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Die Rezessionsrisiken sind überschaubar

Neben politischen Krisenherden dominieren derzeit vor allem Rezessionssorgen die Finanzmärkte. Doch die Lage ist besser als die Stimmung.

Der Ifo-Index ist im Januar das fünfte Mal in Folge gefallen. Bedenklich ist vor allem, dass die Erwartungen der rund 7.000 befragten Unternehmen zuletzt deutlich stärker zurückging als das aktuelle Klima.

Doch der Blick auf die deutsche Wirtschaft greift zu kurz. Entscheidend für die Weltwirtschaft und damit auch für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten sind China und die USA, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Da sieht es zwar nicht toll, aber auch gar nicht so schlecht aus.

Tatsächlich machen sich in der Volksrepublik die Handelsstreitigkeiten mit den USA bereits negativ bemerkbar. Mitte 2018 kam es noch zu Vorzieheffekten im Export. Amerikanische Firmen orderten noch schnell bei chinesischen Lieferanten, bevor neue oder höhere Strafzölle seitens der USA drohten. Diese Effekte laufen jetzt aus. Ex- und Importe schrumpften zuletzt. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas wuchs im vierten Quartal 2018 nur noch um 6,4 Prozent. Damit ist das Reich der Mitte von prozentual zweistelligen Wachstumsraten früherer Jahre meilenweit entfernt.

Der Basiseffekt wird unterschätzt

Bei der Beurteilung des chinesischen Wirtschaftswachstums wird allerdings regelmäßig zu wenig beachtet, dass es mittlerweile – absolut betrachtet – auf einem deutlich höheren Niveau als früher verläuft. Nach den aktuellen Prognosen wird das chinesische BIP im laufenden Jahr um rund sechs Prozent zunehmen – das würde einen Zuwachs um ungefähr knapp 850 Milliarden Dollar bedeuten. Zum Vergleich: Um diesen absoluten Betrag ist China in etwa auch 2010 gewachsen. Aufgrund des niedrigeren Vergleichsniveaus fiel das prozentuale Plus damals allerdings zweistellig aus.

Außerdem hat Peking die Möglichkeit, eine harte Landung seines Wirtschaftswachstums durch fiskalische und geldpolitische Maßnahmen zu verhindern. Die Notenbank hat schon vor Monaten damit begonnen, ihre Geldpolitik zu lockern. Gefährlich dürfte es für das chinesische Wirtschaftswachstum allerdings werden, wenn der Handelskonflikt mit den USA zu einem Handelskrieg eskaliert. Das kann zwar auch nicht im Interesse der Vereinigten Staaten sein. Die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump ist jedoch hinlänglich bekannt. Dennoch scheint es wahrscheinlicher, dass es doch noch zu einem Handelsabkommen kommt, das Trump dann sicherlich als „greatest deal ever“ anpreisen dürfte. Die USA befinden sich ja schon fast wieder im Wahlkampf. Ein einvernehmliches Abkommen würde für die chinesische Wirtschaft erst einmal Entwarnung bedeuten.

US-Konjunktur läuft noch rund

Auch bei der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA, ist zumindest in diesem Jahr eine Rezession nicht in Sicht. Zwar befindet sich der Baltic Dry Index seit rund einem Jahr auf Talfahrt und signalisiert einen abnehmenden Welthandel. Die Vereinigten Staaten sind aber mit ihrem riesigen Binnenmarkt wesentlich unabhängiger von Exporten als beispielsweise Deutschland oder auch China. Vielmehr profitieren die Vereinigten Staaten nach wie vor von der robusten Lage am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote liegt unter vier Prozent. Nach offizieller Lesart herrscht Vollbeschäftigung, was den Konsum am Laufen hält. Der ist gerade in den USA entscheidend für das Wirtschaftswachstum.

Zwar lassen die positiven Effekte der Steuerreform in diesem Jahr nach. Außerdem gibt es nachlaufende Auswirkungen der Erhöhung der Leitzinsen. Allerdings hat Notenbankchef Jerome Powell signalisiert, eine Zinspause einzulegen. Das ist vor dem Hintergrund wichtig, dass es in der Vergangenheit häufiger Notenbanken wie die Fed waren, die durch zu schnelle und zu starke Leitzinserhöhungen eine konjunkturelle Erholung abgewürgt haben. Diese Gefahr scheint in den USA vorerst gebannt. Die derzeitigen Leitzinsen von 2,25 bis 2,5 Prozent sind wohl kaum restriktiv, sondern eher neutral.

Wenn die beiden größten Volkswirtschaften der Welt zwar etwas an Wachstumsdynamik verlieren, aber weiter expandieren, dürfte es um die Weltwirtschaft nicht so schlecht bestellt sein. Darauf deuten auch wichtige Frühindikatoren hin.

Das Glas ist halb voll, nicht halb leer

Nach Angaben der Privatbank M.M. Warburg ist zuletzt ein Drittel der weltweiten Einkaufsmanager-Indizes aus dem verarbeitenden Gewerbe auf einen Wert unter 50 gefallen und signalisiert damit einen Rückgang der Geschäfte. Bei den Dienstleistern beläuft sich deren Anteil auf immerhin ein Viertel. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass immer noch die Mehrzahl dieser wichtigen Frühindikatoren auf weiteres Wirtschaftswachstum hindeutet.

Unter dem Strich dürfte ein guter Teil der Risiken – vor allem ein Handelskrieg der USA mit China und der EU sowie ein harter Brexit – in den Aktienkursen eingepreist sein. Insofern ist vorsichtiger Optimismus erlaubt. Allerdings dürfte die Volatilität vor allem in den Einzeltiteln weiter zunehmen. Bei den Anlegern sind wieder stärkere Nerven gefragt.


Gastautor Thomas Buckard ist Gründungsmitglied und Vorstand der MPF AG.