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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 10.6.2014 Drucken

Wie sozial ist unsere Welt?

Soziale (Ab)Sicherung ist weltweit ein wichtiger Indikator. Dabei spielen Kriterien wie Armutsbekämpfung, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Standards und Vorsorge über Generationen hinweg eine Rolle.

Welche Fortschritte es dabei gibt, zeigt der jüngste Weltbericht zur sozialen Sicherung 2014/15. Der DIA-Fokus liegt dabei auf der Altersvorsorge.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Weg zu sozialer Sicherheit für alle Menschen ist noch weit. Der kürzlich präsentierte Bericht vom Internationalen Arbeitsamt (IAA), dem ständigen Sekretariat der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mit Sitz in Genf, zeigt: für nahezu drei Viertel der Weltbevölkerung bleibt soziale Sicherheit ein Traum. Lediglich 27 Prozent der globalen Bevölkerung genießen umfassenden Zugang zu sozialen Sicherungssystemen. Der weit überwiegende Teil (73 Prozent) erhält bestenfalls nur partielle, meist aber gar keine Deckung zur sozialen Sicherheit. Das gilt umso mehr, wenn man die Renten und Altersvorsorge betrachtet.

Wie sozial ist unsere Welt?Altersvorsorge beginnt im Erwerbsleben. Je sicherer ein Einkommen, desto höher die Chancen, auch im Alter noch etwas davon zu haben. Doch was passiert bei Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfällen, bei möglicher Invalidität, langwieriger Krankheit oder einer Mutterschaft? Was wird unternommen, um in diesen Phasen ein Mindestmaß an Einkommenssicherheit zu gewährleisten und somit auch die Altersvorsorge ein Stück weit stabiler zu machen?

Weltweit werden 2,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aufgewendet, um im Rahmen der sozialen Sicherung die Einkommenssicherheit von Frauen und Männern im Erwerbsalter zu gewährleisten. Das klingt nicht einmal wenig, wenn man es mit jenen 7,8 Prozent des BIP (2012) vergleicht, die im OECD-Durchschnitt für die weitaus kostspieligeren staatlichen Rentenleistungen anfallen. Dennoch variieren die Werte regional beträchtlich und erreichen eine Spanne von 0,5 Prozent in Afrika bis zu durchschnittlich 5,9 Prozent in westeuropäischen Staaten. Weltweit verfügen 39 Prozent der Bevölkerung über keinerlei Absicherung im Krankheitsfall – in Staaten mit niedrigem Einkommen trifft dies sogar auf 90 Prozent der Bevölkerung zu.

Altersvorsorge – für die Hälfte eine Illusion

Mit Blick auf Menschenrechte und internationale Arbeitsnormen ist jedoch nicht nur die Einkommenssicherheit von Bedeutung , sondern auch eine angemessene Rente im Alter, zumindest theoretisch. In der Realität jedoch erhält weltweit fast die Hälfte (48 Prozent) der Menschen im Rentenalter keine Rente oder vergleichbare Kompensationsleistungen. Bei vielen, die zwar eine Rente beziehen, reicht zudem die Rentenhöhe nicht aus. Infolgedessen gibt es für diese Älteren im Alter oftmals keine Alternative: Sie müssen weiterarbeiten, solange sie können – dies oft schlecht bezahlt, unter Akkordbedingungen und in prekären Arbeitswelten.

Auch wenn viele Staaten durchaus bemüht sind, gesetzlich verankerte Rentensysteme zu implementieren oder ihren sozial Schwächsten Formen nicht-beitragsgestützter Altersvorsorge zu bieten, bleibt der globale Handlungsbedarf enorm. Nach geltenden Rechtsvorschriften und Bestimmungen können global nur 42 Prozent der Personen, die sich heute im Erwerbsalter befinden, überhaupt erwarten, zukünftig eine gesetzliche Rente zu beziehen. Erfahrungsgemäß fällt dieser Deckungsgrad in der Praxis (später) noch niedriger aus. Im Umkehrschluss bedeutet das: weit über die Hälfte, nämlich 58 Prozent der heute erwerbstätigen Weltbevölkerung, wird in Zukunft ohne staatliche Rentenleistungen auskommen müssen.

Die Gründe dafür sind vor allem der anhaltende Bevölkerungszuwachs in vielen Entwicklungsländern sowie die im Zuge von Haushaltskonsolidierungen realisierten und geplanten Einschränkungen staatlicher Rentenleistungen in etlichen Industrie- und Schwellenländern.

Wie sozial ist unsere Welt?Auch in etablierten Industriestaaten kommt Bewegung in die Altersvorsorge. Zahlreiche Staaten reformieren im Zuge demografischer Entwicklungen und Herausforderungen sowie unter dem Druck der Ausgabenlast öffentlicher Haushalte ihre Rentensysteme. Das vorrangige Ziel dabei, Kosten einzusparen, wird meist verfolgt, indem das Rentenalter angehoben, die Leistungshöhe abgesenkt und die Beitragssätze erhöht werden. Diese Anpassungen verlagern dann allerdings das Armutsrisiko im Alter zunehmend auf private Schultern und gehen somit zu Lasten der Erwerbstätigen, die nicht durchgehend über adäquate Liquidität verfügen, um mit zusätzlicher Altersvorsorge gegenzusteuern.

So werden in mindestens 14 Ländern Europas zukünftige Rentner im Vergleich zu heute niedrigere Renten beziehen. Dennoch zieht sich der Staat nicht überall aus der öffentlich-finanzierten Alterssicherung (weiter) zurück. In etlichen Ländern geschieht sogar das Gegenteil. Hier werden die – vor zwei bis drei Jahrzehnten – vollzogenen Privatisierungen von Rentensystemen wieder rückgängig macht. In dieser Hinsicht haben etwa Argentinien, Bolivien, Chile, Polen und Ungarn ihre Rentensysteme bereits wieder verstaatlicht oder sind derzeit bemüht, diesen Schritt zu vollziehen.


Veröffentlichung des Weltberichts zur sozialen Sicherung 2014/15: Internationale Arbeitsorganisation, 2014


 

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