Aktienanleger und Sparer in schwerem Gelände

Die eigenständige Altersvorsorge ist in Deutschland steuerlich stark belastet. Bürokratische Hürden machen die Geldanlage wenig vergnüglich. Die Aktienkultur erfährt keinerlei Förderung.

Dieses Resümee zieht das Flossbach von Storch Research Institute in einem Dossier zur Entwicklung der Rahmenbedingungen für private Sparer und Aktienanleger. An die hiesige Politik richtet Autor Christof Schürmann im Ergebnis drei Forderungen. Erstens sollten Sparerfreibeträge inflationsbereinigt wieder auf frühere Niveaus zurückgeführt werden. Zweitens plädiert er für die Wiedereinführung der Spekulationsfrist. Drittens müsse der Gesetzgeber die Benachteiligung von Privatanlegern gegenüber Großaktionären und Unternehmensvorständen bei Squeeze-outs und auf Hauptversammlungen beenden.

Seine Vorschläge leitet er aus einer Chronologie der „Sabotage“ des privaten Sparens ab. Stichwort „Spekulationsfrist“. Viele können sich vielleicht nur noch dunkel daran erinnern. Bis Ende 2008 blieben Zuwächse aus Anlagen in Aktien, Anleihen oder Fonds, die Anleger erst nach einer Haltedauer von zwölf Monaten realisierten, steuerfrei. Bis 1999 galt sogar nur eine Spekulationsfrist von sechs Monaten. Steuerfrei waren auch unterjährige Gewinne von weniger als 512 Euro pro Kalenderjahr. Das sollte die kurzfristige Spekulation mit Wertpapieren ein wenig eindämmen und vor allem längere Haltezeiten fördern. Wer noch auf Beständen sitzt, die vor dem 1. Januar 2009 erworben wurden, dem nutzt die alte Frist bis heute.

Höhere Steuern und geringere Freibeträge

An die Stelle der Spekulationssteuer trat die Abgeltungssteuer. Sie beträgt seither 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, insgesamt also 26,375 Prozent. „Die Steuer ist einkommensunabhängig und löste bei Dividendenausschüttungen das sogenannte Halbeinkünfteverfahren ab, das geringeren gegenüber höheren Einkommen bei der Besteuerung Vorteile eingeräumt hatte. Bei Zinseinnahmen galt bis Ende 2008 eine Zinsabschlagssteuer von 30 Prozent, für Tafelgeschäfte 35 Prozent“, erläutert Christof Schürmann im Dossier die Veränderungen. Wie stark sich diese auswirken, zeigt er anschaulich anhand einiger Beispielrechnungen.

Zweites Beispiel aus seiner Chronologie: die Erosion des Sparerfreibetrags. „Kursgewinne sind das eine, Ausschüttungen das andere“, schreibt Schürmann. „Damit ließ es sich vor 30 Jahren gut leben, standen doch jedermann 6.000 D-Mark (3.119 Euro) pro Jahr zur Verfügung, bis zu denen keine Steuern anfielen. Innerhalb dieses Freibetrags konnten sich Zinseszinsen voll entfalten. Der Bund passte den Freibetrag, innerhalb dessen sich auch Kursgewinne steuerfrei realisieren lassen, über die vergangenen Jahrzehnte in loser Folge an. Aktuell liegt er bei nicht mal mehr einem Drittel seines ehemaligen Hochs und das sogar noch nominal, also ohne Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes des Geldes.“

Aktienanleger haben durch Vorabpauschale weniger Liquidität

Drittes und auch jüngstes Beispiel ist die Einführung der Vorabpauschale bei Fondsanlagen, die seit 2018 gilt. Diese ist abhängig von einem einmal jährlich von der Deutschen Bundesbank festgelegten Zins. Während der Niedrigzinsphase kam die Pauschale erst einmal nicht zum Tragen. Für 2023 lag der Zins dann bei 2,55 Prozent. Die Vorabpauschale führt die Depotbank des Anlegers automatisch ab. Es handelt sich um eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen. Die Vorabpauschale wird berechnet, wenn ein Fonds einen positiven Wertzuwachs im abgelaufenen Kalenderjahr erzielt hat und keine oder nur geringe Ausschüttungen vornimmt, beschreibt der Autor das durchaus komplizierte Verfahren. Verstanden wird es bei weitem nicht von allen Anlegern.

Zwar wird bei einem Verkauf der Anteile die Vorabpauschale vom Veräußerungsgewinn abgezogen. Es kommt also nicht zu einer doppelten Besteuerung. Allerdings entzieht sie den Anlegern zwischenzeitlich Liquidität. Das schmälert natürlich zugleich den Zinseszinseffekt. Doch nicht nur bei der unmittelbaren Besteuerung macht Christof Schürmann Benachteiligungen und Stolpersteine für private Aktienanleger aus. So sind Ausschüttungen von Unternehmen doppelt besteuert, auf Unternehmens- und Anlegerseite. Die Beratung zu Aktien wurde durch gesetzliche Vorschriften erschwert. Dokumentationspflichten führen zu überbordender Bürokratie.

Altersvorsorge ist steuerlich stark belastet

Bei Börsenrückzügen hat der Gesetzgeber zudem die Aktionärsrechte massiv beschnitten. Seit 2002 dürfen Unternehmen mit nur noch wenigen frei an der Börse handelbaren Papieren (unter fünf Prozent) Minderheitsaktionäre gegen eine Barabfindung ausschließen (sogenanntes Squeeze-out). Das ist für die Aktienkultur in der privaten Anlegerschaft nicht besonders förderlich.

„Die eigenständige Altersvorsorge ist in Deutschland steuerlich stark belastet. Bürokratische Hürden machen die Geldanlage wenig vergnüglich, von der Förderung der Aktienkultur ist keine Spur“, fasst der Autor in seinem Fazit zusammen. Da es keine Hoffnung gebe, dass die EU-Bürokratie eingedämmt werden könnte, sollte sich die Politik auf die drei anfangs genannten Felder konzentrieren: Verbesserungen beim Sparerfreibetrag, bei der Spekulationsfrist und bei den Aktionärsrechten.

Wie findet man den richtigen Fonds?

1950 wurde der erste Aktienfonds in Deutschland aufgelegt. Heute hat man eine Auswahl von über 7.000 aktiven Aktien-, Renten-, Misch-, Immobilien- und Geldmarktfonds.

Seit dem Jahr 2000 sind ca. 2.800 in Deutschland handelbare ETF (ExchangeTraded Funds) hinzugekommen. Bei diesem als passiv bezeichneten Ansatz handelt es sich um börsengehandelte Fonds, die in der Regel einen Index abbilden. Die Depotstruktur wird nicht aktiv gemanagt, sondern anhand festgelegter Parameter angepasst. Seit knapp zehn Jahren hat man innerhalb dieser Angebotspalette auch ein größeres Angebot an nachhaltigen Fondskonzepten. Das macht die Auswahl nicht immer einfach.

