Nachricht an die Redaktion

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

DIA Update

Abonnieren Sie den kostenlosen
Newsletter des DIA .

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 19.1.2019 Drucken

Eingebauter Inflationsschutz

„Whatever it takes“ – diese Worte Mario Draghis aus einer Rede im Sommer 2012 gingen um die Welt. Was folgte war ein umfassendes Programm der EZB zur Rettung der Währungsunion. Es hat die globalen Kapitalmärkte bis heute stark geprägt.

Was die FED auf der anderen Seite des Atlantiks mit ihrer expansiven Politik bereits eindrucksvoll vorgemacht hatte, sollte nun auch in Europa folgen. Neben dem Quantitative Easing (QE), dem umstrittenen Anleihekaufprogramm, senkte die EZB Stück für Stück die Leitzinsen auf einen Zinssatz von null.

Zinsen und DividendenEine Welt ohne Zinsen. Das hatte es bis dato so noch nicht gegeben. In der Folge notierten insbesondere zehnjährige Bundesanleihen im negativen Bereich. Glaubt man einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (DIW) von Dezember 2018, so bleiben die Zinsen am Kapitalmarkt auch auf absehbare Zeit niedrig.

Dort heißt es, dass selbst beim Ausstieg der EZB aus der expansiven Geldpolitik das Potential für Zinssteigerungen gerade mal bei 1,3 Prozent liege. Mit Blick auf den demographischen Wandel wird der Realzins im Jahr 2050 gar auf 0,0 Prozent geschätzt. Der Realzins zeigt schonungslos das große Problem, dem sich sowohl der Kapitalmarkt als auch die Gesellschaft gegenübersieht – die Inflation.

Das primäre Ziel der Europäischen Zentralbank ist es, die Preisstabilität in der Eurozone zu gewährleisten. Dies gilt als erreicht, wenn der Markt bei einer Inflationsrate unter, aber nahe bei zwei Prozent liegt. Betrug die Inflation zum Zeitpunkt der Rede Draghis im Sommer 2012 noch 1,7 Prozent, sank sie bis zum Frühjahr 2015 auf ihr vorläufiges Tief von 0,6 Prozent, ehe sie wieder anstieg.

Kein Zins, aber Inflation

Für einen Anleger in Deutschland heißt das: Zinsen gibt es keine, Inflation gefühlt jedoch schon. Real folgt daraus ein garantierter Wertverlust. Eine in diesem Zusammenhang immer häufiger diskutierte Möglichkeit zur Investition sind inflationsgeschützte Anleihen. Diese auch „Linker“ genannten Wertpapiere zahlen neben einem fixen Kupon eine variable Komponente. Sie ist zum Beispiel an den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gekoppelt. Sowohl Zins als auch Nominal werden mit der sogenannten Indexverhältniszahl multipliziert. Auf diese Weise soll der Anleger vor stärkeren Anstiegen des allgemeinen Preisniveaus geschützt werden.

Lohnen sich die Linker?

Doch wann lohnt sich die Investition in eine inflationsgeschützte Anleihe? Es gibt konkrete Szenarien, die zu einem Anlageerfolg führen. Linker sind erfolgreich in einem Umfeld sinkender bzw. gleichbleibender Zinsen am Rentenmarkt bei gleichzeitig steigenden Inflationserwartungen. Bereits die Erwartung steigender Zinsen kann zu Kursverlusten führen. Wagt man einen Ausblick auf 2019, sind Linker im Euroraum eine einsetzbare Investitionsmöglichkeit.

Lag die Gesamtinflation 2018 bei 1,8 Prozent und somit bereits nahe dem Ziel der EZB, verharrte die Kerninflation bei gerade einmal 1,0 Prozent. Auf letztere verwies die EZB stets bei ihren Konferenzen als Begründung für die weitere Nullzinspolitik der Notenbank. Darüber hinaus muss man sich die verzwickte politische Lage innerhalb der Eurozone anschauen. Während in den führenden Volkswirtschaften Europas die Stimmen für erste Zinserhöhungen lauter werden, würden die Staaten der europäischen Peripherie durch höhere Zinsen schnell in Bedrängnis gebracht.

EZB in schwieriger Lage

Die EZB steht daher vor allem mit Blick auf das Time Lag ihrer Handlung bis zur Wirkung in der Realwirtschaft vor der Problematik, dass sie die Zinsen grundsätzlich graduell erhöhen müsste, dies aber nicht möglich ist. So erlaubt beispielsweise die prekäre Situation um den Staatshaushalt in Italien es aktuell nicht, einen nachhaltigen Umschwung in der Zinspolitik einzuleiten. Die Inflation könnte somit weiter steigen, ohne dass die Notenbank hier mit Zinserhöhungen Gegenmaßnahmen einleiten könnte.

Das Thema „Inflationsausgleich“ trifft erst einmal den Nerv eines eher vorsichtigen deutschen Anlegers. Im aktuellen Umfeld kann eine Investition zum Beispiel über einen Indexfonds (ETF) als eine sinnvolle Ergänzung der Rentenseite eines gut diversifizierten Depots dienen. Eine Generallösung für alle Zeiten bietet diese Anlageklasse jedoch nicht.


Gastautor Andreas Feldmann ist Portfoliomanager der B&K Vermögen GmbH in Köln.

Nachricht an die Redaktion

Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

Nachricht an die Redaktion

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Artikel teilen

Ihre Nachricht am den Empfänger (optional)
Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Ausgewählte Artikel zum Thema
Inflationsbereinigte DAX-Renditen 1987-2016

Auch eine kleine Inflation frisst die Zinsen auf

Die Inflation war in der jüngeren Vergangenheit vergleichsweise gering. Doch auch kleine Inflationsraten sind der Zinsen Tod. Wer auf Sparanlagen oder Termingelder setzte, erlitt daher  bis Ende 2016 immer einen realen Verlust. Das zeigen Berechnungen der Sutor Bank. Die Deutschen horten rund 40 Prozent ihres Geldvermögens auf dem Giro- oder Sparkonto oder in Termineinlagen. Zinsen […]

Artikel lesen

Geld nicht unters Kopfkissen legen

Richard Goßner aus Ulm, Vermögensverwalter bei der GSAM + Spee Asset Management AG, spricht im Interview über die Risiken und Chancen für Anleger im neuen Jahr. Auf welche Problemlagen sollten sich Anleger in 2019 einstellen? Insbesondere politische Themen werden von Bedeutung sein: Etwa der schwellende Handelskrieg der USA mit China, die noch immer unsichere Situation […]

Artikel lesen
Urteil

Vielen Anlegern wird bald ein Licht aufgehen

Professor Dr. Hartwig Webersinke, Dekan für Wirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg, skizziert im Interview die Auswirkungen neuer Vorgaben für Banken und Vermögensverwalter. Ab 2019 greift eine neue Vorgabe von MiFID II. Ab dann müssen alle Banken, Sparkassen und Vermögensverwalter ihre Anleger im sogenannten ex-post-Kostenblatt über die Rendite sowie über alle Kosten der Geldanlage im […]

Artikel lesen