieren zu können, würden viele Menschen lieber an anderen Stellen kürzen. 31 Prozent würden am ehesten auf Restaurantbesuche, Ausgehen und Lieferdienste verzichten. 30 Prozent würden Ausgaben für Konsum wie Kleidung oder Technik reduzieren. 21 Prozent würden bei Reisen und Urlauben sparen. Auch diese Werte zeigen, dass private Altersvorsorge für viele Menschen in direkter Konkurrenz zu laufenden Ausgaben steht. Am Ende werden individuell verschiedene Prioritäten gesetzt.
Staatliche Reform soll neue Anreize setzen
Die Politik will die geförderte private Altersvorsorge neu aufstellen. Der Bundestag hat Ende März 2026 eine Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen. Ab Januar 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot das bisherige Angebot der Riester-Rente ablösen. Ob diese Reform das Vertrauen beim Thema Altersvorsorge stärkt, wird allerdings von der konkreten Ausgestaltung und der Motivation beziehungsweise Einbeziehung der Menschen hierzulande abhängen. Entscheidend ist, ob die Angebote verständlich, kostengünstig und auch für kleinere Sparbeträge geeignet sind.
Mehr Freude auf den Ruhestand bei regelmäßiger Vorsorge
Der AXA Vorsorge Report zeigt auch einen Zusammenhang zwischen privater Vorsorge und dem Blick auf die eigene Rentenphase. 54 Prozent der Befragten blicken mittlerweile eher mit Freude auf ihren späteren Ruhestand. Im vergangenen Jahr waren es 49 Prozent. Wer regelmäßig monatlich in die private Altersvorsorge investiert, ist verständlicherweise noch optimistischer. In dieser Gruppe blicken 57 Prozent eher mit Freude auf die kommende Rentenphase. Angesichts einer krisendurchsetzten Zeit und unsicherer Perspektiven sind das wirklich (noch) erstaunliche Werte. Im Vorjahr waren es übrigends 54 Prozent.
Vertrauen beim Thema Altersvorsorge braucht verlässliche Lösungen
All diese Zahlen zeigen somit ein klares Spannungsfeld. Viele Menschen sehen den Staat in der Pflicht. Zugleich ist vielen bewusst, dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreichen dürfte. Private Vorsorge wird wichtiger. Sie bleibt aber für einen großen Teil der Bevölkerung finanziell schwierig. Regelmäßiges Sparen verbessert die Chancen auf zusätzliche Rücklagen im Alter. Wer dafür kein Geld übrig hat, bleibt auch künftig stärker auf die gesetzliche Rente oder staatliche Unterstützung angewiesen. Genau deshalb braucht Vertrauen beim Thema Altersvorsorge nicht nur politische Zusagen. Es benötigt auch derartige Rahmenbedingungen, die private Rücklagen für Verbraucher im Alltag letztlich (realistisch) ermöglichen oder ausreichend unterstützen.