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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 21.4.2016 Drucken

Rententrends made in Britain

Sehen sich andere Länder mit ähnlichen Problemen wie Deutschland bei der Finanzierung ihrer Rentensysteme konfrontiert? Wie entwickelt sich die Lebensqualität der europäischen Rentner?

Das DIA blickte über den Tellerrand auf die andere Seite des Ärmelkanals. Mehrere Untersuchungen des Instituts für Fiskalstudien (IFS) deuten an, dass der Lebensstandard zukünftiger britischer Rentner voraussichtlich abnehmen wird.

Rententrends made in Britain

Das britische Institut für Fiskalstudien (IFS) erstellte mit Unterstützung der Joseph-Rowntree-Stiftung zwischen 2012 und 2014 insgesamt elf Berichte über die zukünftige Entwicklung der Lebensstandards britischer Rentner.

Die Ergebnisse wurden dieses Jahr von der Programmdirektorin Dr. Gemma Tetlow zusammengefasst. Laut der Autorin haben die Rentenbezüge britischer Rentner aller Bevölkerungsschichten in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Zudem war der Einkommensanstieg der Pensionäre höher als für den Rest der Bevölkerung und die Altersarmut nahm stetig ab.

In dieser Hinsicht ist die gute Nachricht, dass die Untersuchungen des Instituts nun ergaben, dass diese positive Entwicklung voraussichtlich für die nächsten zehn Jahre anhalten wird.

Geburtenjahrgänge ab 1960 haben schlechte Karten

Allerdings deuten die Berichte auch darauf hin, dass diejenigen die im Jahre 1960 oder später geboren wurden, im Rentenalter finanziell weniger gut dastehen werden als die Jahrgänge davor. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass das Einkommenswachstum erwerbstätiger Haushalte im letzten Jahrzehnt sehr gering war. Dieser Trend hat laut Tetlow bereits vor der Finanzkrise begonnen, wurde von dieser aber weiter verstärkt. Zudem hatten diejenigen, die in den 60er und 70er Jahren geboren wurden, in ihren ersten Arbeitsjahren zwar höhere Einkommen, gaben aber durchschnittlich auch deutlich mehr aus. Die Autorin schätzt, dass die Rücklagen daher geringer sind als bei vorangegangenen Generationen. Auch gibt es speziell unter denjenigen, die in den 70er Jahren geboren sind, deutlich weniger Hausbesitzer. Beispielsweise hat der Anteil von 35-Jährigen, die eine Immobilie besitzen, zwischen 1950 und 1975 um fünf Prozent abgenommen.

Erbschaften werden wichtiger

Bei den Erbschaften scheint es andererseits, dass spätere Kohorten im Durchschnitt auf deutlich höhere Ressourcen zugreifen können. Schätzungsweise werden 70 Prozent derjenigen, die in den späten 70er Jahren geboren sind, im Laufe ihres Lebens ein Erbe erhalten. Im Vergleich dazu erhielten nur 28 Prozent der in den 40er Jahren Geborenen eine Erbschaft. Das könnte bedeuten, dass einige der 1970er Kohorten dank des finanziellen Erfolges ihrer Eltern besser dastehen, als zunächst erwartet. Allerdings sind Erbschaften nicht über die gesamte Bevölkerung hinweg gleich verteilt.

Laut Tetlow existiert ein starker Zusammenhang zwischen einer größeren Wahrscheinlichkeit zu erben und einem ohnehin schon hohen Einkommen. Auf 35 Prozent des reichsten Drittels der zwischen 1972 und 1978 Geborenen wartet ein Erbe von über 100.000 Pfund (etwa 123.500 Euro). Für das ärmste Drittel sind das im Vergleich nur zwölf Prozent. All das deutet an, dass die Ruhestandseinnahmen zukünftiger Rentnergenerationen abhängiger von den finanziellen Umständen ihrer Eltern sind, als dies für heutige Pensionäre noch der Fall ist.

Mittel- und Gutverdienende bekommen weniger

Die Reformen, die das staatliche Rentensystem Großbritanniens seit 1978 schrittweise durchlaufen hat, deuten außerdem darauf hin, dass weniger Pensionäre von bedarfsorientierten Leistungen abhängig sein werden, um sie aus ihrer Altersarmut zu heben. Das ist wiederum an eine Abnahme der Ansprüche Gutverdienender gekoppelt. So erwartet beispielsweise einen einkommensschwachen 1965er Jahrgang eine Staatsrente von 167 Pfund, im Vergleich zu 101 Pfund für jemanden, der in den Vierzigern geboren ist. Andererseits kann ein einkommensstarker Erwerbstätiger desselben Geburtsjahres auf 35 Pfund weniger zählen als jemand, der 1935 geboren ist.

Pauschalrente statt einkommensbezogene Zahlung

Diese Entwicklung hängt damit zusammen, dass ab 2016 ein sogenanntes „Single-Tier-Rentensystem“ eingeführt wird. Das bedeutet in der Praxis vor allem, dass vor 1970 Geborene immer noch auf eine zumindest teils einkommensgebundene Rentenzahlung bauen können, während diese für spätere Pensionäre durch eine Pauschalrente ersetzt wird. Da im Ruhestand ein immer kleinerer Anteil des Einkommens von Mittel- und Gutverdienern aus der staatlichen Rente stammt, müssen diese mehr auf private Sparmaßnahmen setzen, um den Lebensstandard, an den sie sich gewöhnt haben, auch im Rentenalter weiterführen zu können. Ob private Quellen diese Lücke allerdings füllen können, ist aufgrund der geringeren Rücklagen dieser Jahrgänge laut der Autorin zurzeit noch fraglich. In jedem Fall ist sie aber der Meinung, dass seitens der Regierung sichergestellt werden muss, dass zukünftige Pensionäre rechtzeitig über private Rentenalternativen informiert werden, um ihren Ruhestand angemessen planen zu können.

Vorschlag: längere Erwerbstätigkeit

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung glaubt die Autorin außerdem, dass eine länger andauernde Erwerbstätigkeit dabei helfen könnte, im Ruhestand ein adäquates Einkommen zu erzielen. Das längere Arbeiten würde nicht nur die gesamten Einkünfte vergrößern und die Anzahl der Jahre verkürzen, in denen Briten von ihrer Rente leben müssen, sondern auch das Steueraufkommen erhöhen, was die Finanzierbarkeit der Staatsrente verbessern würde. Allerdings müsse der Gesetzgeber, so Tetlow, sich der Tatsache bewusst sein, dass es nicht für jeden möglich sein wird, bis ins höhere Alter zu arbeiten. Sie setzt sich daher dafür ein, dass Betroffene auf zusätzliche staatliche Unterstützung bauen können. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob solche Maßnahmen auch in die Tat umgesetzt werden, um die Lebensqualität im Ruhestand zu sichern, damit britische Rentner sich noch die tägliche Tea Time leisten können.


Dr. Gemma Tetlow ist Programmdirektorin am Institut für Fiskalstudien in London und verantwortet die Themenfelder Rentenversorgung, Ersparnisse und öffentliche Finanzen. Sie hat zunächst Wirtschaft an der Universität Warwick studiert und später in diesem Feld am University College in London promoviert. Sie interessiert sich unter anderem für die Themenbereiche Ruhestand, Ersparnisse, Kapitalanlagen sowie Gesundheit und untersucht deren Einfluss auf die Arbeit im hohen Alter.

Zwischen 2012 und 2014 haben Forscher des Institutes für Fiskalstudien (IFS) in London mit Unterstützung der Joseph-Rowntree-Stiftung die Lebensqualität zukünftiger Pensionäre in Großbritannien. Die Hauptergebnisse der insgesamt elf Berichte sind in einer Zusammenfassung dargestellt, die von Dr. Gemma Tetlow erstellt wurde. Diese kann hier in englischer Sprache abgerufen werden.


 

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