Kinderarmut und Altersvorsorge: Frühe Ungleichheit wirkt bis ins Alter nach

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04. Februar 2026

Kinderarmut und Altersvorsorge: Frühe Ungleichheit wirkt bis ins Alter nach

Kinderarmut und Altersvorsorge können eng miteinander verknüpft sein. Denn neben der dadurch oft schwierigeren Phase des Aufwachsens können sich die Folgen frühzeitiger (finanzieller) Ungleichheit später bis ins Alter auswirken.

Nach Daten aus dem Mikrozensus und EU-SILC lebten im Jahr 2024 hierzulande rund gut 2,2 Millionen Kinder in Haushalten, die als armutsgefährdet galten. Das entspricht etwa 15 Prozent aller unter 18-Jährigen. Besonders hoch ist das Armutsrisiko in Haushalten von Alleinerziehenden mit Quoten von über 40 Prozent sowie in Mehrkindfamilien mit rund 30 Prozent. Diese Werte haben sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig verändert und deuten auf strukturelle Ursachen hin. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat diesen Sachverhalt jüngst in einer entsprechenden Pressemitteilung aufbereitet.

Bildungs- und Einkommensverläufe als Weichensteller

Die soziale Lage im Kindesalter beeinflusst den weiteren Bildungs- und Erwerbsverlauf erheblich. Erfahrungen und Studien zeigen, dass Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten seltener höhere Bildungsabschlüsse erreichen. Während in einkommensstarken Haushalten mehr als 40 Prozent eines Jahrgangs ein Studium aufnehmen, liegt dieser Anteil in einkommensschwachen Familien deutlich darunter. Geringere Bildungsabschlüsse wirken sich langfristig auf Einkommen und Beschäftigungsstabilität aus.

Kinderarmut und Altersvorsorge im Lebensverlauf

Der Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Altersvorsorge ergibt sich aus der Kumulation dieser Effekte. Niedrigere Einkommen, häufigere Phasen von Arbeitslosigkeit oder Teilzeit sowie unterbrochene Erwerbsbiografien führen zu geringeren Rentenanwartschaften. Berechnungen zeigen, dass langjährig Niedriglohnbeschäftigte im Alter häufig nur gesetzliche Renten zwischen etwa 1.100 und 1.300 Euro erreichen. Gleichzeitig fehlt vielen Betroffenen der finanzielle Spielraum für zusätzliche private oder betriebliche Vorsorge. Ein Beispiel: Wer über 45 Beitragsjahre im Schnitt zwei Drittel des Durchschnittsentgelts verdient, sammelt ungefähr 30 Entgeltpunkte (45 × 0,67). Multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert (Stand 01.07.2025: 40,79 Euro) ergibt das eine Bruttorente von rund 1.224 Euro (30 × 40,79).

Langfristige Folgen für Altersarmut – und mögliche Gegenmaßnahmen

Die langfristigen Auswirkungen frühkindlicher Armut zeigen sich bereits heute. Rund 18 Prozent der über 65-Jährigen gelten in Deutschland als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Personen mit lückenhaften Erwerbsbiografien, niedrigen Qualifikationen oder dauerhaft geringen Einkommen. Maßnahmen zur Reduzierung von Kinderarmut lassen sich daher zunehmend auch als Investition in die Stabilität der Altersvorsorge verstehen. Schließlich bleiben Kinderarmut und Altersvorsorge im Schnitt über den kompletten Lebensverlauf mehr oder weniger miteinander verknüpft.

Individuell eine besseren Start in die Altersvorsorge ermöglichen

Selbst wenn es individuelle Ausnahmen gibt: Frühzeitige finanzielle Benachteiligung erhöht das Risiko dauerhaft niedriger Einkommen und damit eingeschränkter Vorsorgemöglichkeiten. Eine nachhaltige Alterssicherung beginnt also nicht erst am Ende des Erwerbslebens, sondern bereits mit stabilen Startbedingungen in Kindheit und Jugend. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die geplante beziehungsweise in den Eckpunkten bereits beschlossene „Frühstart-Rente“ sich hier langfristig positiv auswirken kann. Umstritten bleibt sie allemal, wie dieser Beitrag auf ihre-vorsorge.de dokumentiert …