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Neuer Bärenmarkt oder Korrektur?

Geld Börse Aktien

Die Kursentwicklung an den Aktienmärkten seit Jahresbeginn verunsichert viele Privatanleger. Wie ist der Abschwung zu bewerten? Vermögensverwalter Daniel Kolb liefert im Interview eine Einschätzung.

In der Presse konnte man vor einigen Wochen lesen, dass an den Aktienbörsen ein neuer Bärenmarkt begonnen hat. Stimmt das?

Rein technisch ja. Es gibt unter Finanzprofis eine weithin akzeptierte Definition, die besagt: Ein Bärenmarkt beginnt, wenn die Kurse von ihrem Hoch 20 Prozent verloren haben.

Ist diese Definition sinnvoll für Anleger?

Nicht wirklich. Schließlich greift sie erst nach erheblichen Verlusten und hilft Anlegern somit nicht, ihr Vermögen früher vor dem Abschwung zu bewahren. Außerdem berücksichtigt sie überhaupt nicht das übergeordnete Bild – also die Frage, wo wir uns im Aktienzyklus befinden.

Können Sie das näher erläutern?

Vom Corona-Tief im März 2020 aus hat der breite US-Markt als Leitindex von 2.200 auf 4.800 Zähler zugelegt. Der jüngste Rückgang seit dem Januar 2022 hat den S&P 500 um bis zu 1.200 Punkte auf etwa 3.600 Zähler gebracht. Trotz dieses happigen Abschwungs befindet sich der Index aber weiterhin klar in einem langfristigen Aufwärtstrend, von dem er nun aus erneut nach oben zieht. Diese Tatsachen werden in der erwähnten Definition vom Bärenmarkt überhaupt nicht berücksichtigt.

Wie reagieren Privatanleger, die mit der Aussage „20 Prozent Minus = Bärenmarkt“ konfrontiert werden?

Nun ja, manch einer kann da leicht panisch werden. Vielleicht werden Aktien zur Unzeit verkauft, kurz bevor der Markt dreht. Das wäre sehr ungünstig. Die wenigsten Anleger haben das Hintergrundwissen, um scharfe Abschwünge einzuordnen und reagieren emotional darauf – insbesondere, wenn sie zu sehr auf Nachrichten achten und Informationen falsch bewerten.

Börse schaut auf morgen, nicht auf gestern

Was meinen Sie damit?

Wir werden seit Monaten mit besorgniserregenden Nachrichten und Einschätzungen quasi bombardiert. Viele dieser News beziehen sich aber auf die Vergangenheit: Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, Rezession ja oder nein, Inflationsmeldungen des Vormonats, explodierende Erdgaspreise. Wichtig für die Börse ist aber nicht das Gestern, sondern das Morgen – und die Frage, ob das Morgen anders wird, als es die Anleger derzeit erwarten. Zeichnet sich ab, dass es besser wird, drehen die Kurse nach oben. Dies scheint nun der Fall – zumal wir an einem Punkt sind, wo Großanleger in der Regel gerne zugreifen.

Was können Sie Privatanlegern raten?

Wer noch fünf Jahre oder mehr Zeit hat, bis er das investierte Geld benötigt, muss sich um temporäre Abschwünge im langfristigen Aufwärtstrend nicht sorgen. Dazu ist es hilfreich, wenn man nur noch selektiv allgemeine Nachrichten aufnimmt oder aktuelle Finanznews sogar komplett meidet. Mit dieser „Odysseus-Strategie“ – also sich die Ohren zu verstopfen und zu beschließen, nicht emotional zu handeln – können Anleger ihren Kurs leichter beibehalten, als wenn sie dem Trommelfeuer der „bad news“ ausgesetzt sind. Alternativ können sie unabhängige Vermögensprofis mit der Geldanlage beauftragen.