1. Prioritäten setzen. Egal, wie groß das Angebot an Anlageinstrumenten ist, für die Zusammenstellung eines Portfolios sind die persönlichen Ziele und Wünsche und die dafür notwendigen Zeithorizonte entscheidend. Auch der beste Aktienfonds ist nicht für kurzfristige Ziele geeignet. Daher sollte auf Rendite verzichtet und eine geldmarktnahe Alternative gewählt werden. Die persönlichen Prioritäten legen also fest, welches Anlagesegment überhaupt in Frage kommt. Dadurch reduziert sich auch die Anzahl der in Frage kommenden Anlagevehikel.

Blick in die Vergangenheit

2. Historische Daten sind keine Garantie, aber trotzdem relevant. Hat man seine Prioritäten festgelegt, sieht man sich mit Daten konfrontiert, die in der Vergangenheit liegen. Hier geht es auch darum, wie sich der Fonds im Vergleich zu anderen Produkten der gleichen oder zumindest ähnlichen Fondsgruppe geschlagen hat und wie er sich in Schwächephasen, beispielsweise in der Finanzkrise, entwickelt hat. Insbesondere bei Mischfonds mit hohem Rentenanteil oder auch bei reinen Rentenfonds muss man berücksichtigen, dass nach 45 Jahren mehr oder weniger fallender Zinsen und einem schnellen Anstieg des Zinsniveaus in 2022 einige „spezielle Phasen“ verarbeitet werden mussten.

3. Relevante Kennzahlen. Der erste Blick fällt oft auf die reine Performance in Prozent, die sich vornehmlich auf einzelne Jahre, bestimmte Zeitabschnitte oder die gesamte Fondshistorie bezieht. Hier ist zu berücksichtigen, wie sich der Gesamtmarkt in der gleichen Zeiteinheit entwickelt hat, wie vergleichbare Fonds gelaufen sind, welches Risiko man während der Anlagedauer eingegangen ist und natürlich welche Kosten das Investment verursacht hat. Im Idealfall kann das Management auf eine langjährige Expertise verweisen, die auch schwache Marktphasen einschließt.

Bei gleicher Rendite sticht die Volatilität

Weiterhin sollte keine hohe Korrelation zu anderen Produkten bestehen, die bereits im Portfolio vorhanden sind. Mittels Korrelationstabellen kann man feststellen, ob sich Fonds ähnlich oder sogar gleich entwickeln. Es ist besser, unterschiedliche Ansätze zu kombinieren.

Die Volatilität gibt darüber Auskunft, wie hoch die Schwankungsbreite in einem Beobachtungszeitraum war. Erreichen mehrere Fonds aus dem gleichen Segment eine ähnliche Rendite, sollte man das Produkt wählen, dass den Ertrag mit einer geringeren Volatilität erreicht hat. Im Zusammenhang mit der Volatilität sollte auch ein Blick auf den maximalen Verlust geworfen werden, der in der gewählten Zeiteinheit eingetreten ist.

Die sogenannte Sharp Ratio gibt darüber Auskunft, ob eine Überrendite gegenüber einer risikolosen Geldanlage erreicht wurde. Eine Sharp Ratio >1 ist ein positives Signal. Ein Wert kleiner Null zeigt dagegen an, dass noch nicht einmal die Geldmarktverzinsung übertroffen wurde. Das Alpha bezieht sich dagegen auf die Benchmark eines Fonds und gibt an, wie viel Wertentwicklung des Fonds von der des Vergleichsindex abweicht. Ist diese Zahl positiv, wurde eine bessere Performance erzielt als bei einem Investment in den Vergleichsmarkt.

Kosten transparent machen

3. Welche Kosten fallen an? Die Kosten sollten in etwa dem Marktdurchschnitt für das gewählte Segment entsprechen. Sie werden in der Gesamtkostenquote (TER) abgebildet. Die Kostenquote hängt stark von der gewählten Fondsgruppe ab. Es ist ein Unterschied, ob ein Geldmarktfonds benötigt wird, ein Rentenfonds für eine kurz- oder mittelfristige Investition oder langfristig in Aktienmärkte oder mehrere Anlageklassen investiert werden soll.

Während bei geldmarktorientierten Fonds nur geringe Kosten tolerierbar sind, muss man bei aktiven vermögensverwaltenden Ansätzen auch schon mal mit Gesamtspesen von mehr als zwei Prozent im Jahr rechnen. Es sollte klar sein, dass bei Banken, Versicherungen und auch bei beratungsorientierten Ansätzen in der Regel immer zwischen einem und zwei Prozent Spesen anfallen. Da man aber meist keine echte Rechnung erhält, sondern die Kosten sich aus unterschiedlichen Einzelbeträgen zusammensetzen oder verrechnet werden, ist den meisten Privatanlegern nicht bewusst, wie viel Kosten bei traditionellen Beratungsmodellen anfallen.

Passive Produkte machen mehr Arbeit

5. Aktives oder passives Management? Bei jedem Investment muss man sich Gedanken darüber machen, welche Ziele man verfolgt und ob man auch Zeit und Interesse hat, sich selbst intensiver darum zu kümmern. Je mehr man sich selbst zutraut, umso höher kann auch der Anteil an passiven Produkten sein. Anleger mit Erfahrungen, guter Selbsteinschätzung, Zeit und Disziplin können mit den kostengünstigeren, passiven Strategien gute Ergebnisse erzielen

Für die Erreichung langfristiger Ziele ist die Kombination verschiedener aktiver, vermögensverwaltender Ansätze, die mehrere Anlageklassen berücksichtigen, hilfreich. So verbindet man unterschiedliche Investmentphilosophien. Baut man so ein Portfolio gestaffelt mit Einmalzahlungen und befristeten Sparplänen auf, entfällt zudem das Timing-Problem. Grundsätzlich werden auch etwas weniger Anlageprodukte benötigt. Das sorgt für eine bessere Übersicht im Depot und es müssen insgesamt weniger Anlageentscheidungen getroffen werden. Außerdem wird so die Gefahr, dem „Herdentrieb“ in Extremphasen zu folgen, reduziert.

Fachmagazine bieten viele Informationen

6. Fazit. Da in Deutschland nur einstellige Prozentanteile direkt in Aktien investiert werden, ca. drei Billionen Euro auf Tagesgeld-, Festgeld und Sparkonten liegen, ist grundsätzlich zu empfehlen, dass der größere Anteil des mittel- bis langfristig nicht benötigten Vermögensanteils auf aktive Anlagestrategien erfahrener Vermögensverwalter oder/und passive Investmentfonds verteilt wird. 

Privatanleger haben die Möglichkeit, auf Fachmagazine wie beispielsweise Das Investment, Fonds professionell, ETF-Extra-Magazin, €uro-Magazin oder Finanztest zurückzugreifen. Hier finden sich regelmäßig ausführliche Übersichten und Bewertungen zu vielen aktiven und passiven Fonds, die nach unterschiedlichen Kategorien geordnet sind.

