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    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

    Die Börse im Blick: So wird investiert.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 16.9.2021 Drucken

    Welche ETF sollten Anleger lieber meiden?

    Die Palette der ETF wächst in rasantem Tempo. Doch neben vielen sinnvollen Produkten gibt es inzwischen einige seltsame Blüten, vor denen man das Depot schützen sollte.

    Der Grund: Solche oft teuren ETF bieten nicht nur keinen Mehrwert. Sie können Anlegern sogar schaden.

    ETF Indexfonds Fondskennzahlen

    In der ETF-Branche sind die Marketing-Abteilungen ebenso erfinderisch wie bei den aktiv verwalteten Fonds. 1.700 Indexfonds zählt die deutschsprachige Plattform www.justetf.com derzeit. In den tonangebenden USA sind es sogar 2.500 Produkte, wie dem Portal etfdb.com zu entnehmen ist. Das Problem: Weil auf allen diesen Produkten das ETF-Label klebt, glauben weniger erfahrene Anleger, dass sie ohne weitere Prüfung zugreifen können. „Es gibt inzwischen etliche ETF, die dem Gedanken der Indexfonds komplett zuwiderlaufen“, sagt jedoch Titus Schlösser von der Vermögensverwaltung Portfolio Concept in Köln. Das kann Anleger teuer zu stehen kommen.

    Nischen-ETF: Risikoreich und teuer

    Ganz vorn rangieren solche ETF, die sich auf sehr kleine Nischen konzentrieren. Dazu zählen etwa Cloud Computing, Cannabis, Solarenergie oder Blockchain. Nicht selten haben die zehn wichtigsten Aktien in diesen Fonds ein Gewicht von 50 Prozent und mehr.  Dabei hilft Nischenanbietern wie der britischen hanetf ein für sie erfreulicher Nebeneffekt: Für die sehr spezialisierten Indizes lässt sich wegen der geringen Konkurrenz eine Jahresgebühr nehmen, die weit über den günstigen 0,2 Prozent etwa für den MSCI World-Index liegt. Nicht selten werden zwischen 0,6 und ein Prozent aufgerufen, manchmal sogar noch mehr. „Am oberen Ende des Gebührenspektrums zahlen Anleger somit locker die Hälfte der Kosten eines aktiv verwalteten Fonds“, erläutert Andre Koppers von der Vermögensverwaltung Oberbanscheidt & Cie. in Kleve.

    Ist Smart Beta doch dümmer als gedacht?

    Viel Geld fließt seit einiger Zeit in einen zweiten Trend mit durchwachsenen Aussichten auf Erfolg: Smart Beta. So lautet das Verkaufs-Label für einen großen Feldversuch mit dem Geld der Anleger. Ziel ist es, bestimmte Faktoren wie Dividenden oder geringe Schwankungen (Low Volatility) auszunutzen, um damit eine Rendite oberhalb der Marktrendite zu erzielen. Vermögensverwalter Schlösser ist skeptisch, ob das immer so funktioniert wie beabsichtigt. Gleichwohl sagt er: „In einem sonst breit diversifizierten Portfolio können solche Faktor- oder Smart-Beta-ETF zu bestimmten Zeiten sinnvoll sein.“

    Value-Faktor läuft seit Jahren schlecht

    In der Tat zeigt der Blick auf die Vergangenheit, dass es auf den Zeitpunkt ankommt. Faktor-Indexfonds können auch auf Jahre schlechter laufen als der breite Markt, wie seit Längerem bei Value-Investments zu sehen ist. So hat der repräsentative iShares World Value Factor ETF seit Herbst 2016 per anno eine Rendite von 8,42 Prozent erzielt – im Vergleich zu 15,1 Prozent beim MSCI World-ETF aus demselben Haus. Noch ärger kam es in den vergangenen drei Jahren: Der Value-ETF schaffte gerade mal 4,73 Prozent pro Jahr, der Fonds auf den MSCI World aber 15,29 Prozent.

    Auch andere Faktor-ETF enttäuschen

    Auch bei etlichen anderen Faktor-ETF wurden Anleger enttäuscht: So brachten Dividenden- sowie Low-Volatility-ETF in den letzten drei und fünf Jahren jeweils nur gut die Hälfte dessen, was der breite Markt erzielte. Einzige Ausnahme sind ETF auf den MSCI World Momentum-Index, die pro Jahr um ein bis zwei Prozentpunkte besser abschnitten. „Der Momentum-Effekt ist der einzige Faktor, der nach den Erkenntnissen der Finanzwissenschaft seit Jahrzehnten höhere Renditen wahrscheinlich macht. Es kommt aber darauf an, wie das im Fonds umgesetzt wird“, sagt Andre Koppers.

    Swap: Wie US-Aktien zu japanischen Anleihen werden

    Bleibt ein dritter Verdächtiger: die sogenannten Swap-basierten ETF. In den Swap-ETF liegen in der Regel überhaupt nicht die Papiere im Fonds, die der Anleger zu kaufen glaubt. Statt US-Aktien erwirbt er dann womöglich japanische Staatsanleihen. „Das ist kein Betrug, auch wenn es sich merkwürdig anhört. Möglich wird es, weil der ETF-Anbieter mit einer anderen Partei einen Vertrag, einen Swap, schließt. Dieser Kontrahent, meist eine Bank, ist verpflichtet, die Indexentwicklung zu garantieren“, sagt Titus Schlösser. 

    Swap-ETFs sind nicht „ohne“

    Diese synthetischen ETF haben zwar niedrigere Kosten und weichen oft noch weniger vom Index ab als die physisch replizierenden Kollegen. Dennoch sind sie keineswegs ohne. Geht der Vertragspartner des ETF-Anbieters pleite, ist auch das Lieferversprechen dahin. In diesem Fall soll das Kontrahenten-Risiko gemäß den gesetzlichen Vorgaben auf zehn Prozent des Fondswertes begrenzt sein. Ob es bei seiner solchen Entwicklung nicht doch zu höheren Verlusten für die Investoren kommen kann, bleibt aber abzuwarten. Warum aber sollten Anleger ein solches Risiko eingehen, wenn sie nicht dafür entlohnt werden?

    Mehr als 300 ETF basieren auf Swaps

    Dass sie das Risiko dennoch eingehen, zeigt ein Blick auf den Markt. Bei www.justetf.com werden derzeit gut 300 Swap-ETF gelistet, das entspricht knapp 20 Prozent der Produkte. Unter ihnen finden sich milliardenschwere ETF wie der Amundi MSCI Europe mit 2,6 Milliarden Euro oder ein Lyxor-Produkt auf den Nasdaq 100 mit 1,2 Milliarden Euro. Da es sich bei Europa und den USA nicht um Exoten-Märkte handelt, verzichten diese Anbieter ohne Not auf die physische Replikation – vermutlich um sich durch geringere Kosten eine bessere Position im Wettbewerb zu verschaffen. Für das Verhalten der Anleger indes kann die Erklärung nur sein: Entweder kennen sie die Hintergründe nicht oder sie sind ihnen egal. „Beides wäre schlecht“, so Vermögensverwalter Koppers.

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