Der demografische Wandel bis 2040 (Teil 1): Was Deutschland bevor steht

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11. August 2026

Der demografische Wandel bis 2040 (Teil 1): Was Deutschland bevor steht

Der demografische Wandel bis 2040 wird unser Land insbesondere in den nächsten 15 Jahren prägen und herausfordern. In einem zweiteiligen Beitrag schildern wir, was das speziell für Rente und Arbeit sowie Gesundheit und Pflege bedeutet.

Deutschlands Bevölkerung altert nicht überraschend. Geburtenzahlen, Lebenserwartung und Altersstruktur verändern sich langsam. Das Positive daran: sie lassen sich deshalb vergleichsweise zuverlässig vorausberechnen. Dennoch beginnt unsere zeitliche Einordnung mit einer besonders anspruchsvollen Phase: Die stark besetzten Jahrgänge erreichen innerhalb kurzer Zeit zunächst das Rentenalter. Später werden diese Altersgruppen mit einem deutlich steigenden Gesundheits- und Pflegebedarf einhergehen. Doch der demografische Wandel bis 2040 trifft die gesellschaftlichen Bereiche nicht gleichzeitig. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) erreicht der Druck auf den Arbeitsmarkt um 2030 seinen Höhepunkt. Im Rentensystem werden die Folgen vor allem von 2025 bis 2035 sichtbar. Die stärkste Belastung für Gesundheit und Pflege dürfte zwischen 2030 und 2040 entstehen. Insbesondere politische Entscheider müssen diese Peaks im Blick behalten.

Der demografische Wanel bis 2040: Starke Jahrgänge treffen auf weniger Nachwuchs

Die Größenunterschiede zwischen den Generationen sind erheblich. Ende 2024 lebten in Deutschland rund 670.000 Säuglinge. Die Altersjahrgänge um das 60. Lebensjahr umfassen dagegen jeweils mehr als 1,3 Millionen Menschen. Sie sind damit annähernd doppelt so groß wie der jüngste Jahrgang. Diese Struktur verändert auch das Gewicht der älteren Bevölkerung in unserer Gesellschaft – Stichworte: „Wahlen“ beziehungsweise „Generationengerechtigkeit“. Im Jahr 2020 war etwa jeder fünfte Einwohner mindestens 65 Jahre alt. Für 2028 wird bereits ein Anteil von etwa einem Viertel erwartet. Auch darauf sollten die Verantwortlichen hierzulande eingestellt sein. Für Arbeitgeber, Verwaltungen und Sozialversicherungen etwa wird aus einer langfristigen Entwicklung eine eher demnächst anstehende Planungsaufgabe.

Am Arbeitsmarkt fehlen jährlich mehrere Hunderttausend Menschen

Besonders sichtbar wird der demografische Wandel am Arbeitsmarkt. Wenn nunmehr die am stärksten besetzten Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand wechseln, rücken erheblich kleinere Gruppen nach. Rund um das Jahr 2030 kann dadurch nach Einschätzung des BiB – auf die wir uns hier explizit beziehen – jährlich eine Lücke von mehreren Hunderttausend Personen entstehen. Allerdings ist dieser Aspekt auch abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwícklung in Deutschland wie global. Betroffen sind jedoch nicht nur Unternehmen. Auch Schulen, Verwaltungen, Sicherheitsbehörden, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen müssen frei werdende Stellen besetzen. Öffentliche Aufgaben wie beispielsweise Bildung, Mobilität, Versorgung sowie Gesundheits- und Pflegetätig benötigen weiterhin ausreichend Personal. Das muss strategisch entsprechend begleitet werden.

Das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern verschiebt sich

Parallel zum demografischen Wandel bis 2040 steigt der Finanzierungsdruck auf die gesetzliche Rente. Unser Staatshaushalt und damit verbundene Ausgaben müssen darauf vorbereitet sein. Im Jahr 2025 kamen rechnerisch noch 2,5 Menschen im Erwerbsalter auf eine Person im Rentenalter. Bis 2035 dürfte dieses Verhältnis auf zwei zu eins sinken. Mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben gehen Einkommensteuereinnahmen und Sozialbeiträge zurück, während (mehr) Rentenansprüche wirksam werden. Die reine Jahrgangsstärke erklärt die Belastung allerdings nicht vollständig. Auch Erwerbsdauer, tatsächlicher Renteneintritt und Lebenserwartung bestimmen, wie viele Menschen Beiträge zahlen und wie lange Leistungen bezogen werden.

Gesundheit und Pflege folgen mit Verzögerung

Das Gesundheitswesen spürt zunächst die sinkenden Beitragseinnahmen. Die stärkere Ausgabenwirkung folgt später. Ab dem Alter von 80 Jahren steigt das Risiko einer Pflegebedürftigkeit deutlich. Diese Altersgruppen werden in den 2030er-Jahren stark wachsen, wenn ein großer Teil der Babyboomer diese Schwelle erreicht. Nach 2040 könnte sich das Verhältnis zwischen der Bevölkerung im Erwerbs- und im Rentenalter stabilisieren, wenn auch auf einem ungünstigeren Niveau. Die Zahlen markieren jedoch nicht nur Risiken, sondern auch konkrete Ansatzpunkte. Denn wenn es gelingt, sich diesen Herausforderungen präventiv zu stellen, kann der demografische Wandel bis 2040 aktiv gestaltet werden.

Wie Beschäftigung, Zuwanderung, Rentenpolitik und Prävention für eine bessere gesellschaftliche Perspektive zusammenspielen können, behandelt der nächste Beitrag unseres Zweiteilers.

Grafik: Zentrale Kennzahlen und Belastungsphasen des demografischen Wandels bis 2040