Am Anfang hilft Expertenrat

Werden nachhaltige Ansätze gesucht, ist ein Blick auf die Internetseite des Forums Nachhaltige Geldanlagen hilfreich. Unter der Rubrik „Qualität und Standards“ findet man die FNG-Nachhaltigkeitsprofile für knapp 600 Fonds. Hat man eine Grundauswahl getroffen, kann man sich die Factsheets auf Internetseiten wie onvista.de, finanzen.net oder finanzen100.de ansehen bzw. direkt auf die Internetseite des Fondsanbieters gehen, um nähere Informationen zur Depotstruktur und Anlagephilosophie des Fonds zu erhalten.

In der Anfangsphase sollte allerdings nicht auf unabhängigen Rat von Anlageberatern oder Vermögensverwaltern verzichtet werden. Der kostet zwar etwas, aber grundsätzliche Fehler im Portfolioaufbau sind meist teurer als ein Beratungshonorar.


Andreas Görler

Gastautor Andreas Görler ist Senior-Wealth-Manager und zertifizierter Fachmann für nachhaltige Investments bei der -Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH in Berlin.

Rentenausgaben wachsen, die Wirtschaftskraft auch

Die Rentenausgaben steigen, das Bruttoinlandsprodukt ebenfalls. Da stellt sich die Frage: Wachsen Rentenausgaben und Wirtschaftskraft im Gleichschritt?

Die langfristige Finanzierung des deutschen Rentensystems ist und bleibt eine Herausforderung. Trotz absolut steigender Bundeszuschüsse für die Rentenausgaben zeigen Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), dass der prozentuale Anteil dieser Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den letzten Jahren gesunken ist. Veröffentlicht wurden diese Zahlen im Rahmen einer BMAS-Antwort auf eine Parteienanfrage im Bundestag; nachzulesen auf ihre-vorsorge.de, dem Online-Informationsportal der Deutschen Rentenversicherung.

Im Jahr 2009 beliefen sich die Bundesmittel für die Rentenversicherung auf 3,3 Prozent des BIP, während die Ausgaben der Rentenversicherung 10,1 Prozent des BIP ausmachten. Bis 2022 sank dieser Anteil auf 2,8 Prozent für die Bundesmittel und 9,3 Prozent für die Rentenausgaben. Über drei Prozent lag der Anteil der Bundeszuschüsse den BMAS-Angaben zufolge zuletzt im Jahr 2010 (3,2 Prozent). Diese Entwicklung legt nahe, dass Deutschland einen geringeren Anteil seiner Wirtschaftsleistung für die gesetzliche Rente aufwendet, selbst angesichts einer steigenden Anzahl von Rentnerinnen und Rentnern.

Starkes BIP-Wachstum relativiert die Höhe

In absoluten Beträgen haben sich sowohl die Bundesmittel als auch die Ausgaben der Rentenversicherung seit 2009 deutlich erhöht: von knapp 80 Milliarden Euro auf 109 Milliarden Euro für die Bundesmittel und von 246 Milliarden Euro auf 360 Milliarden Euro für die Rentenausgaben. Parallel dazu wuchs das nominale Bruttoinlandsprodukt von knapp 2,5 Billionen Euro auf fast 3,9 Billionen Euro. Die Proportionen der Rentenausgaben im Vergleich zum BIP haben sich also in erster Linie deshalb verringert, weil ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichnet wurde

Mehr Personen sind länger in Rente

Die Anzahl der Rentenbezieher steigt kontinuierlich. Innerhalb von zehn Jahren bis 2021 wuchs die Zahl der Rentner aus Altersgründen um eine Million. Insgesamt gibt es in Deutschland aktuell über 21 Millionen Rentenbezieher. Dieser Trend wird sich fortsetzen, da aus den geburtenstarken Jahrgängen Menschen verstärkt ins Rentenalter kommen. Neben der größeren Zahl an älteren Menschen kommt in vielen Fällen auch noch eine individuell längere Rentenbezugsdauer hinzu. Der Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums sah schon 2021 in einer Studie, „schockartig steigende Finanzierungsprobleme“ auf die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland zukommen. Dieses Szenario wird laut dieser Prognose bereits 2025 beginnen. Es ist also schon vom kommenden Jahr die Rede …

Ein weiteres Szenario: Steigende Bundeszuschüsse nötig

Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag zur Rente vier mögliche Szenarien dargestellt, die für die weitere Stabilität und Funktionalität des Rentensystems hierzulande sorgen. In einem davon müsste laut der Autoren der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung deutlich ansteigen. Nur so könnten Rentenniveau und Beitragssätze einigermaßen stabil bleiben. Laut einer Studie des ifo-Instituts könnten bis 2050 fast 60 Prozent des Bundeshaushalts für Renten aufgewendet werden müssen. Dies wäre der Fall, falls die aktuellen Regelungen beibehalten werden. Selbst ohne diese Regelungen würden die Rentenausgaben fast 40 Prozent des Bundeshaushalts beanspruchen.

Inflation traf Rentner nicht stärker

Die Kaufkraft von Rentnern der gesetzlichen Rentenversicherung sank in den vergangenen Jahren nicht stärker als bei anderen Haushalten. Darauf machen Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) aufmerksam.

Als die Inflation in den beiden zurückliegenden Jahren auf ihrem Höhepunkt war, entspann sich deutschlandweit eine Diskussion darüber, dass bei den Entlastungsmaßnahmen zunächst die Rentner außen vor blieben. Das korrigierte die Politik nach den ersten Versuchen, die Kritik abzuwiegeln, zum Teil später. Offen blieb allerdings die Frage, ob Rentner vielleicht sogar stärker von der Inflation betroffen sind. Da ihre Einkünfte vergleichsweise niedriger sind, geben sie mehr Geld für das tägliche Leben aus. Das führt, ähnlich wie bei den Arbeitnehmern mit niedrigen Gehältern, zu einer höheren Inflationsbelastung.

Nun liegen Ergebnisse einer Untersuchung zu den Inflationsbelastungen von Rentnerhaushalten des IW Köln vor, die vom Forschungsnetzwerk Alterssicherung unterstützt wurde. Das sind die Kernaussagen: Gesetzlich versicherte Rentnerhaushalte waren im Durchschnitt nicht stärker von der Inflation belastet als andere Haushaltsgruppen. Seit 2018 sank die Kaufkraft der GRV-Rentner um 1,7 Prozent, bei anderen Haushalten ging sie um 2,2 Prozent zurück.

Vor allem im ersten Jahr der Coronapandemie waren GRV-Rentner weniger stark von Einkommenseinbußen betroffen. So konnten Selbständige kein Geld verdienen. Viele Beschäftigte hatten aufgrund von Kurzarbeit weniger Geld in der Tasche. Rentnerhaushalte hingegen bekamen weiterhin ihre Rentenzahlung, die immer noch die wichtigste Einkommensquelle im Alter ist.

