Nachricht an die Redaktion

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

DIA Update

Abonnieren Sie den kostenlosen
Newsletter des DIA .

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 21.8.2017 Drucken

Nachranganleihen: Chancen und Risiken im Niedrigzinsumfeld

Das Aufspüren einer attraktiven Realrendite im Niedrigzinsumfeld treibt Bondinvestoren mittlerweile den Angstschweiß auf die Stirn.

Bei der Suche nach höher rentierlichen Anlageklassen rücken zwangsläufig Nachranganleihen ins Blickfeld der Anleger. Zunächst sollte geklärt werden, was sich eigentlich hinter Nachrangtiteln verbirgt.

Nachranganleihen: Chancen und Risiken im NiedrigzinsumfeldBei einer Nachranganleihe ist das Gläubigerrecht nachrangig eingeräumt. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit eines Emittenten werden alle anderen Gläubiger vor den Nachrangigen bedient. Im Zweifelsfall kann die Konkursmasse dann zur Bedienung der nachrangigen Schulden nicht mehr ausreichen. Somit erkaufen Anleger sich mit den meist deutlich besser verzinsten Nachrangpapieren auch ein wesentlich höheres Emittentenrisiko. Gute Bonität ist also obligatorisch.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fälligkeitsstruktur. Nachranganleihen sind mit einer sehr langen, meist unendlichen Laufzeit begeben. Auch wenn die europäische Zentralbank die Leitzinsen seit geraumer Zeit nicht mehr angehoben hat, sollten Anleger mögliche künftige Zinsanhebungen im Blick haben. Zinsänderungen wirken sich überproportional auf den Kurs von langlaufenden Festkuponanleihen aus. Steigende Zinsen bei einer unendlichen Laufzeit werden somit zu erheblichen Kursrückgängen führen. Fallende Zinsen wirken entsprechend spiegelverkehrt.

Ein Blick in die Emissionsbedingungen des jeweiligen Wertpapiers ist zudem unverzichtbar. Oftmals ändern sich die Zahlungsbedingungen und aus einer festverzinslichen wird beispielsweise eine variable oder niedriger verzinste Anleihe. Es kommt auch vor, dass die Zinszahlung von der Gewinnsituation des Unternehmens abhängig gemacht wird. Fällt die Dividende aus, dann fällt auch die Zinszahlung aus und wird je nach Ausgestaltung nicht mehr nachgeholt. Ebenso wichtig ist die genaue Prüfung des vorzeitigen Kündigungsrechts des Emittenten.

Der Finanzsektor hat in den vergangenen Jahren das höchste Volumen bei Nachranganleihen begeben, da Banken und Versicherungen diese Papiere bis 2013 als Eigenkapital in ihrer Bilanz führen durften, obwohl Bonds bilanziell eigentlich Fremdkapital darstellen. Ab 2013 traten mit Basel III und Solvency II Reformen in Kraft, die neue Mindestanforderungen an das Kernkapital von Banken und Versicherungen stellten.

Die Risiken nicht unterschätzen

Nachranganleihen dürfen von den Instituten bis Ende 2019 nur noch teilweise zum Eigenkapital gezählt werden. Das hat zur Folge, dass Banken und Versicherungen die aus ihrer Sicht nun bilanziell teuren Zinspapiere teilweise deutlich früher aufkündigen. Hierin besteht eine Renditechance für Anleger, wenn diese Anleihen deutlich unter dem Rückzahlungskurs notieren.

Auf welche Risiken sich Marktteilnehmer bei den Nachrangpapieren noch einstellen müssen, zeigt uns die jüngere Vergangenheit. Als im Herbst 2015 die Ungewissheit einer Konjunkturabkühlung in China sowohl die Rohstoffmärkte als auch die Aktienmärkte stärker unter Druck brachte und die nachfolgende Diskussion über eine bevorstehende Wende in der ultra expansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank die Runde machte, wurden auch die Anleihennotierungen in Mitleidenschaft gezogen.

Nur für sehr erfahrene Anleger geeignet

Die negativen Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen funktionierten nicht mehr wie gewohnt. Die Erwartung erhöhter Ausfallwahrscheinlichkeiten spiegelte sich besonders bei den industriellen Nachrangtiteln wider. Der VW-Skandal brachte die solide geglaubten Automobilanleihen vorübergehend sogar auf Schnäppchenniveau, während sich die Anleihen der Finanzindustrie zunächst noch besser hielten. Diese kamen aber durch die Krise der Deutschen Bank und die in Schieflage befindlichen italienischen Banken unter Druck.

Mittlerweile hat sich die Situation aufgrund der Erholung der Rohstoffpreise sowie der Ankündigung der EZB im März 2016, neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen in ihr Anleihekaufprogramm aufzunehmen wieder deutlich entschärft. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass ein Investment in Nachranganleihen nur etwas für den sehr erfahrenen Anleger ist.


Ab und zu schreiben Experten für das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), die nicht zum Kernteam gehören. Aber was bedeutet das schon. Gäste empfängt man immer am wärmsten.

Wie Jan-Patrick Weuthen. Er ist Senior Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln.


 

Nachricht an die Redaktion

Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

Nachricht an die Redaktion

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Artikel teilen

Ihre Nachricht am den Empfänger (optional)
Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Ausgewählte Artikel zum Thema
Andreas Görler

Rohstoffe: unnötiges Risiko oder sinnvolle Ergänzung?

Wer über ein Rohstoffinvestment nachdenkt, der sollte bereits vor der Wahl der Rohstoffklasse unterscheiden, ob er in physische Werte anlegt, ein Direktinvestment in eine Rohstoffaktie vornimmt, in einen aktiven Fonds, einen passiven ETF oder ein Zertifikat investiert. Im Prinzip können heute Privatpersonen in jeden Rohstoff investieren, da hierfür nicht mehr der Direkterwerb oder selbst zusammengestellte […]

Artikel lesen
Vermögensverwalter Rainer Laborenz

Risiko mit drei Buchstaben – ETF

In der Kapitalanlage-Kolumne beschäftigen sich Vermögensverwalter mit Trends und Entwicklungen, die auch für die langfristige Altersvorsorge von Belang sind. So schildert Rainer Laborenz, was ihn an der Beliebtheit der Indexfonds stört. Der im Juni markierte Dax-Rekord von 12.951 Punkten hat nicht nur bei all denjenigen Anlegern, die der alljährlichen sell-in-may-Legende auf den Leim gegangen sind, […]

Artikel lesen
Kathrin Eichler

Aktien: Chance oder Risiko?

Wer für die Zeit nach dem Erwerbsleben finanziell vorsorgen möchte, sollte sein Vermögen auf drei Säulen aufbauen: selbst genutzte Immobilien, laufende Erträge sowie ausreichend Liquidität. Dazu zählen auch Aktien. Diese wichtige Komponente der dritten Säule, nämlich Aktien, wird dabei von Anlegern oft als riskant eingestuft – zu Unrecht. Geht es um das Thema Altersvorsorge, ist […]

Artikel lesen