Regionale Rentenunterschiede prägen die Vorsorgelandschaft in Deutschland bereits seit vielen Jahren. Dabei sorgen vor allem unterschiedliche Einkommenszenarien vor Ort später auch für analog differenzierte Rentenleistungen.
Der Rentenatlas 2025 der Deutschen Rentenversicherung macht sichtbar, wie unterschiedlich Renten in Deutschland ausfallen. Während Einkommen und Erwerbsverläufe erheblich variieren, wirkt sich dies direkt auf Entgeltpunkte und Rentenhöhen aus. Die Daten zeigen deutliche regionale Divergenzen, die sich aufgrund demografischer Trends weiter verstärken könnten. Ergänzende Destatis-Daten liefern Hinweise auf strukturelle Ursachen („Verdienste“) hinter diesen Unterschieden. Auch eine 2024 vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlichte Analyse thematisiert detailiert eine „objektive regionale wirtschaftliche Entwicklung“.
Rentenatlas 2025: Wer wo am meisten Rente bezieht

Der Rentenatlas 2025 weist erhebliche Unterschiede bei den durchschnittlichen Bruttorenten nach mindestens 35 Versicherungsjahren aus. Die höchsten Durchschnittsrenten für Männer finden sich in Baden-Württemberg (2.013 Euro), Nordrhein-Westfalen (2.005 Euro), Hessen (1.957 Euro) und Hamburg (1.937 Euro). Die niedrigsten Durchschnittsrenten liegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt (je rund 1.676 Euro), Mecklenburg-Vorpommern (1.682 Euro) und Sachsen (1.785 Euro). Bei Frauen zeigen sich ähnliche regionale Muster. Die höchsten Werte liegen in Baden-Württemberg und Berlin-Ost (je rund 1.682 Euro) sowie in Nordrhein-Westfalen (1.645 Euro). Die niedrigsten durchschnittlichen Frauenrenten finden sich in Thüringen (1.467 Euro), Sachsen-Anhalt (1.476 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (1.482 Euro). Auffällig ist die geringere Differenz zwischen Männern und Frauen in Ostdeutschland, was auf höhere Vollzeitquoten in früheren Erwerbsbiografien zurückzuführen ist. Der bundesweite Durchschnitt der Renten nach 35 Versicherungsjahren liegt laut Rentenatlas 2025 bei 1.892 Euro für Männer und 1.459 Euro für Frauen.
Regionale Einkommensunterschiede laut Destatis
Destatis zeigt deutliche regionale Unterschiede bei den Bruttomonatsverdiensten, die ein wesentlicher Einflussfaktor für die Rentenhöhe sind. In wirtschaftsstarken Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Bayern liegen die durchschnittlichen Verdienste häufig über 4.500 Euro. Demgegenüber weisen strukturschwächere Regionen wie Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern häufig Bruttomonatsverdienste unter 3.300 Euro auf. Diese Differenzen führen über das Erwerbsleben zu erheblichen Unterschieden bei den gesammelten Entgeltpunkten für die (spätere) Rente.
Ursachen für regionale Rentenunterschiede und ihre Folgen
Die regionalen Unterschiede bei den Renten sind auf mehrere strukturelle Faktoren zurückzuführen. Hierzu zählt die unterschiedliche Wirtschafts- und Branchenstruktur: Regionen mit hoher Industrie- und Technologieintensität zahlen im Durchschnitt höhere Löhne und sichern höhere Entgeltpunkte. Demgegenüber dominieren in anderen Regionen gering entlohnte Dienstleistungsbranchen. Zudem führt eine unterschiedliche Verteilung von Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigung zwischen den Bundesländern zu weiteren Divergenzen. Demografische Entwicklungen verstärken regionale Rentenunterschiede zusätzlich. Stark alternde Regionen verlieren überdurchschnittlich viele Erwerbstätige, was zu sinkenden Löhnen, geringeren Beitragseinnahmen und niedrigeren Rentenansprüchen führt. Wachstumsregionen hingegen profitieren von Fachkräftezuzug und stabilen Erwerbsstrukturen.
Eine Einordnung der Ergebnisse – auch im Zuge der Rentendebatte
Sowohl der Rentenatlas 2025 als auch die regionalen Einkommensdaten von Destatis oder dem IW machen deutlich, dass und wie sehr individuell bezogene Rentenhöhen eng an die jeweilige Wirtschaftsstruktur und Erwerbsbiografie gekoppelt sind. Die regionalen Unterschiede dürften sich aufgrund demografischer und struktureller Entwicklungen weiter verfestigen. Für die Analyse der Altersvorsorge wird die regionale Perspektive daher zunehmend unverzichtbar. Ob dieser Tatbestand allerdings in der anhaltend kontroversen Rentenreform-Debatte ausreichend Berücksichtigung finden kann, bleibt wohl mehr als fraglich …