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Lücke beim Gehalt ist auch Verhandlungssache

Der Equal Pay Day steht wieder vor der Tür (7. März) und damit die Frage nach den Ursachen für die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Plattform WeltSparen deckt eine auf: Frauen verhandeln seltener über ihr Gehalt.

Die durchschnittliche Lücke beim Gehalt lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2020 bei 18 Prozent. Auf den Stundenlohn umgerechnet verdienten Frauen im Mittel somit 4,16 Euro weniger als Männer.

Dafür gibt es eine Reihe von Ursachen: geringere Arbeitszeiten wegen der Familienarbeit, Beschäftigung in geringer bezahlten Berufen, Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie. Auf einen weniger bekannten Grund weist eine Umfrage der Geldanlage-Plattform WeltSparen hin. In deren Auftrag erkundete das Meinungsforschungsinstitut YouGov, wie Arbeitnehmer es mit den Gehaltsverhandlungen halten.

Die Ergebnisse beim Vergleich von Frauen und Männern überraschen dann doch ein wenig. 41 Prozent, also etwa vier von zehn Frauen in Deutschland, haben ihr Gehalt noch nie verhandelt. Unter den Männern fällt dieser Anteil mit 35 Prozent um einiges geringer aus. Lediglich sechs Prozent der Frauen geben an, ihr Gehalt regelmäßig, also mindestens alle zwei Jahre, zu verhandeln. Bei den Männern sind es mit zehn Prozent nahezu doppelt so viele. Immerhin acht Prozent verlassen sich auf das Verhandlungsgeschick ihrer Arbeitnehmervertretung oder Gewerkschaft, wenn es um Lohnerhöhungen geht.

Viel Zurückhaltung im Spiel

Doch woran liegt die Zurückhaltung bei der Gehaltsverhandlung? Fünf Prozent der Studienteilnehmerinnen sagen, dass sie ihr Gehalt gern verhandeln möchten, aber nicht wissen, wie sie das tun sollten. Fast jede dritte Frau (29 Prozent) antwortet auf die Frage “Wie häufig verhandeln Sie Ihr Gehalt?” mit “Weiß nicht”. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als bei den Männern. Ein regelmäßiges Plus auf dem Lohnzettel oder sogar eine Karrierestrategie für höhere Einkünfte streben viele der Befragten offenbar nicht gezielt an.

Oft bleibt nur die Frage: Should I stay or should I go?

Selbst wenn sie verhandelt haben, war ein beachtlicher Teil der Studienteilnehmerinnen dabei nicht erfolgreich: 28 Prozent der Frauen haben ihre Gehaltsverhandlung noch nie mit einem Gehaltsplus abgeschlossen. Oft bleibt nur die Frage: Should I stay or should I go? Immerhin fünf Prozent der Befragten konnten ihr Einkommen steigern – jedoch nur durch einen Jobwechsel.

Große Gehaltssprünge sind eher selten

Bei jeder dritten Frau zahlte sich eine Gehaltsverhandlung jedoch bereits aus. Mit neun Prozent am häufigsten erzielten die Studienteilnehmerinnen eine Gehaltserhöhung von bis zu drei Prozent. Acht Prozent derjenigen Frauen, deren Gehaltsverhandlungen erfolgreich waren, freuten sich über maximal fünf Prozent mehr Gehalt. Größere Gehaltssprünge sind für Frauen in Deutschland eher selten. Nur fünf Prozent konnten schon einmal ein Lohnplus von bis zu zehn Prozent verbuchen, während sich bei den Männern doppelt so viele über ähnliche Erfolge freuen konnten. Ein maximal 20 Prozent höheres Einkommen verhandelten nur drei Prozent der Frauen und immerhin sieben Prozent der Männer.

Benefits als Verhandlungsmasse

Dabei ist Geld längst nicht alles, das beim Verhandeln attraktiv erscheint. Als Alternative zu mehr Gehalt sind bei vierzig Prozent der Frauen zusätzliche Urlaubstage beliebt. Über eine Gewinnbeteiligung oder Bonus-Systeme bei sehr guter Arbeitsleistung würden sich jeweils rund 20 Prozent der Studienteilnehmerinnen freuen. Weitaus weniger attraktiv sind für die Befragten Unternehmensbeteiligungen. Nur rund jede zehnte Frau findet diese als Kompensation für mehr Gehalt interessant. Ein Firmenwagen wäre immer noch für 17 Prozent der Frauen lohnenswert, geförderte Nahverkehrstickets dagegen bloß für 13 Prozent. Weniger beliebte Alternativen zu einem höheren Lohn sind eine geförderte Fitnessstudiomitgliedschaft (acht Prozent) oder ein Weiterbildungsbudget (neun Prozent). Eine Beteiligung des Arbeitgebers an den Kosten für die Kinderbetreuung wünschen sich nur sieben Prozent der Bundesbürgerinnen.