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Private Altersvorsorge

In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

Private Altersvorsorge | 17.1.2013 Drucken

Versorgungslücke ist größer als gedacht

In einer Studie für die Investmentgesellschaft Fidelity hat Prof. Dr. Martin Werding, Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum, erstmals die Versorgungslücke im Alter empirisch ermittelt.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) sprach mit ihm über die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen daraus.

Überrascht Sie das Ergebnis, dass die Versorgungslücke größer ist, als bislang angenommen?

Das Resultat, dass man im Rentenalter rund 87 Prozent des letzten Nettoeinkommens braucht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten, hat uns in der Tat etwas überrascht. Bisher hat man in Deutschland eher 70 Prozent für ausreichend gehalten, allerdings ohne jede empirische Basis. Das war schlicht das gesetzliche Nettorentenniveau bis zum Jahr 2000, vor den vielen Reformen, die dieses Niveau derzeit verringern, damit das System in Zukunft finanzierbar bleibt. Aber unsere Zahl ist sehr robust, sie ergibt sich ohne größere Schwankungen aus vielen Varianten unserer Analysen.

Können Sie die Methodik Ihrer Untersuchung etwas näher erläutern?

Wir haben Daten verwendet, in denen wir Personen beim Eintritt in die Rente und auch danach mehrere Jahre verfolgen können. Die Befragten geben dabei unter anderem jedes Jahr an, wie zufrieden sie mit ihrem aktuellen Einkommen sind. Wir haben dann untersucht, wie hoch das Einkommen nach dem Renteneintritt sein muss, damit die Einkommenszufriedenheit bei ansonsten unveränderten Lebensumständen konstant bleibt. Wir halten das für den bisher besten Ansatz.

Warum hat man sich Ihrer Meinung nach bislang mit Schätzungen beziehungsweise mehr oder weniger willkürlichen Annahmen zufrieden gegeben? Hätte man nicht schon 2001/2002, als in der Gesetzlichen Rentenversicherung der Paradigmenwechsel von der Lebensstandardsicherung zur Beitragsdämpfung vollzogen wurde, solche Untersuchungen anstellen sollen?

Es ist nicht so leicht, Maßstäbe für die Lebensstandardsicherung empirisch abzusichern. Das tatsächliche Vorsorgeverhalten liefert ja eher keinen guten Maßstab, weil viele sich nicht aufraffen können, ausreichend für das Alter vorzusorgen. Und ob die Menschen in der Erwerbsphase wenigstens wissen, wie viel sie eigentlich vorsorgen müssten, wie einige Studien für andere Länder unterstellen, ist auch fraglich. Bei der Einführung der Riester- und Rürup-Renten in Deutschland ging es vor allem darum, das sinkende Niveau der gesetzlichen Renten auszugleichen. Wenn die Rentner daneben noch mehr brauchen, dann mussten sie dafür ja vorher schon selbst vorsorgen, dachte man. Aber das tun eben längst nicht alle, und nur wenige im nötigen Maße. Wahrscheinlich hat man sogar einen Teil dieser Vorsorge nur in die neuen, staatlich geförderten Formen umgelenkt. Das muss nun so schnell wie möglich korrigiert werden. Insofern kommt unsere Untersuchung hoffentlich nicht zu spät und sicher nicht zu früh.

Sie haben bei Ihren Untersuchungen, die Einkommenszufriedenheit  als Größe für die erforderliche Rentenersatzquote gewählt. Besteht nicht die Gefahr, dass durch das subjektive Empfinden eine Überzeichnung des tatsächlichen Bedarfs stattfindet? Einkommenszufriedenheit könnte ja einen gewissen „Puffer“ mit einschließen. Dieser wird von den Befragten als wünschenswert angesehen, aber nicht unbedingt für die Lebensstandardsicherung benötigt wird.

Für uns ist nur wichtig, dass die untersuchten Personen gleich zufrieden bleiben wie vor der Rente, das heißt, vielleicht sind sie ja die ganze Zeit gleich unzufrieden. Dass die Skala, auf der Menschen solche subjektiven Eindrücke messen, nicht einheitlich sein wird, können wir auch berücksichtigen. Im Übrigen ist unser Maßstab vielleicht wirklich streng. Ein wenig mag man ja bereit sein, sich im Alter einzuschränken, wenn man dafür in der Erwerbsphase mehr ausgeben kann. Aber das muss jeder selbst entscheiden, und die meisten Menschen sind dabei vorab ein wenig kurzsichtig.

In den Untersuchungen wird die Netto-Ersatzrate verwendet. Die Rentenversicherung und die Politik benutzen das sogenannte Sicherungsniveau vor Steuern. Ist nicht zu befürchten, dass durch die unterschiedlichen Größen noch mehr Verwirrung eintritt, zumal das Sicherungsniveau vor Steuern von den meisten ohnehin schon nicht verstanden wird?

Entscheidend ist für den Einzelnen wohl immer das tatsächliche Nettoeinkommen, das wir auch berücksichtigen. Früher hat die gesetzliche Rentenversicherung auch ein echtes Nettorentenniveau ausgewiesen und dabei pauschal jeweils die Steuerlast für durchschnittliche Aktive und Rentner berücksichtigt. Weil die Steuer aber stark von der Höhe der gesamten Einkünfte abhängt, kann eine solche Durchschnittszahl ebenfalls irreführend sein. Trotzdem haben Sie Recht. Das Thema Steuern wird bei der Vorsorge immer wichtiger, weil wir immer mehr zu einem System der nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften übergehen. Da hilft im Grunde nur eine individuelle Berechnung, je nach Alter, geplantem Renteneintritt und bisheriger Vorsorge.

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