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Veranstaltungsberichte

des Deutschen Instituts für Altersvorsorge

21.6.2018 Drucken

Aktienanlage – zwischen Vorurteil und Euphorie

Machen Menschen Märkte? Dieser und weiteren Fragen zum Thema Aktiensparen und Altersvorsorge widmete sich die DIA-Lounge am 20. Juni 2018 in Berlin.

Aktienanlage - zwischen Vorurteil und EuphorieGesprächsgäste auf dem Podium waren Klaus Kaldemorgen, den DIA-Sprecher Professor Dieter Weirich als den „Vorzeigemanager der Fondsbranche“ vorstellte, und Manfred Hübner, einer der profiliertesten Experten auf dem Gebiet der „Stimmungsanalyse“ und Behavioral Finance, der regelmäßig und weltweit Investoren zu ihren Markterwartungen befragt.

Indirekt zu Wort kamen in diesen unterhaltsam-vergnüglichen zwei Lehr- und Diskussionsstunden rund um Aktienanlagen und das Anlageverhalten der Deutschen auch die Altmeister André Kostolany und Warren Buffett mit Bonmots, die von den Podiumsteilnehmern verschiedentlich und mit sichtlichem Vergnügen zitiert wurden. Gleich eingangs etwa, als DIA-Sprecher Weirich die Empfehlung von Börsenguru Kostolany aufgriff: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten!“ und damit den Bezug zu Geld und Geduld herstellte. So locker-lässig ist es aber – zumindest hierzulande – nicht. Aktien für die Altersvorsorge? Lieber nicht. Zu unsicher – wegen der Schwankungen am Aktienmarkt. Das sei ein gängiges Vorurteil. Wie man dem begegnen könne, wollte DIA-Sprecher Klaus Morgenstern von den Experten wissen.

Wer genügend Zeit hat, kann nichts falsch machen

„Wer 15 Jahre lang regelmäßig in Aktien investiert, dessen Verlustrisiko ist zumindest statistisch gesehen gleich null. Das heißt: Wer genügend Zeit hat, kann eigentlich gar nichts falsch machen mit einem Aktienfonds. Aber viele vergessen diesen langfristigen Aspekt und überbewerten die kurzfristigen starken Schwankungen am Aktienmarkt“, so Kaldemorgen. „Wer nur ein Jahr in Aktien investiert, der riskiert in dem Jahr mit 33-prozentiger Wahrscheinlichkeit, einen Verlust zu erzielen. Aktien schwanken kurzfristig und das muss man eben aushalten können.“

Konkret: Nach der Euphorie durch Neuen Markt und Internet Ende der 90er-Jahre gab es zwei heftige Kurseinbrüche an den Aktienmärkten. „Zwischen 2000 und 2003 sind die Kurse fast um 50 Prozent gesunken und während der Finanzkrise nochmals um 50 Prozent. Trotzdem: rückblickend betrachtet haben über die letzten 15 Jahre die Aktienmärkte immer noch plus 80 Prozent gemacht.“ Für Kaldemorgen einmal mehr der Beweis: „Selbst wenn es wirklich knüppeldick kommt und die Kurse bei einem Crash stark einbrechen, wenn man lange genug wartet, kommt man aus der Nummer relativ gut wieder raus.“

Entscheidung ohne Bedauern

Aus Sicht der Verhaltensökonomie schätzte Manfred Hübner ein: Anleger in Deutschland „sind nicht risikoscheu, sie sind vielmehr ‚Bedauernsminimierer‘“. Das heißt: „Sie möchten möglichst wenig Grund haben, ihre eigene Anlageentscheidung zu bedauern.“ Aus dieser Haltung heraus sei man vielleicht empfänglich für Garantieversprechen. Genauso so schnell sei man aber auch bereit, in Aktien zu investieren, wenn alle anderen das tun und dazu raten, weil die Wirtschaft gerade so wunderbar Fahrt aufgenommen habe. Dann erscheine das Investment sicher. „Aber es gibt diesen sicheren Moment in der Aktienanlage nicht.“ Vielmehr müsse man eine Grundsatzentscheidung treffen. Hier sollte sich der Investor einfach einmal in die Rolle eines Kaufmanns versetzen. „Niemand würde auf dem Supermarkt, wenn der Verkäufer ruft: ‚Tomaten teuer wie nie!‘ zugreifen, sondern erst wenn es heißt, Tomaten billig wie nie. Am Aktienmarkt sei es im Grunde genommen nicht anders: Der Gewinn liegt im Einkauf.

Zeit muss man sich auch leisten können

Dem widersprach Kaldemorgen: „Damit hätte ich ein Problem. Gerade dann, wenn man für die Altersvorsorge investiert, sollte man sich nicht zu sehr vom richtigen Timing beeinflussen lassen. „Zeit schlägt Zeitpunkt“, zitierte er an dieser Stelle Kostolany. Da sei etwas Wahres dran. „Der Zeitpunkt einer Aktienanlage ist nicht wichtig, wenn man genügend Zeit hat.“ Dann könne man auch am höchsten Punkt kaufen – wie nach der Technologieblase passiert. „In 15 Jahren hat man trotzdem einen satten Gewinn.“ Nur man müsse auch die Zeit haben und sich die Zeit auch leisten können.

Für einen 20-Jährigen, der sich eine Existenz aufbaut, sei es zunächst wichtiger, sich eine Liquiditätsreserve für Notfälle des Lebens in möglichst sicheren Anlagen zu schaffen – statt in Aktien zu investieren. „Wenn die fallen und er braucht Geld, hat er ein Problem.“ Erst wenn diese Vorsorge abgearbeitet sei, könne man anfangen, sein Vermögen in riskanteren Anlagen aufzubauen, „wohlwissend, dass man das Geld tatsächlich nicht in den nächsten zehn bis 15 Jahren braucht“.

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