Hohe Lebensmittelpreise belasteten untere Einkommen

Als Folge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stiegen 2022 die Preise für Energie, Verkehr und Nahrungsmittel erheblich. Die erhöhten Energiekosten belasteten zwar die Rentnerhaushalte besonders stark, doch da sie seltener ein Auto fahren und daher weniger tanken müssen als andere Haushalte, glich sich die Gesamtbelastung höherer Preise im Jahresdurchschnitt 2022 aus und war nicht höher als für andere Haushalte.

Auch 2023 waren Rentnerhaushalte insgesamt nicht stärker von der Inflation betroffen als andere. Der Unterschied zu den Jahren davor: Die Inflationsrate von 5,9 Prozent wurde im vergangenen Jahr maßgeblich durch höhere Lebensmittelpreise getrieben. Das traf vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, da sie einen größeren Teil für Nahrungsmittel ausgeben. So fehlten den unteren 20 Prozent der Rentner im Jahr 2023 durchschnittlich 324 Euro, um sich die gleichen Waren und Dienstleistungen wie im Jahr 2018 leisten zu können. Mögliche Anpassungen im Konsumverhalten blieben unberücksichtigt.

Zielgenaue Entlastung half

„Rentner sind ähnlich stark von der hohen Inflation betroffen gewesen wie sonstige Haushalte in der Bevölkerung“, stellt IW-Ökonom und Studienautor Maximilian Stockhausen fest. Insbesondere die einkommensschwachen Haushalte, wozu auch ein Teil der Rentnerhaushalte gehört, waren durch die hohen Lebensmittelpreise im letzten Jahr noch besonders belastet. Zielgenaue Entlastungen einkommensschwacher Haushalte wie durch die Wohngeld-Plus-Reform 2023 waren daher richtig. Weil die Inflation seit Monaten sinkt, seien keine weiteren Entlastungen notwendig.


Wie Haushalte auf die Inflation in den Jahren 2022 und 2023 beim Konsum, Sparen und Wohnen reagierten, zeigt auch die DIA-Studie „Wenn der Euro an Wert verliert“.

Auf lange Sicht bewahrt Gold die Kaufkraft

Wenn es zu Kriegen und Krisen kommt, denken viele Anleger schnell an Gold als sogenannte Krisenwährung. Mirko Kohlbrecher vom Vermögensverwalter Spiekermann & CO AG in Osnabrück erklärt im Interview, vor welchen Risiken das Edelmetall wirklich schützt.

Hält Gold den Erwartungen, als Krisenwährung Schlimmeres zu verhindern, tatsächlich stand?

Nicht unbedingt. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine fiel der Goldpreis deutlich. 2008, als die Märkte wegen der Finanzkrise ins Trudeln kamen, tauchte das in Dollar gehandelte Edelmetall zeitweise um bis zu 30 Prozent ab. Auch 2001, als das World Trade Center in Schutt und Asche lag, fiel der Goldpreis zunächst weiter.

Was ist mit dem kurzfristigen Schutz vor Inflation? In der Inflationswelle nach Corona machte das Edelmetall ja keine allzu gute Figur…

Die wichtigste Ursache für den Kursrückgang beim Gold im Jahr 2022 waren die massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank, denn diese wirken sich direkt auf den Realzins – sprich Nominalzins minus Inflationsrate – aus. Der Realzins allein und nicht die Inflation ist die entscheidende Größe für den Preis des Edelmetalls. Steigt der Realzins, kommt Gold unter Druck. Dies gilt selbst dann, wenn der Realzins negativ bleibt.

Gold schützt also nicht vor Krisen und hilft kurzfristig auch nicht gegen Inflation, wenn die Zinsen deutlich steigen. Wofür ist das Edelmetall also gut?

1971, als der politisch regulierte Goldpreis freigegeben wurde, startete die Feinunze mit 35 Dollar. Jetzt, nach knapp 53 Jahren, notiert die Feinunze über 2.100 Dollar. Das entspricht dem 60-fachen bzw. einem jährlichen Wertzuwachs von rund acht Prozent und in etwa dem Wachstum der Geldmenge in den USA. Aus unserer Sicht ist die Botschaft klar: Gold bewahrt auf lange Sicht die Kaufkraft, weil der Wert einer Feinunze parallel zur Geldmenge des Landes wächst. Dies geschieht unter teils hohen Schwankungen, weshalb ich auf lange Sicht besonders betonen möchte.

Gilt dieser Zusammenhang auch für Anleger in anderen Währungsräumen?

Ja. Klar und deutlich wird dies vielleicht am besten am Beispiel der Türkei, die seit Jahren unter einer starken Abwertung ihrer Währung leidet. In türkischer Lira hat sich der Goldpreis in dieser Währung seit 2019 versiebenfacht. Mit Gold konnte man der Abwertung der türkischen Lira also wirksam Paroli bieten.

Welchen Anteil ihres Vermögens sollten Anleger in Gold investieren?

Das kommt auf Risikoprofil und Ziele des Anlegers an. Wer Gold nutzen will, um sich effektiv vor einer Abwertung – sprich Inflationierung – der Währung zu schützen, sollte zwischen zehn und 15 Prozent des Vermögens in physisches Gold bzw. besicherte Zertifikate anlegen. Mit einer kleineren Quote kann man dieses Ziel nicht erreichen. Ein größerer Anteil wiederum würde das Gewicht von Aktien und Anleihen im Depot zu sehr drücken.

Sparer in den USA schneiden besser ab

Die Sparrate in Deutschland ist etwa doppelt so hoch wie in den USA. Dennoch ist das durchschnittliche verfügbare Einkommen von amerikanischen Rentnern höher. Das Flossbach von Storch Research Institute ging der Frage nach, warum US-Sparer erfolgreicher sind.

Zur Antwortsuche verglich Sven Ebert, Senior Research Analyst bei Flossbach von Storch, die betriebliche Altersversorgung (bAV) in beiden Ländern. Sein Fazit: Die USA hat mit dem 401(k)-Plan ein Instrument, das zu hohen Bruttorenditen führt. Steuererleichterungen sorgen für Anreize zum Sparen und die Kosten für die Verträge bleiben aufgrund von Wettbewerb und geringer Regulatorik im Rahmen.

Beim 401(k) handelt es sich um einen Sparplan, bei dem die Arbeitnehmer Chancen und Risiken der Kapitalanlage selbst tragen. Der Arbeitgeber gibt lediglich einen Zuschuss zu den Sparraten. Experten sprechen bei solchen Konstruktionen von einem Defined-Contribution-Plan. 76 Prozent aller amerikanischen Angestellten besitzen Zugang zu einem 401(k)-Plan. Fast 79 Prozent der Menschen mit Zugang sparen im Rahmen des Plans fürs Alter. Alles in allem nutzen sechs von zehn amerikanischen Beschäftigten diese betriebliche Altersversorgung, stellt Sven Ebert fest. Damit ist die bAV-Verbreitung in den USA nur unwesentlich höher als in Deutschland.

