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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 3.7.2018 Drucken

Wirtschaftschaos durch Rentenlücke

Die gesetzliche Rente reicht nicht aus, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Wer aber vorher für den Ruhestand spart, löst damit zugleich einen ungünstigen Effekt für die Wirtschaft aus.

Die Anzahl der über 65-Jährigen wird in den kommenden Jahrzehnten dramatisch ansteigen. Gleichzeitig sind in den Industrienationen die Geburtenraten niedrig. Die Folge: Die erwerbstätige Bevölkerung schrumpft – die Gruppe der Ruheständler wächst. Die umlagefinanzierte Rente in Deutschland wird diese Entwicklung auf Dauer nicht ohne Abstriche aushalten. Es muss also zusätzlich für die Rente gespart werden – von den Versicherten, den Unternehmen oder vom Staat. Doch solche Sparmaßnahmen führen zu wirtschaftlichen Einbußen. Einbußen schlimmer noch als in der letzten Finanzkrise.

Wirtschaftschaos durch RentenlückeZu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Privatbank Berenberg. Nach deren Berechnungen werden die staatlichen Pro-Kopf-Rentenzahlungen in der Europäischen Union und den USA in den kommenden Jahrzehnten um etwa ein Drittel sinken. Wer nun selbst für den Ruhestand spart, um seine kleinere Rente aufzubessern, gibt gleichzeitig weniger Geld aus. Würden nun alle die entstandene Altersvorsorgelücke durch eigenständiges Sparen schließen, sänke der Konsum dramatisch. Die Industrienationen hätten so mit hohen wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen. Die Studie rechnet mit einem Rückgang des Konsums von einem bis drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Auch der Staat kann uns nicht retten

Was wäre, wenn der Staat diese Lücke schlösse? Das Prinzip bleibt dasselbe. Wenn nicht der Einzelne, sondern der Staat für höhere gesetzliche Renten sorgt, muss auch er das Geld irgendwo hernehmen, zum Beispiel aus höheren Steuern. Auch das wirkt konsumdämpfend. Nicht viel anders ist es bei Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine höhere betriebliche Altersversorgung auszahlen. Letztendlich muss für einen finanziell unabhängigen Ruhestand aufgrund der alternden Bevölkerung deutlich mehr gespart werden. Diese Einsparungen sind allerdings immer verbunden mit weniger Konsum und drücken somit das Wirtschaftswachstum. Dabei ist es irrelevant, ob dies durch den Staat, Unternehmen oder Einzelpersonen geschieht.

Die Studie geht zudem davon aus, dass sich der Staat durch die rasant steigenden Rentenkosten immer mehr aus der Finanzierungsverantwortung zurückziehen wird. Auch Unternehmen werden nach Ansicht der Analysten versuchen, ihre Aufwendungen für die betriebliche Altersvorsorge zu reduzieren.

Das Wirtschaftswachstum sinkt – wie weiter?

Doch was passiert eigentlich, wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst? Durch die Einsparungen ist zu viel Geld im Umlauf im Verhältnis zu den Waren, die Nachfrage wird geringer als das Angebot. Eine Deflation und eine noch für lange Zeit anhaltende Niedrigzinsphase können folgen, so die Studienautoren. Dementsprechend werden Produkte immer billiger. Das führt wiederum dazu, dass Unternehmen nicht mehr investieren, weil Investitionen keinen Gewinn mehr versprechen. Die Bürger warten immer länger mit ihren geplanten Ausgaben, immer in der Hoffnung, dass der Preis noch weiter sinkt.

Wer nun aber denkt, es hat etwas Gutes, wenn alles immer billiger wird, liegt falsch. Deflation führt in der Regel zu einer schweren Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit. Der Staat nimmt dadurch weniger Steuern ein und hat somit noch mehr Probleme, die Rentenlücke zu schließen. Die Unternehmen erzielen weniger Gewinn und kürzen Stellen. Somit kann weder der Staat die Rentenkasse aufstocken noch die Firmen ihren Mitarbeitern eine große bAV anbieten. Wer arbeitslos ist, kann auch nichts mehr für die Rente sparen.

Ein hoffnungsloser Fall?

Dieses Zukunftsszenarium ist sehr düster und wirkt auf den ersten Blick aussichtslos. Aber es gibt eine Lösung, diese Entwicklung aufzuhalten, ohne dass alle im Ruhestand knausern müssen. Die Industrienationen brauchen eine größere erwerbstätige Bevölkerung. Es müssen wieder mehr Beschäftigte die Rente der Älteren finanzieren. Möglichkeiten das zu erreichen, wäre zum Beispiel eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit, eine höhere Geburtenrate oder eine verstärkte Zuwanderung.

 

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