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Einkommen & Vermögen

Rund ums liebe Geld: So viel wird verdient.

Einkommen & Vermögen | 3.1.2018 Drucken

Reale Inflationsgefahr

Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement GmbH, über das Risiko der lockeren Geldpolitik und die Möglichkeit einer anziehenden Inflation im Euroraum.

Wie hoch schätzen Sie das Risiko einer unkontrollierten Geldentwertung im Euroraum?

Claus WalterIch halte es auf jeden Fall für real gegeben, so lange ein Herr Draghi eher die Staatenfinanzierung im Blick behält, statt das eigentliche Ziel der Zentralbank, die Preisstabilität. Würde die EZB sich dem politischen Druck aus verschuldeten Staaten beugen und zu lange an der Niedrigzinspolitik festhalten, birgt das durchaus eine Inflationsgefahr. Das könnte wie ein Selbstbeschleuniger wirken, vergleichbar mit einer Ketchup-Flasche, bei der erst kaum etwas herauskommt und dann ein ganz großer Schluck auf dem Teller landet.

Was könnte die Inflation anheizen?

Bisher floss das Geld der EZB vor allem in zwei Kanäle, die Bankbilanzen und die Finanzierung der Staaten. Noch ist wenig davon im aktiven Wirtschaftskreislauf angekommen und die Kreditnachfrage zog erst zuletzt etwas an. Darin liegt natürlich auch ein Risiko, wenn das frisch gedruckte Geld bei Unternehmen und Verbrauchern ankommt und dort nachfragewirksam wird. Wenn dieser Funke überspringt, könnte die Geldflut der EZB inflationswirksam werden.

Gibt es dafür Anzeichen?

Bisher nur in Teilbereichen, in denen Kapazitätsauslastung besteht. Etwa in der Baubranche, die in Zeiten von Niedrigzinsen boomt, oder am knappen Wohnungsmarkt. Insgesamt gibt es aber keine akuten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale, die verstärkend auf die Inflation wirken würde. Die voranschreitende Digitalisierung ersetzt sogar eher immer mehr menschliche Arbeitskraft, was gegen ein in der Breite steigendes Lohnniveau spricht. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die stabilen Energiepreise. Da höhere Ölpreise relativ schnell zu einer Ausweitung des Frackingangebots führen, sind hier größere Preissprünge relativ unwahrscheinlich.

Tages- und Festgeldbestände gehören auf den Prüfstand

Warum will die EZB eigentlich sogar langfristig mehr Geldentwertung erreichen und peilt ein Ziel von knapp unter zwei Prozent an?

Das ist ein Erfahrungswert, der sich über viele Jahre ergeben hat, der sowohl von der amerikanischen Zentralbank FED als auch von der europäischen EZB als Inflationsziel definiert wurde. Damit wird eine gute Balance zwischen Preisstabilität für den Konsumenten und Investitionsbereitschaft in der Wirtschaft erreicht. Es hat sich herauskristallisiert, dass bei einer Inflation nahe Null Geld eher gehortet und nicht investiert wird. Dann fehlt das Schmiermittel der Wirtschaft.

Was würden Sie Anlegern vor dem Hintergrund der EZB-Politik empfehlen?

Hohe Tagesgeld- oder Festgeldbestände gehören auf den Prüfstand und bei Anleihen sollten lange Laufzeiten gemieden werden. In einem Anlagemix, der auch bei Inflation Stabilität verspricht, sollten Sach- und Produktivwerte wie Aktien, Immobilien, Edelmetalle und Rohstoffe stärker gewichtet werden.

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