Hohe Aktienquote und wenig Regulierung

Diese Pläne weisen hohe Aktienquoten auf. Über 70 Prozent der Sparer haben mindestens sieben von zehn Dollar in Aktien investiert. Bei den unter 40-jährigen sind es sogar mehr als 90 Prozent. Ebert verweist auf die Folgen der hohen Aktienquote: Das durchschnittliche 401(k)-Konto legte 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 118.600 Dollar zu. Je nach Ausgestaltung des Plans erfolgt eine vor- oder nachgelagerte Besteuerung.

Die Entnahmen aus dem Plan sind wenig reguliert. Der Inhaber hat dabei relativ große Freiheiten. Lediglich einige Mindestvorgaben sorgen dafür, dass die Steuer auf die Auszahlungen nicht weit bis ins hohe Alter gestundet werden muss. Eine Verrentung findet nicht statt. Es gibt also keine Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, wie es bei Rentenzahlungen in der deutschen betrieblichen Altersversorgung der Fall ist.

Ein Plan in den USA, zehn Modelle in Deutschland

Darüber hinaus bestehen noch einige weitere deutliche Unterschiede, die nach Einschätzung von Sven Ebert der bAV hierzulande das Leben schwer machen. In Deutschland gibt es anders als in den USA nicht nur einen Sparplan in zwei unterschiedlichen Ausführungen, sondern vier verschiedene Zusagearten, die auf fünf verschiedenen Wegen durchgeführt werden können. So entstehen über zehn verschiedene bAV-Modelle. Außerdem limitieren Garantien, begrenzte Aktienquoten und andere Anlagevorschriften die möglichen Bruttorenditen. Der Fairness halber muss hinzugefügt werden, dass in der deutschen bAV der Arbeitgeber weitgehend die Anlagerisiken übernimmt. Lediglich bei der reinen Beitragszusage, die höhere Renditepotentiale hat, trägt der Arbeitnehmer ein Kapitalmarktrisiko.

Highway oder Dschungelpfad

Sven Ebert verweist zudem auf komplizierte Regelungen im deutschen Steuer- und Sozialversicherungsrecht, auf hohen Verwaltungsaufwand und auf eingeschränkte Übertragbarkeit beim Arbeitgeberwechsel hin. Während die betriebliche Altersversorgung in den USA ein gut ausgebauter Highway sei, auf dem man das Ziel einer auskömmlichen Altersversorgung leicht erreichen könne, fällt sein Fazit für Deutschland ziemlich kritisch aus. Das Einrichten einer bAV in Deutschland gleiche einer Dschungelexpedition. „Der Unternehmer muss sich auf der Suche nach guten Lösungen für seine Arbeitnehmer durch ein Dickicht an Verordnungen kämpfen. Ist er bei der Wahl von Route und Expeditionsleiter nicht gründlich, erleiden seine Arbeitnehmer mitunter Einbußen. Zum vermeintlichen Schutz des Anlegers eingeführte Garantien und sonstige Regulatorik erschweren das Vorankommen auf vielfältige Art und Weise.“

Verbesserungsbedarf weithin erkannt

Hiesige Unternehmen mit etablierter Betriebsrente, bAV-Träger und Consultants werden seine Einschätzung in dieser Rigorosität sicherlich nicht teilen und auf etliche nicht erwähnte positive Seiten im Vergleich Deutschland – USA verweisen. Da wäre ja auch einiges anzuführen: kollektive Organisation zur Risikominderung, Einstandspflichten des Arbeitgebers, sozialpartnerschaftliche Vereinbarungen und einiges mehr. Dass die deutsche bAV besser werden kann, zum Beispiel durch den Abbau von Verwaltungsaufwand, wird aber niemand in Frage stellen.


Das gesamte Dossier von Flossbach von Storch Research Institute zur bAV in den USA und in Deutschland finden Sie hier. Einen umfassenden Vergleich von sechs europäischen Alterssicherungssystemen hat die jüngste DIA-Studie vorgenommen. Mehr Informationen dazu in der aktuellen Presseinformation.

Immobilienmarkt erlebt Zögern und Zaudern

Am Immobilienmarkt herrscht derzeit viel Verunsicherung: Zwei von drei Kaufinteressenten (71 Prozent) legen ihre Pläne für den Erwerb von Wohneigentum auf Eis, weil sie auf bessere Bedingungen hoffen.

Das ergab eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Deutsche Bank Immobilien. Das Unternehmen ging auch der Frage nach, ob die Aussicht auf bessere Konditionen am Immobilienmarkt tatsächlich einen Aufschub von Kaufabsichten rechtfertigt.

Eigenheim auf dem Land

Der Immobilienmarkt ist im Umbruch: Gestiegene Zinsen, fallende Reallöhne und Inflation haben die Preisrallye beendet. Die Nachfrage nach Wohneigentum wurde spürbar gebremst. Laut einer YouGov-Umfrage hat die Mehrheit der Kaufinteressenten ihre Absichten zwar nicht aufgegeben, aber erst einmal aufgeschoben. Aktuell planen 16 Prozent der Deutschen, in den nächsten Jahren Wohneigentum zu kaufen. Damit sind es nur etwas weniger als im Januar 2023 mit 18 Prozent und im März 2021 mit 19 Prozent.

Allerdings zögern derzeit 71 Prozent der potenziellen Immobilienkäufer, ihre Pläne tatsächlich umzusetzen. Die Gründe: 34 Prozent warten auf weiter sinkende Preise für Wohneigentum. 31 Prozent spekulieren auf niedrigere Zinsen für Hypothekendarlehen. Knapp 23 Prozent hoffen auf neue staatliche Förderprogramme für den Kauf oder die Modernisierung der eigenen vier Wände. 

Neubau stagniert, Mieten steigen 

Florian Schüler, Sprecher der Geschäftsführung von Deutsche Bank Immobilien, hält die Zurückhaltung allerdings für unbegründet. „Das Angebot auf dem Immobilienmarkt ist derzeit vergleichsweise groß und die Nachfrage verhalten, entsprechend moderat ist das Preisniveau. Käuferinnen und Käufer, die das für sie passende Objekt gefunden haben, sollten ihr Vorhaben jetzt realisieren.“ Die Lage könnte sich seiner Meinung nach schon bald wieder drehen. Er erwartet, dass die Nachfrage am Immobilienmarkt in naher Zukunft wieder steigen wird und damit auch die Preise. Tatsächlich ist der Bedarf an Wohnraum ungebrochen hoch. Da sehr wenig neu gebaut wird, steigt die Nachfrage nach Gebäuden im Bestand. Gleichzeitig erklimmen die Mietpreise immer neue Rekordhöhen. „Aufgrund der hohen Mieten lohnt sich für immer mehr Menschen der Kauf von Wohneigentum trotz der gestiegenen Zinsen“, meint Florian Schüler. 

