Die Gesundheit von Senioren wird innerhalb der Europäischen Union sehr unterschiedlich bewertet. In Deutschland fällt die individuelle Selbsteinschätzung älterer Menschen eher schwach aus.
Gesundheit von Senioren unterscheidet sich deutlich nach Ländern
Die Gesundheit von Senioren lässt sich nicht allein über Diagnosen messen. Auch die eigene Wahrnehmung zählt – Stichwort „mentale Gesundheit“. Diese zeigt, wie Menschen ganz individuell ihre körperliche und psychische Verfassung einschätzen. Eine Eurostat-Erhebung macht dabei große Unterschiede in der Europäischen Union sichtbar. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat darüber jüngst in einem Artikel online berichtet. Im EU-Durchschnitt bewerten vier von zehn über 65-Jährige ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut. Dieser Wert steht für eine subjektive Einschätzung. Er sagt also nicht direkt, wie leistungsfähig etwa die nationalen Gesundheitssysteme sind.
In Deutschland fällt die Bewertung der Gesundheit von Senioren eher schwach aus
Deutschland schneidet in dieser Befragung schwächer ab als viele andere EU-Staaten. Lediglich rund ein Drittel der älteren Menschen (36,6 Prozent) bezeichnet den eigenen Gesundheitszustand als „sehr gut“ oder „gut“. Damit wirken die deutschen Senioren vergleichsweise pessimistisch. Ähnliche Werte nennt das IW für Slowenien und Zypern. Besonders positiv fällt die Selbsteinschätzung dagegen in Irland aus. Dort hielten sich 62 Prozent der über 65-Jährigen im Jahr 2024 für gesund. Auch in den Benelux-Staaten und in Skandinavien überwiegt mit Blick auf die eigene Gesundheit eine positive Grundstimmung im Alter.
Selbstwahrnehmung ist allerdings kein medizinischer Befund
Zahlen wie diese sollten jedoch vorsichtig interpretiert werden. Eine schlechte(re) Selbsteinschätzung bedeutet nicht automatisch auch eine schlechtere Versorgung. Sie kann mitunter auch kulturelle Gründe haben. Selbst religiöse Aspekte können im Alter und insbesondere in religiös geprägten Ländern für die „innere Einschätzung“ von Lebensgefühl und Perspektive von Bedeutung sein. Zudem bewerten Menschen Beschwerden, Leistungsfähigkeit und Alter individuell in der Regel sehr unterschiedlich. Trotzdem sind Befragungen wie diese relevant. Denn wer sich krank oder eingeschränkt fühlt, hat oft einen anderen Blick auf Arbeit, Ruhestand, Pflege und Vorsorge. Subjektive Gesundheit beeinflusst damit auch Entscheidungen über Erwerbsleben und Alterssicherung. Das wiederum hat objektiv Auswirkungen auf sozialer wie gesellschaftlicher Ebene – und damit auf politische Entscheidungen.
Gesundheit, Rente und Vorsorge hängen eng zusammen
Für die anhaltende Renten- und Vorsorgedebatte hierzulande ist und bleibt die Gesundheit von Senioren prinzipiell ebenso ein wichtiger Faktor. Denn ein längeres Erwerbsleben setzt voraus, dass Menschen dazu gesundheitlich in der Lage sind. Das gilt besonders bei körperlich belastenden Tätigkeiten. Auch das Thema private Vorsorge hängt eng mit Gesundheit und Vitalität zusammen. Wer früh gesundheitliche Einschränkungen erwartet, plant seinen Ruhestand und dessen Finanzierung vermutlich anders. Gleiches gilt für Pflege, Wohnen und Mobilität im Alter. Die nun veröffentlichten EU-Daten zeigen daher keinen Randaspekt. Sie verweisen auf zentrale Bedingungen für eine individuelle und soziale Teilhabe im Ruhestand – ebenso wie auf kommende Herausforderungen mit und in einer zunehmend älteren Bevölkerung.

Quelle: iwd / Institut der deutschen Wirtschaft auf Basis Eurostat, 2024; eigene Darstellung. Grundlage ist eine Eurostat-Befragung unter Menschen ab 65 Jahren in den EU-Mitgliedstaaten. Erfasst wurde der Anteil der Befragten, die ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut einschätzen.