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Private Altersvorsorge

In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

Private Altersvorsorge | 10.3.2015 Drucken

Altersvorsorge ist mehr als nur Geld

Die DIA-Studie „Psychologie der Altersvorsorge: Entscheidungsfindung in der Entsparphase“, die im Oktober 2014 vorgestellt wurde, legt nahe, das traditionelle Verständnis von Altersvorsorge zu überprüfen.

Für die Produktgestaltung und Beratung zur Altersvorsorge sollten einige Schlussfolgerungen gezogen werden.

Altersvorsorge ist mehr als GeldVermögen im Alter wird, das ergaben die Befragungen im Rahmen der Studie, in einem doppelten Sinne verstanden: Es geht nicht allein um den finanziellen Wert der Anlagen in Sparguthaben, Festgeldern, Versicherungen, Immobilien oder Wertpapieren, sondern die Altersgruppe 55+ sieht darin vor allem Handlungsvermögen für die unterschiedlichsten altersbedingten Situationen. Altersvorsorge ist also mehr als nur verfügbares Geld, das als Kapitalabfindung oder Leibrente gezahlt wird. Langfristige Strategien zur Altersvorsorge sollten sich viel stärker auf finanzierte Dienstleistungen im Bereich der Mobilität, der Gesundheitsfürsorge, der Kommunikation und der Versorgung ausrichten. Darauf zielen die Dispositionen der Best Ager ab. Sie lassen einen Großteil ihres Vermögens weitgehend unangetastet, um auf Fälle wie Immobilität, Inanspruchnahme von Hilfe Dritter und zusätzlicher Gesundheitsdienstleistungen vorbereitet zu sein. Es bietet sich damit für Versicherungsunternehmen eine Möglichkeit, ihr Leistungsspektrum deutlich zu erweitern und bei der Produktentwicklung einen extensiven Altersvorsorgebegriff zu unterlegen. Nebeneffekt: Chance zur strategischen Neuausrichtung in Zeiten des Niedrigzinses.

Pflegeabsicherung als Vermögensschutz

Andere Gewichtung von Risikoabsicherungen: Erhebliche Teile des Altersvorsorgevermögens werden, zumeist sehr niedrig verzinst, von der Altersgruppe 55+ vorgehalten, damit sie zum Beispiel bei Pflegebedürftigkeit zur Verfügung stehen. Sie werden also nicht für den Lebensunterhalt in jener Phase eingesetzt, in der die neu gewonnene Freizeit nach Beendigung der Erwerbsphase in zusätzliche Lebensqualität umgemünzt werden kann, sondern in einer Art „Stand-by-Modus“ angelegt, der wenig Spielraum bei der Wahl der Anlageformen lässt.

Eine stärkere Einbeziehung von reinen Risikoabsicherungen, vor allem für den Pflegefall, würde einen anderen Einsatz des Vermögens gestatten. So wären auch höherverzinste Anlageformen möglich, weil an die Stelle der jederzeit nötigen Absicherung für den Risikofall eine zeitlich geplante Verwendung tritt. Die Pflegeversicherung sollte daher viel stärker als Vermögensschutz eingesetzt werden. Zur veränderten Gewichtung der Risikoabsicherung zählt aber auch die Vorsorge für den überlebenden Partner nach einem Todesfall. Viele Rentenversicherungen werden gerade um den Renteneintritt herum fällig. Häufig wird das Kapitalwahlrecht in Anspruch genommen.

Neuer Anlauf mit der Umkehrhypothek

Bislang wirkt sich die selbstgenutzte Immobilie lediglich über die ersparten Mieten als Altersvorsorge aus. Gleichzeitig ist aber ein erheblicher Teil des Vermögens, bei vielen Eigentümern sogar der größte, in der illiquiden Form gefangen. Wenn keine Absicht zur Vererbung der Immobilie besteht, was durch die zunehmende Singularisierung unserer Gesellschaft häufiger der Fall sein wird, ist eine unmittelbare Nutzung zur Finanzierung des Lebensunterhalts ratsam. Dafür gibt es die Form der Umkehrhypothek, mittels der Immobilieneigentum verrentet werden kann.

