Der Zuverdienst für Frührentner wird wichtiger. Eine IW-Analyse zeigt, dass inzwischen immer mehr vorzeitig Verrentete über die Minijobgrenze hinaus hinzuverdienen.
Der Zuverdienst für Frührentner hat seit der Reform von 2023 in Deutschland deutlich an Bedeutung gewonnen. Seitdem dürfen Bezieher einer vorgezogenen Altersrente unbegrenzt hinzuverdienen. Die frühere Hinzuverdienstgrenze ist entfallen. Damit hat sich auch der Charakter des frühen Rentenbezugs verändert. Frührente bedeutet heute häufiger nicht mehr den vollständigen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Sie wird zunehmend zu einem flexiblen Übergang zwischen Arbeit und Ruhestand.
IW-Analyse zeigt wachsenden Zuverdienst über der Minijobgrenze
Wie stark dieser Trend bereits wirkt, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Demnach verdient inzwischen jeder vierte besonders langjährig Versicherte mehr als 603 Euro pro Monat hinzu. Gemeint ist die Gruppe der Versicherten mit 45 Beitragsjahren, die vorzeitig und ohne Abschläge in Rente gegangen sind. Die Marke von 603 Euro entspricht 2026 der Minijobgrenze. Dadurch ergibt sich ein (potentieller) maximaler Jahreszuverdienst von 7.236 Euro.
Früher Rentenbeginn und Weiterarbeit passen immer häufiger zusammen
Der Trend hat mehrere Ursachen. Viele Ältere bleiben gesund, motiviert und arbeitsfähig. Denn Arbeitsverhältnisse haben in der Regel neben der monetären Seite auch wichtige soziale Komponenten. Zugleich suchen Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels erfahrene Beschäftigte. Hinzu kommt der finanzielle Druck auf viele Haushalte. Mobilität, Versorgung, Miete – vieles kostet mehr, die Aussichten sind vage. Wer früher in Rente geht, nutzt seinen zusätzlichen Verdienst also oft, um Einkommen zu stabilisieren oder den Lebensstandard im Ruhestand zu sichern. Der frühe Rentenbeginn wird damit immer häufiger zu einer Übergangsphase und weniger zu einem klaren oder geplanten Schnitt.
Für die Rentenpolitik ist das ein wichtiges Signal
Für die Rentenpolitik ist dieser Befund in mehrfacher Hinscht relevant. Die Debatte über den vorzeitigen Rentenbeginn wird oft so geführt, als stünden sich Ruhestand und Erwerbstätigkeit sozusagen strikt gegenüber. Die IW-Zahlen sprechen jedoch für ein anderes Bild. Ein Teil der Frührentner bleibt dem Arbeitsmarkt erhalten. Das kann einerseits Unternehmen aktiv entlasten und die individuelle Einkommenssituation vieler Menschen Monat für Monat stabilisieren oder sogar verbessern. Denn der Trend zeigt eben auch: Flexible Übergänge in den Ruhestand sind für viele Menschen attraktiver geworden. Angesichts steigender Kosten und Belastungen bleibt somit auch die Chance auf einen Zuverdienst hierzulande wichtig.