Förderung für Familien 

Die Bauzinsen sind durch die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die Inflation ab Sommer 2022 deutlich gestiegen. Zuletzt gaben sie zwar etwas nach, werden sich aber auf dem aktuellen Niveau einpendeln, prognostiziert Deutsche Bank Immobilien. Damit sei die Finanzierung von Wohneigentum allerdings immer noch erschwinglicher als beispielsweise in den 1980er- und 1990er-Jahren. Damals waren die Bauzinsen mit knapp zehn Prozent deutlich höher als heute und die Einkommen im Vergleich zu den Preisen geringer.

Zurzeit fördert der Staat Familien mit geringem und mittlerem Einkommen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit zinsgünstigen Darlehen mit einer verlängerten Laufzeit von 20 Jahren. Ab Sommer 2024 soll zusätzlich das Programm „Jung kauft Alt“ starten, das Familien beim Erwerb von sanierungsbedürftigen Immobilien unterstützt. 

Mehr Arbeitnehmer im Rentenalter

Der Anteil sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer im Rentenalter von 65 Jahren oder älter steigt nach Angaben des Bundesamtes für Statistik weiter an.

Mitte des vergangenen Jahres zählten die Statistiker rund 550.700 Arbeitnehmer in dieser Altersgruppe. Das entspricht einem Anteil von 1,6 Prozent bei insgesamt 34,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 13,4 Prozent. Im Vergleich zu Mitte 2013 ist sogar eine Verdreifachung der Arbeitnehmer im Rentenalter zu verzeichnen.

Die Gründe für diesen Trend sind vielschichtig. Einerseits bedeutet eine längere Erwerbstätigkeit für Arbeitnehmer im Rentenalter eine fortgesetzte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Andererseits stellt sie eine wirksame Maßnahme gegen die potenzielle Gefahr der Altersarmut dar. Hinzu kommt der schrittweise Anstieg des gesetzlichen Renteneintrittsalters in Deutschland auf 67 Jahre bis 2031. Auch die Unternehmen sehen sich durch Fachkräftemangel und demografischen Wandel zunehmend zum Handeln veranlasst. Sie orientieren sich verstärkt darauf, ältere Arbeitnehmer weiterhin im Unternehmen zu halten und schaffen entsprechende Arbeitsbedingungen.

Eher Lebensunterhalt oder Zuverdienst?

Im Jahr 2022 zeigte sich, dass rund 40 Prozent der Erwerbstätigen ab 65 Jahren ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch Arbeitseinkommen sicherten. Für 57 Prozent der Befragten diente dieses Einkommen jedoch lediglich als Zuverdienst zur Rente oder zu Vermögenseinkünften. Laut Bundesagentur für Arbeit hatten zudem Ende Juni 2022 rund 317.000 Personen ihren Rentenbeginn verschoben, um sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu bleiben. Fast eine Million Rentner (990.000) übten zudem einen Minijob aus.

Welche Rolle spielt die Flexirente?

Die Einführung der Flexirente stellte eine Antwort auf den Wunsch vieler Arbeitnehmer dar, den Übergang ins Rentenalter individueller zu gestalten. Die Möglichkeit, den Rentenbeginn hinauszuzögern oder parallel zur Rente weiterzuarbeiten, gewinnt angesichts der demografischen Entwicklung und des Arbeitskräftemangels an Bedeutung. Die Flexirente ermöglicht es älteren Arbeitnehmern, aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Außerdem können sie so ihr Einkommen aufbessern und wichtige Wertschätzung in der Arbeitswelt erfahren.

Gold – kommt jetzt die große Aufwärtswelle?

In den vergangenen Jahren ist es still geworden um Gold. Kein Wunder: Von 2011 bis 2020 verlor das Edelmetall zeitweise fast die Hälfte seines Wertes. Von 2020 bis jetzt lief der Kurs fast nur seitwärts.

Doch mit dem klaren Ausbruch über 2.050 Dollar und einem frischen Allzeithoch zeigte Gold im März 2024 viel Stärke. Dem Edelmetall könnten ein paar glänzende Jahre bevorstehen – nicht zuletzt wegen guter fundamentaler Gründe.

Reichtum weltweit Gold

Für bekennende Freunde des Goldes waren die letzten Jahre kein Vergnügen. Nach dem starken Anstieg um 500 Prozent von 2001 bis 2012 folgte die Ernüchterung: Der Goldpreis fiel zeitweise von 1.800 auf gut 1.000 Dollar und benötigte insgesamt fast ein Jahrzehnt, um sein früheres Hoch wieder zu erreichen. Doch selbst 2020 war noch Geduld gefragt: „Wer damals bei einem Goldpreis von 2.000 Dollar auf einen weiteren Anstieg setzte, wurde später von der US-Notenbank und ihren Zinserhöhungen ausgebremst“, sagt Phillip Krenz von der BV Bayerische Vermögen GmbH mit Hauptsitz in München. „Dadurch kam es 2022 erneut zu Kursverlusten“, so der Vermögensverwalter.

Klarer Ausbruch beendet Jahre des Hin und Her

Erst 2023 wurden die Preisausschläge beim Edelmetall geringer – ein Zeichen, dass große Käufer verstärkt beim Gold zugriffen und so den Preis stützten. Die unsichtbare Linie, die Investmentprofis wie Mirko Kohlbrecher zogen, lag bei rund 2.070 Dollar: „Sollte der Goldpreis diese Marke nachhaltig überschreiten, wäre das Hin und Her der letzten Jahre erst einmal Geschichte“, blickt der Vermögensverwalter bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück zurück. Im März 2024 kam es dann tatsächlich zum klaren Ausbruch aus der Seitwärts-Phase. „Dem Edelmetall könnten erneut goldene Zeiten bevorstehen. Dafür gibt es neben der positiven Kursentwicklung gute fundamentale Gründe“, so Kohlbrecher.

Gold gibt trotz massiver Zinserhöhung kaum nach

Das sieht Phillip Krenz ähnlich. Für höhere Notierungen spreche bereits die Resilienz des Goldpreises angesichts der beispiellosen Zinserhöhungen der US-Notenbank. „Die Federal Reserve hat den Leitzins in 18 Monaten von beinahe null auf über fünf Prozent erhöht. Dennoch kam der Goldpreis verhältnismäßig wenig unter Druck“, so der unabhängige Vermögensprofi. Ein Grund dafür könne sein, dass der Realzins, der sich aus Nominalzins minus Inflationsrate ergibt, wegen der höheren Leitzinsen zwar stieg, aber wegen der sehr hohen Inflation dennoch negativ blieb. „In diesem Umfeld erfüllt Gold weiterhin seine Funktion als Alternativwährung, die vor einer Abwertung der eigenen Währung schützt“, so Krenz.

