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Lebenserwartung in den USA bricht ein

Die USA blieben bereits sei 2010 erkennbar hinter der Entwicklung der Lebenserwartung in anderen Industriestaaten zurück. Angesichts der Werte für 2021 sprechen die Statistiker nun sogar von einem historischen Einbruch.

Nach den Angaben der US-Gesundheitsbehörden sank die Lebenserwartung der Amerikaner von 2019 bis 2021 um etwa drei Jahre. Das ist der stärkste Rückgang seit fast 100 Jahren. 2019 hatten Neugeborene in den USA eine durchschnittliche Lebenserwartung von 79 Jahren. 2021 betrug sie nur noch etwa 76 Jahre. Allein im vergangenen Jahr verkürzte sich die Lebenserwartung um elf Monate. Verglichen mit den sonst beobachteten Veränderungsraten der Lebenserwartung stellt das eine extreme Bewegung dar.

Die amerikanischen Gesundheitsbehörden mussten weit in die Vergangenheit zurückschauen, um eine vergleichbare Entwicklung zu finden. Anfang der 40er Jahre während des zweiten Weltkrieges zeigt die historische Statistik ähnliche Rückgänge. Eine Ursache für die aktuelle Entwicklung ist die Übersterblichkeit durch die Corona-Pandemie. Die USA mussten eine große Zahl Corona-Toter hinnehmen. Aber mit Corona lässt sich nach Einschätzung der US-Experten nur etwa die Hälfte des Rückgangs der Lebenserwartung erklären. Die andere Hälfte geht auf den Drogenkonsum, Herz- und chronische Nierenerkrankungen sowie Suizide zurück.

Indigene Bevölkerung hat Lebenserwartung wie 1944

Eine durch Corona ausgelöste Übersterblichkeit erlebten andere Industrieländer ebenfalls. Auch in Deutschland ging die Lebenserwartung etwas zurück dadurch. Aber in den USA sank sie in einem weit höheren Maße. Das ist sicherlich zu einem Teil auch auf die verzögerte Reaktion auf die Pandemie unter Präsident Trump zurückzuführen. Einfluss haben aber ebenso die Lebensverhältnisse und die medizinische Versorgung. Das zeigt der Vergleich der einzelnen Bevölkerungsgruppen in den USA, zwischen denen es gravierende Unterschiede gibt. So hat die indigene Bevölkerung nur noch eine Lebenserwartung von 65 Jahren. Das entspricht dem US-Durchschnitt von 1944. Aber diese Gruppe hat nicht nur die geringste Lebenserwartung, sondern diese ist von 2019 bis 2021 auch am stärksten gesunken, um mehr als sechs Jahre.

Opioid-Krise reicht nicht als Erklärung

Die Entwicklung in den USA beobachten Wissenschaftler schon seit einiger Zeit mit Sorge. So gab es zunächst die Vermutung, dass der Rückgang vor allem auf die sogenannte Opioid-Krise, also den Missbrauch von Schmerzmitteln und Drogen zurückzuführen ist. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschungen in Rostock fand aber schon 2020 heraus, dass zunehmend Todesfälle im Gefolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Ursache sind. Damit negierten die Forscher keinesfalls die Folgen der Opioid-Krise. Aber sie machten darauf aufmerksam, dass eine Bekämpfung des Medikamenten- und Drogenmissbrauchs für Verbesserungen bei der Lebenserwartung nicht genügen. Dafür seien weitergehende Veränderungen in der medizinischen Versorgung der US-Bürger erforderlich. Der weitere Rückgang während der Pandemie bestärkt diese Schlussfolgerung noch einmal deutlich.