Bevölkerungsschwund: Deutschland verzeichnet erstmals wieder Rückgang

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02. März 2026

Bevölkerungsschwund: Deutschland verzeichnet erstmals wieder Rückgang

Die demografische Entwicklung in Deutschland hat im Jahr 2025 einen Wendepunkt erreicht. Die Zeichen stehen auf Bevölkerungsschwund. Nach mehr als einem Jahrzehnt nahezu kontinuierlichen Wachstums ging die Bevölkerungszahl erstmals wieder zurück.

Ausschlaggebend war das Zusammenspiel aus anhaltendem Geburtendefizit und einer deutlich geringeren Nettozuwanderung. Damit konnte der Sterbeüberschuss nicht mehr durch Wanderungsgewinne ausgeglichen werden. Der Bevölkerungsschwund ist somit das Ergebnis struktureller Trends in der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und bei den Wanderungsbewegungen. Darüber berichtet das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung im Januar 2026.

Geburtendefizit bleibt auf hohem Niveau

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Bevölkerungszahl zum Jahresende 2025 bei rund 83,5 Millionen Personen und damit leicht unter dem Vorjahreswert. Maßgeblich hierfür war erneut die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen. Für das Jahr 2025 werden 640.000 bis 660.000 Geburten erwartet, während die Zahl der Gestorbenen bei gut einer Million lag. Daraus ergibt sich ein Geburtendefizit von 340.000 bis 360.000 Personen. Bereits im Vorjahr hatte der Sterbeüberschuss mehr als 330.000 Personen betragen. Der langfristige Trend zeigt damit eine dauerhaft negative natürliche Bevölkerungsentwicklung, die ohne Zuwanderung nicht kompensiert werden kann.

Nettozuwanderung deutlich geringer als im Vorjahr

Hinzu kam eine spürbar niedrigere Nettozuwanderung. Während im Jahr 2024 noch ein Wanderungssaldo von über 430.000 Personen verzeichnet wurde, lag die geschätzte Nettozuwanderung 2025 nur noch zwischen 220.000 und 260.000 Personen. Damit fiel sie um mindestens 40 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Diese Reduktion reichte nicht aus, um das hohe Geburtendefizit auszugleichen. In der Folge verringerte sich die Gesamtbevölkerung trotz positiver Wanderungsbilanz. Der Bevölkerungsschwund ist damit Ausdruck einer Verschiebung im Verhältnis von natürlicher Bevölkerungsentwicklung und Migration.

Bevölkerungsschwund als strukturelles Signal

Rückläufige Bevölkerungszahlen waren zuletzt zwischen 2003 und 2010 sowie im Pandemiejahr 2020 zu beobachten. Seit 2011 hatte die Nettozuwanderung regelmäßig dazu beigetragen, das Geburtendefizit zu überkompensieren. Die aktuellen Zahlen markieren daher einen erneuten Übergang in eine Phase schrumpfender Gesamtbevölkerung. Für Arbeitsmarkt, Sozialversicherungssysteme und regionale Entwicklung ergeben sich daraus langfristige Herausforderungen. Insbesondere die Alterung der Bevölkerung wird durch den Bevölkerungsschwund weiter verstärkt, da jüngere Jahrgänge zahlenmäßig schwächer besetzt sind als ältere Kohorten.