Im ersten Teil unseres Beitrags haben wir demografische wie gesellschaftliche Herausforderungen in den kommenden anderthalb Jahrzehnten in punkto Arbeitsmarkt und Rente, Gesundheit und Pflege skizziert. Nun rücken wir in den Fokus, wie sich dieser demografische Wandel bewältigen lässt.
Der demografische Wandel bis 2040 setzt einen gewissen Rahmen. Aber er bestimmt nicht zwangsläufig das Ergebnis. Dieses hängt wesentlich etwa von politischen Entscheidungen, betrieblichen Anpassungen und dem Gesundheitszustand der Bevölkerung ab. Deutschland kann die bevorstehenden Herausforderungen durchaus bewältigen. Dafür müssen allerdings Themenfelder wie Beschäftigung, Rentenpolitik, Zuwanderung sowie Gesundheit und Pflege im besten Sinne gemeinsam und ganzheitlich betrachtet werden. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) „warnt“ vor diesem Hintergrund jedoch vor einer Art demografischem Fatalismus. Denn es gibt ausreichend Optionen und Maßnahmen, die helfen können, den demografischen Wandel zu bewältigen.
Längere Erwerbsphasen setzen tragfähige Beschäftigung voraus
Deutschland gehört bei Menschen um das 60. Lebensjahr inzwischen zu den europäischen Ländern mit hohen Erwerbsquoten. Ab 65 Jahren hat sich die Erwerbstätigkeit zuletzt hingegen kaum erhöht. Das faktische Renteneintrittsalter liegt aktuell bei 64,4 Jahren, während die gesetzliche Altersgrenze schrittweise auf 67 Jahre steigt. Das sind de facto die Rahmenbedingunghen. Für den Arbeitsmarkt ist letztlich allerdings entscheidend, wie lange Menschen tatsächlich erwerbstätig bleiben (wollen). Viele Unternehmen haben diesbezüglich schon mit einem demografieorientierten Personalmanagement reagiert. Denn die Zahl an beschäftigbaren Personen bleibt limitiert. Zugleich muss genügend Personal für zentrale Aufgaben im Inland verfügbar bleiben. Das gilt insbesondere im öffentlichen Dienst sowie für den Gesundheits- und Pflegebereich.
Zuwanderung kann die Altersstruktur messbar abfedern
Wie stark Migration wirkt, zeigt beispielhaft der Geburtsjahrgang 1975. Damals wurden rund 780.000 Kinder geboren. Heute umfasst dieser Jahrgang etwa 950.000 Menschen – rund 170.000 mehr als die ursprüngliche Geburtenzahl, obwohl inzwischen ein Teil des Jahrgangs verstorben ist. Ohne Wanderungsgewinne wären die Altersgruppen unter 50 Jahren deutlich kleiner. Zuwanderung kann den Alterungsprozess somit abmildern. Sie verhindert jedoch nicht automatisch Anpassungen in den Sozialversicherungssystemen. Verlöre Deutschland an Attraktivität und würden in den 2030er-Jahren mehr junge Menschen aus- als einwandern, könnte sich der demografische Druck zusätzlich verschärfen. Unser Land muss also in vielerlei Hinsicht hier lebenswert bleiben, damit ganz besonders die gut ausgebildeten und „finanziell starken“ Menschen bleiben.
Rentenpolitik muss Erwerbsdauer und soziale Unterschiede beachten
Das Rentensystem lässt sich nach Einschätzung des BiB vergleichsweise gut an veränderte demografische Verhältnisse anpassen. Politisch anspruchsvoll ist diesbezüglich vor allem eine ausgewogene Gestaltung und Vermittlung der nötigen Reformen. Die anhaltende politische Debatte sowie diverse Ankündigungen und Standpunkte stoßen auf ein nachhaltiges wie generationsübergreifendes Interesse in der Bevölkerung. Hier gilt es, argumentativ überzeugend wie sozial ausgewogen zu agieren. Neben dem Verhältnis von Menschen im Erwerbs- und Rentenalter müssen Erwerbsdauer, tatsächlicher Renteneintritt und Rentenbezugsdauer berücksichtigt werden. Hinzu kommen soziale Unterschiede. Gemäß BiB-Fachbeitrag steigt die Lebenserwartung von Menschen mit hohen Renten weiterhin stärker als bei Personen mit niedrigen Renten. Einheitliche Vorgaben zum Renteneintritt können deshalb unterschiedliche Wirkungen entfalten.
Demografischen Wandel bewältigen: Prävention ist wichtig, doch am Ende entscheidet das Zusammenspiel
Insbesondere ein Faktor wie Prävention wird zu einer wirtschaftlichen und sozialen Schlüsselstrategie. Denn das Gesundheitssystem ist für die Bewältigung unserer gesellschaftlichen Alterung besonders wichtig. Je länger Menschen gesund und selbstständig bleiben, desto geringer ist ihr Bedarf an Behandlung und Pflege. Gleichzeitig eröffnen sich Potenziale für längere Erwerbstätigkeit, ehrenamtliches Engagement und Sorgearbeit in der Familie. Das BiB empfiehlt daher, Krankheiten stärker zu verhindern, statt ausschließlich auf ihre Behandlung zu reagieren. Bei kostenintensiven Demenzerkrankungen können etwa Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes frühzeitig adressiert werden. Prävention wird damit zugleich zu einer Art Gesundheits-, Arbeitsmarkt- und Finanzpolitik. Dazu kommt der ganzheitliche Blick: Deutschland wird auch nach 2040 eine deutlich ältere Bevölkerung haben. Die Phase der besonders starken Verschiebungen zwischen Erwerbs- und Rentenalter könnte dann jedoch beendet sein. Ob unser Land diese Schwelle mit dauerhaft überlasteten oder anpassungsfähigen Systemen erreicht, entscheidet sich allerdings vorher = ab jetzt. Was wir tun können, um den demografischen Wandel zu bewältigen sind verschiedene Faktoren: tragfähige Beschäftigung, ausgewogene Rentenreformen, stabilisierende Wirkung von Zuwanderung und ein gesundes Altern.

Grafik: Messbare Spielräume und vier Handlungshebel zur Bewältigung der demografischen Alterung