Die Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Rente beziehungsweise um eine Rentenreform gewinnt erneut an Schärfe. Auch eine aktuelle Umfrage deutet auf einen breiten Wunsch nach grundlegenden Änderungen hin.
Die Altersvorsorge bleibt hierzulande für viele Menschen ein wichtiges Thema. Denn die Zeiten als die Rente noch als vermeintlich „sicher“ propagiert beziehungsweise empfunden wurde, sind Vergangenheit. Der tatsächliche Reformbedarf ist immens. Doch bisher traute sich noch niemand an eine praktische Umsetzung. Gleichzeitig bleibt offen, welche Reformpfade politisch wirklich realistisch sind. Im Fokus einer dringend anzugehenden Veränderung der Sozial- und Rentenpolitik stehen grundlegende Fragen nach Finanzierung, Fairness zwischen Generationen und der Rolle weiterer Erwerbsgruppen.
Rentenreform in der öffentlichen Wahrnehmung

Die nun ermittelten Ergebnisse sind ein Signal dafür, wie hoch die Erwartungen an eine mögliche Reformrunde sind. Laut einer Civey-Umfrage im Auftrag der Funke-Mediengruppe halten 82 Prozent der Befragten eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung für notwendig. Gleichzeitig trauen jedoch nur 20 Prozent einer schwarz-roten Bundesregierung zu, eine solche Reform tatsächlich umzusetzen. 69 Prozent trauen ihr das nicht zu. Die Daten stammen aus einer Online-Befragung im Zeitraum 16. bis 22. Dezember 2025 mit rund 5.000 Teilnehmenden. Auch das Infoportal der gesetzlichen Rentenversicherung – ihre-vorsorge.de – hat die Ergebnisse aufgegriffen.
Welche Reformideen Zustimmung finden
Besonders viel Zustimmung seitens der Befragten erhält die Idee, den Renteneintritt stärker an Beitragsjahre zu koppeln. In der Umfrage befürworten 60 Prozent einen Renteneintritt nach geleisteten Beitragsjahren statt nach Lebensalter. Auch die Ausweitung des Versichertenkreises findet breite Unterstützung: 81 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Beamte, Selbstständige und Abgeordnete ebenfalls in die Rentenversicherung einzahlen. Diese Vorschläge werden allerdings bereits seit Jahren diskutiert. Doch sie tangieren grundlegende Systemfragen und finanzielle Strukturen.
Einordnung für individuelle Altersvorsorge und Finanzplanung
Für die private Finanzplanung ist dieser aktuelle Befund weniger eine konkrete Handlungsanweisung, sondern vielmehr ein alarmierendes Risikosignal. Je höher der Reformdruck, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Stellschrauben wie Renteneintritt, Beitragssätze oder Leistungsparameter angepasst werden. Für Erwerbsbiografien mit Teilzeitphasen oder unterbrochenen Beitragszeiten kann das die Bedeutung und Notwendigkeit zusätzlicher Vorsorge (weiter) erhöhen. Das gilt insbesondere für die nachrückenden Generationen. Auch betriebliche und private Vorsorgeinstrumente profitieren in der Regel von Planungssicherheit, die in Reformphasen oft begrenzt ist.
Was die Umfrage für die Reformagenda bedeutet
Die Umfrage zeigt einen breiten Wunsch nach einer großen Rentenreform. Inhaltlich stechen zwei Linien hervor: eine stärkere Orientierung am Beitragsverlauf sowie eine Erweiterung des Versichertenkreises. Zugleich besteht allerdings wenig Vertrauen in die Umsetzungsfähigkeit der Politik. Individuell sollten zusätzliche Vorsorgeentscheidungen getroffen werden, um die private Zusatzabsicherung für das Alter zielgerichtet auf- und auszubauen. Für die Zukunft der Altersvorsorge bleibt entscheidend, die anhaltende Reformdebatte als Hinweis auf künftige Änderungen wichtiger Parameter in der GRV zu verstehen. Denn weiteres Abwarten und Verdrängen der Rentenrealität kann sich die gesetzliche Rentenversicherung hierzulande nicht mehr länger leisten. Der demografische Wandel verstärkt den Reformbedarf zusätzlich. Die Rentenreform muss also kommen.