Notenbanken werden Geldmengen weiter ausdehnen

Auch auf Sicht der nächsten Jahre ist man bei Spiekermann & CO positiv für das Edelmetall eingestellt. „Wir glauben, dass wir uns ähnlich den 1970er Jahren in einer inflationären Epoche befinden, in der die Geldmenge tendenziell weiter wachsen und der Realzins dauerhaft negativ bleiben wird“, sagt Mirko Kohlbrecher. Dieser Treiber sei umso wichtiger, weil Gold anders als Aktien und Anleihen keine regelmäßigen Erträge wie Dividenden oder Zinsen abwirft. Hinzu komme, dass Länder wie Brasilien, Indien oder China bzw. deren Notenbanken ihre Goldbestände ausbauen, um von der Geldpolitik der USA unabhängiger zu werden. „Auch dieser Faktor sollte den Gold-Kurs stützen oder sogar antreiben“, so der unabhängige Vermögensverwalter.

Staatshaushalte lassen keine hohen Zinsen zu

Last but not least können sich die westlichen Staaten dauerhaft hohe Zinsen wohl gar nicht leisten, da diese die bereits strapazierten Staatshaushalte zu sehr belasten würden. „Wenn ein immer größerer Teil des Budgets für den Schuldendienst aufgewendet werden muss, steht dieses Geld weder für Infrastruktur, Bildung oder soziale Sicherung zur Verfügung“, stellt Vermögensverwalter Krenz fest. Das sei der Bevölkerung auf Dauer nicht zu vermitteln. Hinzu kämen zusätzliche Herausforderungen wie eine bessere Verteidigungsfähigkeit Europas angesichts der russischen Aggressionen. Vor diesem Hintergrund werden die Notenbanker die Leitzinsen so bald als möglich senken, wenn sie dadurch nicht ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation verlieren.

340 Prozent Wertzuwachs in 20 Jahren

Fazit: Zwölf Jahre nichts gewesen außer Spesen – nach einer solchen langen Phase ist Gold aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Dabei konnte das Metall beim Wertzuwachs in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchaus mit dem starken US-Aktienmarkt mithalten. Seit der Auflage des ersten Gold-ETF in den Vereinigten Staaten im Jahr 2004 hat Gold rund 340 Prozent zugelegt, der S&P 500 inkl. Dividenden etwa 360 Prozent. Bricht Gold nun dauerhaft nach oben aus, sind die Aussichten auch für Gold-Anleger in den nächsten Jahren wieder glänzend.

Künstlersozialkasse meldet erstmals weniger Kreative

Nachdem die Zahl der Versicherten in der Künstlersozialkasse über Jahre hinweg signifikant gestiegen war, könnte nun ein Wendepunkt erreicht sein.

Für das Jahr 2023 hat die Künstlersozialkasse (KSK), die Sozialversicherung für selbständig wie hauptberuflich kreativ Tätige, im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr weniger Versicherte gezählt. Dieser Fakt ist erstmals seit 25 Jahren aufgetreten. Das geht aus aktuellen Daten der KSK hervor.

Demnach sank die Zahl der über die KSK abgesicherten Personen zwischen 2022 und 2023 um knapp 1.400 Versicherte. Dennoch sind mit rund 192.600 immer noch doppelt so viele schreibend Tätige beziehungsweise bildende, musikalische oder darstellende Künstler KSK-versichert als im Jahr 1998. 

Allerdings kann angesichts der nun von der KSK vorgelegten Zahlen ein vorläufiger Höhepunkt seit Gründung im Jahr 1983 erreicht sein. Auch der demografische Wandel hierzulande dürfte dazu beitragen. Zumal es gerade in wirtschaftlich ungewissen Zeiten individuell schwerer fällt, von Kunst leben zu können. Doch auch dank der KSK ist es immerhin noch möglich, als Kreativer tätig zu sein, ohne auf einen gewissen Grad an sozialer Absicherung zu verzichten.

Bildende Kunst an der Spitze

Aufgeteilt auf die einzelnen künstlerischen Kategorien waren 2023 von allen KSK-Versicherten 39.804 im Segment „Wort“ (u. a. Schriftsteller, Werbetexter und Publizisten) tätig. Zur bildenden Kunst bekannten sich 67.437 Versicherte. 53.536 Personen waren im musikalischen Bereich aktiv und 31.796 zählten sich zur darstellenden Kunst. Insgesamt summierte sich der KSK-Bestand zum Ende 2023 damit auf 192.573 Versicherte.

So funktioniert das KSK-System

Die Künstlersozialkasse ist ein Geschäftsbereich der Unfallversicherung Bund und Bahn. Sie sorgt dafür, dass ihren Versicherten der gesamte gesetzliche Leistungskatalog der Renten- und Sozialversicherung zusteht. Diese müssen aber nur die Hälfte der jeweils fälligen Beiträge zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung selbst finanzieren. Die KSK stockt die Beträge mittels Bundeszuschusses (20 Prozent) sowie aus Sozialabgaben von Unternehmen (30 Prozent) auf, die Leistungen aus Kunst und Publizistik verwerten.

Bemessungsgrundlage der Künstlersozialabgabe sind alle in einem Kalenderjahr von Unternehmen an selbständige Kreative gezahlten Entgelte. Im Jahr 2024 beträgt der Abgabesatz 5,0 Prozent auf diese Honorare. Bis zum 30. September wird jeweils der für das folgende Kalenderjahr geltende Abgabesatz durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales festgesetzt. Generell müssen künstlerisch selbständig Tätige einen Antrag auf Zugehörigkeit zur Künstlersozialkasse stellen. Dieser wird insbesondere darauf geprüft, ob überhaupt eine als künstlerisch definierbare Tätigkeit ausgeübt wird. Zudem darf ein jährliches Mindesteinkommen nicht unterschritten werden.

Gewappnet für Marktblasen

Während Bitcoin neue Höhen erreicht, Gold und selbst der scheinbar vergessene japanische Markt neue Allzeithochs entwickeln, scheint der Begriff „Marktblase“ in aller Munde zu sein.

Mit den Erkenntnissen der Neurofinanz lassen sich Marktblasen erklären. Aktiv gemanagte Mischfonds wiederum können eine sinnvolle Alternative sein, um das Portfolio gegen Marktblasen abzusichern.

Der Herdentrieb ist ein Phänomen, bei dem Individuen sich in Horden gruppieren und die Handlungen anderer ohne eigene Entscheidungen imitieren. In der Finanzwelt verstärkt dieses kollektive Verhalten Marktbewegungen und befeuert ein Gefühl der Euphorie, wenn die Preise über vernünftige Niveaus steigen. Die Angst, etwas zu verpassen, verstärkt sich, wenn Anleger befürchten, bei der raschen Vermögenswertsteigerung zurückgelassen zu werden. Rationalität weicht dann irrationaler Begeisterung, was zu überbewerteten Kursen führt, die von den wirtschaftlichen Grundlagen abgekoppelt sind.

