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Private Altersvorsorge

In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

Private Altersvorsorge | 3.7.2019 Drucken

DIA-Studie empfiehlt „Riester für alle“

Aufrüsten statt Abwracken und „Riester für alle“ – Die neue DIA-Studie empfiehlt eine vereinfachte Fördersystematik bei der Riester-Rente, flexiblere Garantie und mehr Berechtigte.

Rund 17 Millionen Menschen in Deutschland haben sich seit 2002 für die Riester-Rente entschieden. Ein gelungener Weg, um die Kürzung der staatlichen Rente durch die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung von 2001 zu kompensieren, könnte man meinen. Verfolgt man die jüngste politische Diskussion und zahlreiche Medienberichte ergibt sich jedoch ein anderes, recht negatives Bild. Verbraucher, die kapitalgedeckte Altersvorsorge betreiben möchten, reagieren zunehmend verunsichert. Ist die Riester-Rente gescheitert? Haben sich 17 Millionen Riester-Sparer und die Politik geirrt?

DIA-Studie empfiehlt „Riester für alle“Es lohnt sich ein genauerer Blick. Die Riester-Rente benötigt nach Auffassung zahlreicher Verbände und Experten eine grundlegende Reform. In der Diskussion sind die Komplexität der Förderbedingungen, Erweiterung der Zielgruppen und Flexibilisierung der Beitragsgarantien. Aber wie ist der Status quo der Riester-Rente? Stimmen viele der Aussagen, die immer wieder von Politikern, Medien und Verbraucherschützer aufgegriffen werden? Und wie könnten sich die verschiedenen Reformvorschläge, die gerade diskutiert werden, auf die Riester-Rente auswirken?

Dies beleuchtet die Studie „Die Riester-Rente: ‚Abwracken‘ oder ‚Aufrüsten‘? – Evolution der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge – Möglichkeiten und Chancen“ des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) im Auftrag der Fondsgesellschaft DWS Group und des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

Erkenntnisse der Forscher:

  • Die Riester-Förderung erreicht alle Einkommensgruppen
  • Frauen werden überproportional angesprochen
  • Die Rentabilität der realen Verträge ist besser als vielfach behauptet
  • Die Flexibilisierung der Garantie macht Produktangebot breiter und chancenreicher
  • Vereinfachte Fördersystematik bringt weniger Bürokratie, mehr Transparenz und mehr Geld in die Riester-Verträge

Abwracken? – Riester funktioniert

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Riester-Rente alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere niedrige und mittlere Einkommensgruppen, erreicht. Frauen werden sogar überproportional angesprochen. „Die Riester-Rente liefert gute Renditen und ist weiter verbreitet als andere Vorsorgeformen“, sagte Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP. Aus der anonymisierten Auswertung von rund 23.500 Verträgen errechnet das IVFP jährlich den Riester-Rendite-Index. Dieser ergibt für das Jahr 2018 eine Rendite von 3,4 Prozent nach Kosten und Steuern.

Außerdem errechneten die Forscher, dass die Netto-Rentenleistung nach Steuern die Netto-Einzahlungen im Alter von 78 Jahren übersteigt. Im Kollektiv der untersuchten Verträge erreichen die Riester-Rentenempfänger also etwa nach 14 Jahren die Gewinnzone. Aufgrund einer unterstellten Lebenserwartung von 86 Jahren folgen dann durchschnittlich 8 weitere Jahre Rentenbezug. „Unsere Studienergebnisse zu Verbreitung und Rendite sowie die Tatsache, dass sich fast 17 Millionen Sparer für die Riester-Rente entschieden haben, unterstreichen den Erfolg dieser Form der privaten Altersvorsorge. Statt mit neuen Instrumenten, die die Altersvorsorgelandschaft in Deutschland noch komplexer machen, gilt es jetzt die Riester-Rente sinnvoll zu reformieren“, so Professor Michael Hauer weiter.

Aufrüsten! – Dringender Reformbedarf

Wie viele Verbände sehen die Forscher jedoch auch dringenden Reformbedarf. Abzuklären, wer unmittelbar berechtigt ist, die staatlichen Zuschüsse und Steuervorteile zu erhalten, ist nach wie vor sehr komplex. Die Ausgestaltung der Fördersystematik und die laufende Verwaltung von Riester-Verträgen müssten sich laut den Ergebnissen der Studie deutlich vereinfachen. Ebenso sollte die obligatorische Beitragsgarantie flexibilisiert und den Kunden die Wahlmöglichkeit gegeben werden, in chancenreichere Produkte zu investieren. Nach wie vor gäbe es aufgrund der verpflichtenden Beitragsgarantie eine viel zu geringe Tarifauswahl und -vielfalt in der Riester-Rente.

Kern des Reformvorschlags der Studie des IVFP ist die Abschaffung von unmittelbarer und mittelbarer Förderung. Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig oder sozialversichert ist, soll förderberechtigt sein und neben den Grund- und Kinderzulagen eine Förderung von mindestens 50 Prozent auf jeden Euro Eigenleistung erhalten. Diese würde die bisherige Steuerförderung ersetzen und fließt dann in die Verträge, statt auf das Girokonto.

Riester für alle

„Wir fordern Riester für alle, mehr Klarheit und weniger Bürokratie. Durch die Reformvorschläge könnte ein erheblicher zusätzlicher Betrag jedes Jahr in die Riester-Rente fließen, der heute schlichtweg nicht abgerufen oder als Steuergutschrift auf das Girokonto fehlgeleitet wird“, sagte Frank Breiting, Leiter private Altersvorsorge der DWS Group, mit Blick auf die Ergebnisse der Studie. Im Ergebnis sollten sich die zukünftigen Renten je nach Einkommensgruppe zwischen 30 und 38 Prozent erhöhen. Die Ausweitung der Riester-Rente auf alle unbeschränkt Steuerpflichtigen und die ungekürzte Zahlung der vollen Kinderzulage ab 60 Euro Eigenleistung könnte die Rückforderungen von Zulagen weitgehend verhindern.

Kernaussagen der Studie:

  1. Die Riester-Rente ist hinsichtlich Rentabilität, der Verbreitung und der Marktdurchdringung, in den Kundengruppen, die sie erreichen sollte, als Erfolg zu werten.
  2. Aber: Die aktuelle Ausgestaltung bedarf dringend einer Reform, um einen deutlich höheren Anteil der Förderung in die Verträge der Riester-Kunden zu bekommen.
  3. Die Flexibilisierung der obligatorischen Beitragsgarantie würde darüber hinaus das Produktangebot vielfältiger und chancenreicher machen.
  4. Weiterhin sollte die Fördersystematik so vereinfacht werden, dass jeder Kunde den Mehrwert unmittelbar versteht. Beispiel: Für jeden gezahlten Euro erhält man 50 Cent vom Staat.
  5. Statt neuer Instrumente, die die Altersvorsorgelandschaft in Deutschland noch komplexer machen würden, sollte die Riester-Rente sinnvoll reformiert werden.
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