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    Private Altersvorsorge

    In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

    Private Altersvorsorge | 26.4.2022 Drucken

    Zeitpolster für Hilfe im Alter

    Generationennetzwerke organisieren die Unterstützung Älterer. Im Interview erläutert Gernot Jochum-Müller, Gründer eines solchen Netzwerkes in Österreich, ihren Aufbau.

    Zeitpolster ist ein Netzwerk zur Unterstützung Älterer. Wie funktioniert es im Detail?

    Wir sind eine österreichweite Organisation mit ein paar wenigen Angestellten, die Freiwilligenteams begleiten. Diese Teams organisieren vor Ort Betreuungsleistungen für ältere Menschen, für Personen mit Behinderungen und für Eltern. Die Helfer bekommen eine Zeitgutschrift, die sie ansparen und später im Alter für ihre eigene Betreuung einsetzen können. Für die betreute Person kostet eine Stunde Hilfe acht Euro. Die eine Hälfte davon dient der Finanzierung der Organisation. Die andere fließt auf das sogenannte Notfallkonto.

    Welche Art der Hilfe leisten diese Teams?

    Das können Einkäufe, Fahrdienst, Hilfe im Haushalt sein oder auch kleinere handwerkliche Arbeiten. Begleitung in der Freizeit, zum Arzt oder auf den Friedhof kommt ebenso infrage wie die Unterstützung bei behördlichen Schreiben. Im Grunde genommen also Tätigkeiten, die jeder Nachbar übernehmen kann und für die lediglich Alltagskompetenz erforderlich ist, die aber dazu beitragen, dass ein Leben im gewohnten Zuhause weiterhin gut möglich ist. Die Unterstützung für behinderte Menschen und die Betreuung von Kindern gehören auch zu den Aufgaben der Freiwilligenteams.

    Sparen ohne Inflation

    Gibt es darunter Favoriten, die häufiger nachgefragt werden?

    Auf dem Land sind es vor allem Fahrdienste, wir merken aber auch, dass die Betreuungsangebote weniger ausgebaut sind und so fallen alle Aufgaben an. In der Stadt ist es ein bunter Mix, aber mit sehr wenigen Fahrleistungen.

    Die Helfer sparen Zeit an. Was ist daran so vorteilhaft?

    Es ist inflationssicheres Sparen. Die Stunden, die ein Helfer selbst in 20 oder 25 Jahren in Anspruch nehmen kann, sind ausgesprochen kostengünstig, gemessen an den dann geltenden Preisen für Dienstleistungen. Aber das ist nur ein Vorteil. Wir haben viele Helfer, die selbst schon im Pensionsalter sind. Wenn sie sich etwas Geld dazu verdienen, entsteht sofort eine zusätzliche Besteuerung. Das ist bei Zeitguthaben nicht der Fall. Last but not least bringt die Mitarbeit und Einbindung in ein solches Netzwerk Wertschätzung und Teilhabe mit sich. Außerdem lernt man selbst viel übers Altern. Wer schon ein solches Zeitguthaben angespart hat, greift später auch deutlich früher auf Unterstützung Dritter zurück.

    Sie erwähnten ein Notfallkonto. Welchem Zweck dient es?

    Sollten Helfer später ihr Zeitpolster für die eigene Unterstützung nicht einsetzen können, weil zum Beispiel in ihrer Nähe keine Teams sind, dann werden aus dem Notfallkonto entsprechende Dienstleistungen finanziert, bis zur Höhe des angesparten Betrags.

    Unterstützung für ehrenamtliche Teams

    Solche Netzwerke sind an sich nichts völlig Neues. In Deutschland gibt es sie bereits seit einigen Jahren. Sie sind aber in der Regel lokal und in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt, hängen zudem oft an einigen wenigen Schlüsselpersonen. Scheiden diese aus, versiegt meist die Aktivität im Netzwerk. Droht eine solche Limitierung bei Zeitpolster auch?

    Dieses Scheitern solch toller Initiativen habe ich vor der Gründung von Zeitpolster ebenfalls beobachtet und nach den Gründen gefragt. Die Analyse zeigte Folgendes: Es existiert meist ein sehr engagiertes Gründungsteam, dem es aber nicht gelingt, eine Nachfolge aufzubauen. Daraus haben wir den Schluss gezogen, dass die ehrenamtlichen Teams überfrachtet sind, wenn sie sich um alles, also Technologie, Kommunikation, Finanzen, kümmern müssen. Deswegen haben wir für ganz Österreich eine Organisation geschaffen. Es gibt einheitliche Verfahren und eine Finanzverwaltung für alle. Damit reduzieren wir den Aufwand für die Freiwilligen deutlich. Sie können sich dann um die Gewinnung der Helfer und die Organisation der Unterstützung kümmern.

    Die „Zentrale“ und der Verbund sind also der Unterschied zu den vielen örtlich isolierten Initiativen, wie wir sie in Deutschland kennen. Da stellt sich allerdings die Frage, wie Sie den Aufbau finanziert haben. Schließlich entstehen Einnahmen aus der Hilfe erst mit der Zeit.

    Das ist richtig. Erfahrungen zeigen, dass es vier bis fünf Jahre dauert, um eine Finanzierung auf eigenen Beinen zu erreichen. Es bedarf also Geldgeber am Anfang. Wir hatten das Glück, dass wir einen Social-Business-Preis gewonnen haben. Außerdem hatten wir eine sehr erfolgreiche Crowd-Finance-Kampagne. Hinzu kamen private Darlehensgeber, die uns langfristig Geld zur Verfügung stellen. Außerdem unterstützt uns eine Stiftung in der Anfangsphase.

    Ausdehnung auf Deutschland

    Stichwort Anfangsphase: In welchem Jahr fiel der Startschuss für Zeitpolster und wie weit sind Sie bislang gekommen?

    Die Gründung erfolgte 2018. Kurze Zeit später kam uns erst einmal die Pandemie dazwischen, was die Ausbreitung natürlich bremste. Aber wir hatten so Zeit, gründlich über Struktur und Organisation nachzudenken. Ein Ergebnis: 2020 haben wir uns zu einem Franchisesystem entwickelt und gründen gerade in Deutschland eine gemeinnützige GmbH, um unser Konzept auch in unser Nachbarland zu tragen. Derzeit suchen wir in Deutschland Partner für Zeitpolster, die in ihrer Region das Modell mit unserer Unterstützung umsetzen wollen. In Österreich sind wir mittlerweile in sechs Bundesländern mit etwa 300 Helfern vertreten. Unser Modell ist anerkannt. Mit Salzburg hat uns das erste Bundesland beauftragt, es landesweit zu etablieren. Letztes Jahr sind wir um 90 Prozent gewachsen. 2022 könnten wir noch einen etwas höheren Zuwachs erreichen.

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