In Deutschland sind bisher alle Versuche, dieses Produkt zu etablieren, weitgehend fehlgeschlagen. Das sollte die Finanzwirtschaft aber nicht davon abhalten, nach Formen zu suchen, die unter deutschen Immobilieneigentümern Akzeptanz finden. Offenkundig entsprachen die bisherige Ausgestaltung der Konditionen und Präsentation nicht den Erwartungen potenzieller Nutzer einer Umkehrhypothek, weil zum Beispiel zu hohe Sicherheitsabschläge oder Zinsfaktoren das Gefühl einer Benachteiligung suggerierten. Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft wird aber in Zukunft Lösungen verlangen, in denen auch vorhandene und selbstgenutzte Immobilien stärker in die Absicherung des Lebensunterhalts im Alter eingebunden werden.

„Automatisierte“ Auszahlung statt Abstinenz

Ausbau von flexiblen Lösungen zur Verrentung von Kapital: Das Verhalten vieler Best Ager führt im Endeffekt zu einer ineffizienten Altersvorsorge. Es wird während der Ansparzeit in einem erheblichen Umfang Konsumverzicht geübt, im Alter dann aber das Ergebnis dieses Konsumverzichts nur unzureichend genutzt. Produkte mit einer „automatisierten“ Auszahlung könnten diesem Verhalten entgegenwirken. Bei einer Verrentung trifft der Sparer schon früher eine Entscheidung über die Verwendung des angesammelten Vermögens. In der Befragung von Best Agern, die im Rahmen der DIA-Studie durchgeführt wurde, fand die sofort beginnende Leibrentenversicherung mit die größte Zustimmung unter den verschiedenen Produkten für die Altersvorsorge. Allerdings sollte es sich um flexible Rentenzahlungen handeln, die bei Bedarf auch an wechselnde Lebensverhältnisse angepasst werden können.

Wo bleiben die Fonds für den Verzehr?

Produkte, die regelmäßige Entsparvorgänge zulassen, sollten aber nicht ausschließlich auf versicherungsförmige Lösungen beschränkt bleiben. Investmentgesellschaften haben sich in der Vergangenheit vor allem auf die Ansparphase konzentriert und die Entnahmephase vernachlässigt. So genügt es nicht, Entnahmepläne anzubieten, bei deren Auszahlungen jeweils eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen zugrunde liegt. Damit kann lediglich der negative Cost-Average-Effekt verhindert werden. Es sind innovative wertpapierorientierte Lösungen erforderlich, deren Asset Allocation sich dem Verlauf der Entnahmen anpasst und die zum Beispiel durch Derivate das Langlebigkeitsrisiko absichern. In diesem Zusammenhang sollte auch in Deutschland die Produktform der Variabel Annuities wieder stärker in Betracht gezogen werden.

Altersgerechter Einsatz von Vermögen

Übergang zur Ruhestandsplanung: Die Finanzberatung der Gruppe 55+ sollte neu ausgerichtet werden. In den psychologischen Tiefeninterviews zur Studie wurde eine Finanzberatung gefordert, die weit über das einzelne Finanzprodukt hinausgeht. Gewünscht wurde eine „Lebensberatung“ im Alter, die aufzeigt, wie man Vermögen altersgerecht einsetzen und seinen Alltag auch unter sich ändernden Bedingungen würdevoll meistern kann. Es wird also Begleitung und Hilfestellung bei der weiteren Vermögensverwaltung in einem sehr umfassenden Sinne gewünscht. Häufig geht es in der Beratung nur um die Wiederanlage fälliger Gelder. Eine umfassende Ruhestandsplanung, in der die gesamte Struktur des Vermögens und Einkommens einbezogen wird, findet noch zu wenig statt. Der Planungshorizont berücksichtigt nur unzureichend die Entwicklungen der Lebenserwartung, sie wird in vielen Fällen ebenso unterschätzt wie der Einfluss der Inflation. Entsparvorgänge spielen nur eine untergeordnete Rolle.


Erhebliche Teile der Ersparnisse, die in Deutschland ursprünglich als Altersvorsorge angelegt wurden, kommen gar nicht für diesen geplanten Zweck zum Einsatz, sondern davon profitieren die nachfolgenden Generationen. Der geplante Rückgriff auf vorhandenes Vermögen, mit dem niedrigere laufende Einnahmen ausgeglichen werden können, findet im Rentenalter häufig gar nicht statt, weil ihm mentale Ausgabebarrieren entgegenstehen. Das ist eine Kernaussage der DIA-Studie, mit der finanzielle Dispositionen und Verhaltensformen im Rentenalter aus psychologischer Sicht untersucht wurden. Die Befragten wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, ihr erspartes Vermögen wieder auszugeben. Sie möchten sich nicht der erwirtschafteten Sicherheiten berauben.


 

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