Wenn Marktblasen platzen, verwandelt sich das Fieber des panischen Kaufens in panische Verkaufsangst, was zu scharfen Marktkorrekturen führt, da die Preise sich an die zugrundeliegenden Fundamentaldaten anpassen. Dennoch ist es erwähnenswert, dass der durch Herdenverhalten ausgelöste Momentum-Effekt erhebliche Gewinne für kluge Anleger liefern kann, sofern man ihn nutzt. Aber Anleger sollten Disziplin wahren und mit ruhiger Hand navigieren, unterstützt von einer sorgfältig ausgearbeiteten Ausstiegsstrategie. Das führt zum nächsten Punkt.

Marktblase oder Bullenmanie?

Allzeithochs werden manchmal von massiven Einbrüchen begleitet. Es ist jedoch viel häufiger, dass einem Allzeithoch ein weiteres Allzeithoch folgt. Anleger würden gut daran tun, diese Lektion zu beachten: Die Tatsache, dass ein Vermögenswert auf einem Allzeithoch gehandelt wird, sollte sie nicht davon abhalten, ihn zu kaufen. Eine Blase ist nur eine Blase, bis sie platzt. „The trend is your friend.“ Allerdings ist Vorsicht geboten. Systemische Blasen, die an die Finanzkrise von 2008 erinnern, haben die Fähigkeit, ganze Volkswirtschaften ins Chaos zu stürzen.

Ein Blick auf die Performance des Technologiesektors ist lehrreich: Im Jahr 1995 machte er bescheidene 8,5 Prozent des S&P-Index aus. Der Anteil stieg bis zum Jahr 2000 auf über 29 Prozent, kurz bevor die Dotcom-Blase platzte. Heute macht der Sektor wieder etwa 29 Prozent des Index aus. Darüber hinaus hat der jüngste Anstieg des S&P 500, der in nur vier Kalendermonaten einen außergewöhnlichen Zuwachs von 21,5 Prozent verzeichnete, nur zweimal in der Geschichte stattgefunden: Während der Dotcom-Blase und als die US-Wirtschaft sich von der Rezession erholte.

Ein Fall für aktiv verwaltete gemischte Fonds

Die Absicherung eines Portfolios gegen Blasen umfasst die Suche nach Strategien, die die Auswirkungen unvorhergesehener Marktschocks verringern können. Aktiv verwaltete Fonds können einen überzeugenden Ansatz bieten. Im Gegensatz zu Delta-1-Produkten, wie passive Indextracker (ETF), werden gemischte Fonds aktiv verwaltet und können die Allokation mittels Absicherungsinstrumente oder durch andere Assetklassen anpassen. Diese Flexibilität ermöglicht es dem Fondsmanagement, von Markttrends zu profitieren und Marktineffizienzen auszunutzen, um potenzielle Renditen zu steigern sowie Risiken zu minimieren. Während Long-ETF nur Diversifikationsvorteile innerhalb steigender Märkte des von ihnen verfolgten Index bieten, sind gemischte Fonds strategisch zwischen Assetklassen bzw. Instrumenten diversifiziert.

Abwärtsrisiko bei passiven Strategien

Fazit: Da die Bewertungen unerreichte Niveaus erreichen, stehen Unternehmen vor erhöhten Investorenerwartungen für die bevorstehende Quartalsberichtssaison. Angesichts dieses Szenarios kann es für Anleger sinnvoll sein, flexiblere Anlagestrategien zu nutzen, da passiv verwaltete Fonds in abwärtsgerichteten Märkten möglicherweise nicht über die Widerstandsfähigkeit verfügen, um potenzielle Marktturbulenzen zu bewältigen. Sollten Kapitalmarktblasen platzen, setzen passive Produkte die Anleger einem erheblichen Abwärtsrisiko aus. Aktiv verwaltete Fonds können sich aufgrund ihrer Agilität sowie Flexibilität abfedern. Daher könnte die Entscheidung für aktiv verwaltete Fonds angesichts heiß gelaufener Märkte einen robusteren Schutz bieten.


Gastautor Nikolas Kreuz ist Geschäftsführer der INVIOS GmbH in Hamburg. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

Beim Vermögensaufbau sind Aktien alternativlos

Wer langfristig ein Vermögen ansparen möchte, muss auch auf Aktien setzen. Warum das so ist und wie viel man dort investieren sollte, erläutert Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung.

Warum empfehlen Sie Aktien für den Vermögensaufbau?

Damit beteiligen sich Anleger am Produktivkapital, das Werte schafft. Sie haben damit einen Sachwert im Portfolio und eine der renditestärksten Anlageklassen. Letzteres ergibt sich daraus, dass Aktien einen eingebauten Inflationsschutz haben. Inflation beschert Unternehmen über höhere Preise steigende Einnahmen und letztlich Wachstum.

Daraus ergibt sich der Wertzuwachs für den Anleger?

Anders als bei reinen Zinsanlagen gibt es hier zwei Komponenten: Zum einen die Kursgewinne, die allerdings variabel sind. Zum anderen die Dividenden, die der Anleger, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren, am besten reinvestieren sollte. Allerdings darf man Dividenden nicht mit Zinsen gleichsetzen, weil Ausschüttungen auch sinken oder ausfallen können – je nachdem, wie sich das Unternehmen entwickelt. Insgesamt aber ergibt sich bei Aktien langfristig ein Wertzuwachs von sechs bis acht Prozent im Schnitt pro Jahr.

Aber bestehen bei Aktien nicht auch deutlich höhere Risiken?

Kurzfristig auf jeden Fall. Hier kann es zu erheblichen Risiken in Form von mitunter sehr heftigen Kursschwankungen kommen. Da kann das eingesetzte Kapital auch 50 Prozent und mehr an Wert verlieren. Das Gute aber ist: Langfristig, wenn man länger als 15 Jahre sein Geld breit gestreut investiert, geht die Verlustwahrscheinlichkeit gegen Null.

Wie hoch kann folglich der Aktienanteil sein?

Das hängt von der Risikoneigung des einzelnen ab. Das heißt, wer nachts nicht schlafen kann, wenn sein angelegtes Geld an Wert verliert, sollte eine geringere Aktienquote haben. Grundsätzlich aber kann man bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren und mehr, den jüngere Menschen und Berufseinsteiger haben, vollständig in Aktien gehen.

Aber das ändert sich dann im Zeitablauf?

Früher gab es die Formel Aktienquote entspricht 100 minus Lebensalter. Die gilt so nicht mehr, weil die Lebenserwartung stark gestiegen ist. Wer mit 65 Geld anlegt, hat einen Anlagehorizont von über 15 Jahre im Schnitt. Damit kann die Aktienquote auch höher sein als 35 Prozent. Wir empfehlen bei Eintritt ins Rentenalter eher zwischen 40 und 70 Prozent – abhängig von der Risikoneigung.