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Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 22.1.2012 Drucken

Niedrige Zinsen – die Zusatzsteuer für Sparer

Seit einigen Jahren schon empfiehlt die Politik den Bürgern, zusätzlich zur gesetzlichen Rente auch privat für das Alter vorzusorgen.

Statt sie jedoch bei ihren Sparanstrengungen zu unterstützen, lässt der Staat seine Bürger förmlich im Regen stehen. Zusammen mit der Notenbank setzt er auf niedrige Zinsen. Für die Sparer wirkt dies wie eine Steuer durch die Hintertür, die ihre Rücklagen auffrisst. Doch dieses Vorgehen ist nicht neu – und nicht auf Deutschland oder Europa beschränkt.

Niedrige Zinsen – die Zusatzsteuer für SparerEin Blick in die Zukunft: So hatte sich Lisa B. das Leben im Alter nicht vorgestellt. Jeden Cent muss die Rentnerin zweimal umdrehen. Schöne Urlaubsreisen oder schicke neue Kleidung sind nicht drin, genauso wenig Lebensmittel aus dem Bio-Laden oder ein kleines bisschen Luxus wie ein Cafébesuch zwischendurch. Streikt die Waschmaschine oder der Kühlschrank, reißen die Reparaturkosten ein großes Loch in ihr monatliches Budget – von Neuanschaffungen ganz zu schweigen. Dafür muss sie langfristig sparen. Dabei hatte Lisa B. eigentlich alles richtig gemacht, denn sie hat schon früh daran gedacht, was nach dem Arbeitsleben werden soll, und für ihren Lebensabend gespart. Als Chefsekretärin verdiente sie gut. Einen großen Teil davon hat sie für ihr Alter auf die hohe Kante gelegt. Schließlich haben alle immer zur privaten Vorsorge geraten – die Politik, ihre Bank- und Versicherungsberater und die Experten in den Zeitungen und Magazinen. Also hat sie jeden Monat ein gut verzinstes Tagesgeldkonto gefüllt, in Sparbriefe eingezahlt und auch das gute alte Sparbuch genutzt. Hinzu kamen mehrere Lebens- und eine Rentenversicherung. Von Aktien und Fonds dagegen hat sie sich ferngehalten. Das Verlustrisiko erschien ihr zu groß. Alle Ersparnisse zusammen sollten dann später für ein angenehmes Leben reichen. Doch die Realität für die 70-jährige im Jahr 2034 sieht völlig anders aus.

Die Crux der niedrigen Zinsen

Was hat die Rentnerin falsch gemacht? Was ist passiert, dass sie sich ihre Träume im Alter trotz langjähriger privater Altersvorsorge nicht erfüllen kann? Die einfache Antwort lautet: Lisa B. hat gar nichts falsch gemacht. Im Gegenteil. Sie hat fast alles getan, was ihr möglich war – von Anlagen in Sachwerten wie Aktien und Immobilien oder Rohstoffen einmal abgesehen. Doch: Der Euro hat ihre Pläne durchkreuzt und die wohl durchdachte Berechnung ihres Vermögens im Alter ad absurdum geführt. Genauer gesagt: Die notwendige Rettung der Gemeinschaftswährung hat alle ursprünglich kalkulierten Zinsen und Zinseszinsen zu Phantasiegebilden werden lassen, denn mit den enormen Schulden einzelner Mitgliedstaaten der Eurozone und mit der Eurokrise kam die Niedrigzinsphase – gedacht als Hilfe für die betroffenen Länder. Verantwortlich für die extrem niedrigen Zinsen in Europa ist die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Geldpolitik, die damit die Schuldenstaaten unterstützen will. Das bedeutet: Sie will verhindern, dass einzelne Länder der Eurozone zahlungsunfähig werden oder – wie bei Griechenland zuletzt immer wieder im Gespräch – die gemeinsame Währung verlassen.

Wie die Niedrigzinsphase wirkt

Dazu senkte sie den Leitzins bis auf 0,75 Prozent (Stand Oktober 2012) und kaufte seit 2010 große Mengen an Staatsanleihen auf.  Weitere Ankäufe hat sie für den Bedarfsfall bereits angekündigt. Mit diesen Maßnahmen erreicht die EZB ein wichtiges Ziel: Schulden werden billiger. Das bedeutet, die hoch verschuldeten Euro-Länder wie Italien und Spanien erhalten die Chance, durch Ausgabe von Staatsanleihen an den Finanzmärkten das Kapital zu bekommen, das sie benötigen – und zwar zu tragbaren Konditionen. Dass die Aktionen und Versprechungen der EZB tatsächlich wirken, beweist eindrucksvoll die Entwicklung der Renditen bei spanischen und italienischen Staatsanleihen. In der Vergangenheit hatten diese bereits die Sechs-Prozent-Marke überschritten, Diskussionen kamen auf, wie sich Renditen von über sieben Prozent auswirken würden oder wie lange die Staaten ihren Zahlungsverpflichtungen dann nachkommen könnten. Jetzt jedoch bewegt sich die Rendite für Anleihen beider Länder bei etwa fünf Prozent.

