Nachricht an die Redaktion

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 15.3.2016 Drucken

Große Rentenlücke zwischen den Geschlechtern

Bei der Entgeltlücke, der sogenannten Gender Pay Gap, wird deutlich, dass Frauen immer noch 21 Prozent weniger verdienen als Männer. Jedoch zeigt sich erst nach dem Berufsleben – bei der Rente – das volle Ausmaß der Ungleichheit bei den Geschlechtern.


Entwicklung der Rentenlücke zwischen den Geschlechtern

Rente als Spiegelbild des Erwerbslebens

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI), das der Hans-Böckler-Stiftung angeschlossen ist, hat in einer Veröffentlichung vom März 2016 die Geschlechterunterschiede beim Leistungsbezug in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) untersucht. Dabei wurde deutlich, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Alterssicherung so groß sind, dass der Begriff Rentenlücke verharmlosend klingt. Angebrachter wäre es, eher von einer Rentenkluft zu sprechen. Laut den vorliegenden Zahlen von 2011 bezog eine Frau im Schnitt nur 43 Prozent der Altersbezüge eines Mannes. Dementsprechend haben Frauen einen um 57 Prozent geringeren eigenen Rentenanspruch als Männer. Bei dieser Erhebung wurden alle drei Säulen der Altersvorsorge berücksichtigt.

Die Rente kann als Spiegelbild des Erwerbslebens verstanden werden. Es verlief und verläuft bei vielen Frauen immer noch anders als das von Männern. Insbesondere trifft das auf Westdeutschland zu. Frauen, die in der DDR sozialisiert wurden, arbeiten im Vergleich zu den westdeutschen Frauen länger und häufiger. Daher beträgt die Rentenkluft in Ostdeutschland 38 Prozent und ist somit kleiner als in Westdeutschland, wo der eigene Rentenanspruch der Frauen um 61 Prozent geringer ist.

Auch bei der Rentenhöhe in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) ist ein klarer Unterschied von Frauen und Männern erkennbar. Während die Altersrenten der Männer aus der GRV im Durchschnitt 1.037 Euro betragen, liegen die der Frauen bei ca. 618 Euro und sind somit deutlich niedriger. Daher überrascht es nicht, dass Frauen häufiger als Männer im Alter auf die Grundsicherung angewiesen sind. Seit 2005 ist jedoch eine leichte Annäherung der Quoten von Frauen und Männern zu erkennen. In Ostdeutschland ist die Quote von Frauen, die Grundsicherung beziehen, niedriger und daher fällt die Differenz zu den Männern hier auch geringer aus.


Anteil von Frauen und Männer mit Bezug von Grundsicherung im Alter

Ursachen für die Gender Pension Gap

Folgende Gründe führen die Forscher für die Rentenlücke an: Zum einen ist es die niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen. Sie waren und sind weit häufiger nicht berufstätig als Männer. Ebenso spielt die hohe Teilzeitquote bei Frauen eine Rolle, denn sie arbeiten sehr häufig nicht in Vollzeit. Zum anderen verdienen Frauen aktuell im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer. Daher sind die niedrigen Entgelte ein weiterer Faktor für die Gender Payment Gap. Hinzu kommen häufige und längere Erwerbsunterbrechungen bei Frauen aufgrund von Kinderbetreuung sowie die häufige Beschäftigung in Minijobs, bei denen keine Rentenversicherung vorhanden ist. Diese Ursachen sorgen dafür, dass Frauen beim gesetzlichen Renteneintritt einen um 40 Prozent geringeren Leistungsbezug haben als Männer und dass trotz des sozialen Ausgleichs im Rentenrecht, wie z. B. durch Anrechnung von Kindererziehungszeiten.

Ein längeres Leben bevorteilt die Frauen

Die Forscher betonen, dass die betriebliche Altersversorgung die Rentenkluft sogar noch weiter vergrößert. Nur sechs Prozent der Frauen erhielten 2011 überhaupt Geld aus der Betriebsrente, bei den Männern waren es hingegen 25 Prozent. Jedoch haben Frauen Männern gegenüber einen Vorteil: Sie erhalten im Schnitt länger Rente, weil sie eine höhere Lebenserwartung haben. Zudem bekommen sie im Schnitt auch eine weit höhere Witwenrente, obwohl von letzterer jedoch nur verheiratete Frauen profitieren und wiederum die am meisten, deren Männer ohnehin gut verdient haben.


Durchschnittliche Rentenbezugsdauer von Frauen und Männern


Positiver Trend bei der Gender Pension Gap zu erwarten

Die Wissenschaftler sind trotz all dem guter Dinge. Die Geschlechterkluft wird erkennbar kleiner mit jedem neuen Rentenjahrgang. Das verdeutlicht, dass Frauen mittlerweile länger und häufiger arbeiten als früher. Zudem hat sich auch die Entgeltlücke etwas geschlossen. Bei der Betriebsrente erwirbt derzeit ein fast so hoher Anteil von Frauen (46 Prozent) wie Männer (51 Prozent) einen Anspruch. Ebenfalls hat sich die Zahl der rentenversicherten Frauen und Männer fast angeglichen.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut stellt auf Grundlage der Datenauswertung jedoch fest, dass sich die Erwerbschancen für Frauen im Allgemeinen sowie die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter verbessern müssen. Zudem hätten die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente und die Verlagerung auf die betriebliche und private Altersvorsorge die Geschlechterkluft noch verstärkt und würden zu steigenden Armutsrisiken führen. Daher sollte aus WSI-Sicht die gesetzliche Rente wieder mehr gestärkt werden.

Nachricht an die Redaktion

Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

Nachricht an die Redaktion

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Artikel teilen

Ihre Nachricht am den Empfänger (optional)
Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder