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    Gesetzliche Rente

    Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

    Gesetzliche Rente | 11.8.2021 Drucken

    Kann Schwedens Staatsfonds ein Vorbild für uns sein?

    Ein Staatsfonds für die Rente? Diese Frage spielt im Wahlkampf 2021 eine Rolle. Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Longial, erklärt in einem Kommentar, was er davon hält.

    Eigentlich sind fast alle dafür, mit einem Staatsfonds die Rentenfinanzierung zu verbessern. „Alle“ meint fast alle Parteien und die Bevölkerung.

    Flagge Schweden

    Nach einer repräsentativen Umfrage der „Initiative Minderheitsaktionäre“ sind 58 Prozent der Befragten für solch einen Fonds als Bestandteil der Altersvorsorge.

    Kann es der Staat überhaupt?

    Es lohnt sich, mal genauer hinzusehen, wie so ein Staatsfonds funktioniert und was er bewirken kann. In den letzten Wochen ging der Blick gern Richtung Schweden. Der dortige Staatsfonds (vielmehr Pensionsfonds) ist erst im Jahr 2000 gegründet worden, mit einem Volumen von etwa 80 Milliarden Euro aber mittlerweile der größte europäische Investmentfonds, bei einer Bevölkerung von etwas mehr als zehn Millionen Menschen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es fast 16,4 Millionen Riester-Verträge, Tendenz sinkend. Davon wird nach Schätzungen nur noch die Hälfte mit Beiträgen von insgesamt ca. 11,6 Milliarden Euro bedient (Stand 2017). Erfolgreich ist der schwedische Staatsfonds auch: Die Rendite liegt nach Angaben von Richard Gröttheim, der den Fonds seit der Gründung leitet, bei durchschnittlich elf Prozent pro Jahr.

    Die häufig geäußerte Ansicht, der Staat sei der schlechtere Asset-Manager, gilt nicht für Schweden. Die privaten Mitbewerber – in Schweden dürfen die Menschen aus verschiedenen Angeboten auswählen – haben im Durchschnitt nur sieben Prozent Rendite pro Jahr erreicht. Auch die Bedenken, der Staat könne teurer sein als private Unternehmen, gelten in Schweden nicht. Während bei privaten Wettbewerbern Kosten in Höhe von circa 0,35 Prozent des Anlagevolumens anfallen, sind es im Staatsfonds nur 0,075 Prozent, also weniger als ein Viertel.

    Kein völliges Neuland für Deutschland

    Es ist allerdings nicht so, dass staatliche Pensionsfonds in Deutschland völliges Neuland sind. Im Gegenteil: Schon 1998 wurde im Bundesbesoldungsgesetz die Ansammlung einer Versorgungsrücklage zur (Teil-)Finanzierung der späteren Beamtenpensionen beschlossen. Seitdem hat sich zwar wieder viel geändert, aber der Bund und immerhin elf Bundesländer haben die Versorgungsrücklagen mittlerweile in eigene Pensionsfonds überführt. Allein der Pensionsfonds des Bundes verfügt über Vermögenswerte in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro (Stand Juni 2021).

    Mit Risiken und Nebenwirkungen

    Natürlich ist auch bei Staatsfonds nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt durchaus Risiken und Nebenwirkungen. So muss ein Staatsfonds unbedingt vor politischen Begehrlichkeiten in der Zukunft geschützt werden. Dafür sind größtmögliche gesetzgeberische Hürden notwendig, die eine Umwidmung der vorhandenen Vermögenswerte von vornherein ausschließen. In Irland und Spanien hat man das für die dortigen staatlichen Pensionsfonds leider versäumt.

    Kritiker wenden darüber hinaus ein, dass die von den Staatsfonds genannten Kostenquoten nicht die volle Wahrheit abbilden. Häufig übernehmen Staatsbedienstete, deren Gehaltskosten nicht berücksichtigt werden, die Verwaltung. Auch die Rentenzahlungsphase und die dabei entstehenden Kosten fallen oft unter den Tisch.

    Außerdem: Die Deutschen müssten es aushalten, wenn das Vermögen des Staatsfonds sich mal verringert. Etwa aufgrund einer Finanzkrise, wie 2009/2010, einer Wirtschaftskrise, etwa wegen der Corona-Pandemie, oder einer Korrektur am Kapitalmarkt, wie bei der Internet- und Tech-Blase am Aktienmarkt um die Jahrtausendwende. Das wird schwer, gehört aber vielleicht zur Finanzerziehung dazu, wie schon Andre Kostolany sagte: „An der Börse sind zwei mal zwei niemals vier, sondern fünf minus eins. Man muss nur die Nerven haben, das Minus-eins auszuhalten.“

    Warnung vor Illusionen

    Natürlich ist es naiv zu glauben, dass mit dem Einstieg in einen Staatsfonds die Rentenprobleme von jetzt auf gleich gelöst sind. Natürlich nicht. Es wird mindestens 20 Jahre brauchen, bis erste Leistungen als ergänzende Altersversorgung an die Rentner ausgezahlt werden können.

    Natürlich ist es auch illusorisch zu glauben, dass man ein hochkomplexes Gebilde wie das deutsche Rentensystem einfach so, von heute auf morgen, vom Umlageverfahren auf Kapitaldeckung umstellen kann. Aber das ist ja auch gar nicht das Ziel. Es geht um den Einstieg in einen Baustein der Versorgung, der kapitalgedeckt ist. Wobei „Einstieg“ natürlich nicht ganz richtig ist in Anbetracht der schon erwähnten Beamtenpensionsfonds des Bundes und der meisten Länder oder auch der Riester-Rente. Die Riester-Rente sollte ja der Einstieg in einen ergänzenden, kapitalgedeckten Baustein der Altersvorsorge für alle Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung sein.

    Kein Allheilmittel, sondern sinnvolle Ergänzung

    Der Einstieg in einen staatlichen Pensionsfonds bietet mehr Chancen als Risiken. Aber natürlich ist das kein Allheilmittel, sondern nur eine sinnvolle Ergänzung. Bei der Vermögensbildung rät man den Menschen ja auch, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern breit zu streuen. Für mich gilt das auch für die staatlich organisierte Altersversorgung. Die gesetzliche Säule im Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge ist heute ein ausschließlich umlagefinanziertes System. Durch einen ergänzenden staatlichen Pensionsfonds wird sie “dicker“, stabiler, tragfähiger. Aber für eine Vorsorge, die den erreichten Lebensstandard auch im Alter sichert, wird die gesetzliche Rente auch mit einem ergänzenden Staatsfonds nicht ausreichen. Daher muss es zwingend bei den bewährten Säulen der betrieblichen und privaten Altersvorsorge bleiben. Insbesondere in der bAV kann (oder vielmehr muss) noch viel zur Vereinfachung und Attraktivität und damit Steigerung der Verbreitung vom Gesetzgeber getan werden.

    Auch eine andere Frage bleibt: Wie würden wir heute die Diskussion führen, wenn wir es den Schweden vor 20 Jahren mit vergleichbarem Erfolg gleichgetan hätten?

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