Was die Niedrigzinsphase für Sparer bedeutet

Allerdings nutzt die von der EZB vorgegebene Niedrigzinsphase nicht nur den Schuldenstaaten der Eurozone, auch die übrigen Länder dürfen sich freuen. So zahlt zum Beispiel Deutschland trotz einer in den letzten Jahren stetig angestiegenen Verschuldung weniger Zinsen als in der Vergangenheit, denn die deutschen Anleihen spülen zurzeit fast zum Nulltarif Geld in die Staatskasse. Zeitweise zahlten Investoren sogar dafür, die Papiere in ihrem Portfolio zu haben. Und auch weitere Kreditnehmer profitieren von der aktuellen Lage. Schließlich kommen Banken ebenso günstig an Kredite wie Immobilienkäufer und Bauherren, die sich so billig Geld leihen können wie nur selten. Zurückstecken müssen in der derzeitigen Situation lediglich die Sparer – also alle diejenigen, die für ihre Zukunft vorsorgen wollen. Dabei bleibt ihnen noch nicht einmal die Möglichkeit, auf Anlagen in anderen Ländern auszuweichen, denn auch in den USA verfolgt die Notenbank Fed eine ähnliche Politik. Sie kauft Staatsanleihen und hat sich bereits festgelegt, den Leitzins bis zum  Jahr 2014 bei nahe null Prozent zu belassen. Mit diesen beiden Maßnahmen hält die Fed die Renditen genau wie die EZB künstlich niedrig.

Die finanzielle Repression

Klar wird durch das Vorgehen der Notenbanken – angestachelt durch die Forderungen der Politik – vor allem eines: Die Märkte werden gesteuert und können sich nicht mehr nach Angebot und Nachfrage selbst ausrichten. So sind die Niedrigzinsen, die die Sparer und ihre Altersvorsorge belasten, kein fairer Preis, sondern vorgegeben. Und genau dadurch erfüllen sie die Kriterien einer Steuer für Anleger – einer Steuer, die versteckt und kaum merklich auf sie zukommt, langfristig aber ihre Ersparnisse deutlich auffrisst. Dieses Vorgehen der Notenbanken ist jedoch keine neue Erfindung. Auch aus der jüngeren Geschichte ist diese Art, Staatsschulden zurückzufahren, bekannt. Genutzt wurde dieser Weg bereits ab 1945 von den USA. Das Ziel zu jener Zeit hieß, die Schulden aus dem Zweiten Weltkrieg abzubauen. Bekannt wurde es unter dem Namen „finanzielle Repression“. Damals drängte der Staat die Anleger in Staatsanleihen. Dazu hatte er anderen Finanzprodukten wie Sparkonten durch Zinsobergrenzen ihre Attraktivität genommen. Investitionen in Gold waren verboten. Auf diese Weise gelang es den USA, ihre Zinsbelastung auf Kosten der Anleger zu senken, denn die Renditen der Staatsanleihen schafften es nicht einmal, einen Ausgleich für die hohe Inflation zu stellen.

Keine Lösung für Altersvorsorge in Sicht

Ein entscheidendes Merkmal einer finanziellen Repression ist, dass der Staat und die Notenbanken mit verschiedenen Maßnahmen in den Markt eingreifen. Dazu gehört auch der Weg über Regulierungs- maßnahmen, die zunächst einmal positiv erscheinen. Immerhin sollen sie verhindern, dass Banken oder Versicherungen durch hohe Risiken Schaden für die Allgemeinheit verursachen – wie in der Finanzkrise 2008 geschehen. Das heißt, sie sollen eine Haftung des Steuerzahlers für fehlgeschlagene Spekulationen abwenden. Dennoch sind die neuen Maßnahmen Teil der finanziellen Repression. So sehen zum Beispiel die neuen Regulierungsvorschriften für die Versicherungen (Solvency II) vor, dass diese für Anlagen in Staatsanleihen weniger Eigenkapital als Sicherheit vorhalten müssen als für Investitionen in anderen Anlageklassen. Sparer dürfen die Regulierungsbemühungen und die Euro-Rettung somit zwiespältig betrachten, denn natürlich profitieren auch sie davon, wenn der Steuerzahler in Zukunft keine Banken retten muss und die gemeinsame Währung gesichert ist. Eine Lösung für eine auskömmliche Altersvorsorge erhalten sie auf diese Weise aber nicht.

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