Emerging Markets – gute Aussichten, doch nicht alle überzeugen

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27. Februar 2026

Emerging Markets – gute Aussichten, doch nicht alle überzeugen

Viele Schwellenländer weisen ein recht erfreuliches wirtschaftliches Wachstum auf. Doch das allein reicht nicht aus, um für Investoren attraktiv zu sein. Weitere Faktoren kommen hinzu, damit Anleger am Ende auch Gewinne erzielen. Zugegeben, Emerging Markets sind an der Börse kein Geheimtipp, doch die Auswahl lukrativer Schwellenmärkte, also solche, bei denen es sich lohnt, einzusteigen, ist nicht ganz leicht.

Gemeinsam haben viele dieser Staaten, dass ihre Volkswirtschaften kräftig wachsen, zum Teil deutlich schneller als die der etablierten Industrienationen – hier fällt die Auswahl also nicht schwer. Doch bei der Zuverlässigkeit und Stetigkeit des Wachstums trennt sich die Spreu vom Weizen. Da kommen mehrere Faktoren ins Spiel, auf die die Emerging Markets nicht immer Einfluss haben.

Der Einfluss der US-Währung auf die Emerging Markets

Nehmen wir zum Beispiel die US-Währung. Der Dollar ist so ein Faktor, der von enormer Bedeutung für die Entwicklung in den Emerging Markets ist, auf die sie selbst aber keinen Einfluss haben. Wertet etwa der Dollar gegenüber den Währungen der Schwellenländer auf, führt das in aller Regel zu einer schwierigeren Ausgangslage für die prosperierenden Nationen. Denn ein starker Dollar führt ganz allgemein gesprochen zu einer Liquiditätsverknappung in den Emerging Markets. Sie müssen ihre meist in Dollar gehaltenen Verbindlichkeiten zu weniger günstigen Wechselkursen zurückzahlen.

Zudem führt eine Abwertung ihrer Heimatwährungen zu einer Verteuerung von benötigten Importen. Das betrifft insbesondere jene Emerging Markets, die über keine eigenen Energieressourcen verfügen. Die Energieimporte sind für sie aber extrem wichtig, um das Wachstum im Land aufrecht zu erhalten. Eine Dollar-Stärke geht des Weiteren häufig mit einer Verschiebung der Kapitalflüsse einher. Weil Investitionen in Dollar attraktiver werden, ziehen Investoren ihr Geld aus den Emerging Markets ab. Das verschlechtert in den aufstrebenden Nationen die Finanzierungsmöglichkeiten von dort ansässigen Unternehmen. Das Wirtschaftswachstum bekommt einen Dämpfer, was zu weiteren Kapitalabflüssen führen kann.

Dollar treibt Emerging Markets an

Das ist das Negativszenario, das viele Experten für das Jahr 2025 für die Emerging Markets für wahrscheinlich gehalten haben. Nicht zu Unrecht, immerhin endete das Jahr 2024 recht stark für den US-Dollar. Gemessen am Dollar-Index, der die Entwicklung der US-Währung gegenüber anderen wichtigen Handelswährungen misst, legte der Dollar von September bis Ende Dezember 2024 um rund acht Prozent zu. Das ließ Beobachter auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends beim Dollar hoffen, was schlecht für die Emerging Markets gewesen wäre. Doch es kam anders.

Mit dem Antritt von Donald Trump als neuen US-Präsidenten veränderte sich die Lage. Eine erratische Außenpolitik und das Drängen der US-Regierung auf eine Reduzierung der Zinsen durch die US-Notenbank führten zu Kurseinbußen beim Dollar. Mehr oder weniger kann man auch von einer künstlichen Abwertung und einem Währungskrieg sprechen. Der Dollar-Index liegt seit Anfang 2025 mit rund zehn Prozent im Minus. Davon konnten viele Emerging Markets enorm profitieren. Trotz wackelnder Weltkonjunktur konnten sie gute Wachstumszahlen präsentieren, unter dem Strich legte das Bruttoinlandsprodukt in den Schwellenländern im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent zu. Die Mechanismen, die das gute Abschneiden beförderten, waren sozusagen das Spiegelbild des oben skizzierten Negativszenarios. Faktoren, die bei einem starken Dollar die Emerging Markets belasten, werden zu einem „Treiber“, wenn der Dollar fällt.

Eine gute Aktienperformance ist kein Garant für Gewinne

Daraus konnten auch einige Aktienmärkte in den Emerging Markets ihren Nutzen ziehen. Gemessen am MSCI Emerging Markets Index legten die Börsen der Schwellenländer 2025 ihre beste Performance seit Jahren hin, es ging um etwa 40 Prozent nach oben. Auch wenn man unterstellt, dass der Dollar sein Abwärtspotenzial weitestgehend ausgeschöpft hat, so ist zu hoffen, dass auch 2026 ein gutes Jahr für die Emerging Markets wird, diesmal aus der Richtung der fundamentalen Wachstumsstärke dieser Länder.

Doch Vorsicht: Sie erinnern sich an die zu Beginn erwähnte Spreu, die sich vom Weizen trennt? Trotz guter Gesamtperformance, nicht jede Börse aus den Emerging Markets war für Anleger 2025 ein Gewinn. Selbst wenn die Aktien zulegten, konnte man unter dem Strich einen Verlust einfahren. Nämlich dann, wenn die Heimatwährung eines Schwellenlandes unter Abwertungsdruck stand. So etwa die Türkische Lira, die im zurückliegenden Jahr um fast 40 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet hat. Die Abwertung hat die Performance der türkischen Aktien – im zurückliegenden Jahr ging es gemessen am ISE 100, einem Leitindex der Börse in Istanbul, um immerhin rund 15 Prozent nach oben – für deutsche Anleger nicht nur zunichte gemacht, am Ende saß man sogar auf einem erheblichen Buchverlust.

Aktienanlage in Emerging Markets ist alles andere als trivial

Daraus folgt: Wer am Wachstum der Emerging Markets teilhaben möchte, muss auf einiges achten, um am Ende wirklich erfolgreich zu sein. Dazu gehört nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern, auch der „Wert“ ihrer Währung ist wichtig. Und der hängt wiederum am Vertrauen der Anleger, daran, ob das Land transparent und ökonomisch sinnvoll arbeitet, ob die Notenbanken unabhängig agieren.


Dr. Markus C. Zschaber ist Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de