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Einkommen & Vermögen | 6.9.2016 Drucken

Fakten zur Schere zwischen arm und reich

Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auf. Diese Warnung ist häufig zu hören und zu lesen. Aber stimmt das wirklich? Das Institut der Wirtschaft in Köln stellte diese populäre These auf den Datenprüfstand.

Ergebnis: Die Lage ist differenzierter, als diese Behauptung es erscheinen lässt. Tatsächlich nahm in der Zeit um die Jahrtausendwende die Ungleichheit der Nettoeinkommen in Deutschland zu. Das geschah übrigens auch in vielen anderen OECD-Ländern. Ab 2005 endete dieser Trend allerdings. Seitdem bleibt die Ungleichheit weitgehend stabil. Das zeigt der sogenannte Gini-Koeffizient, eine der bekanntesten Kennziffern, um Ungleichheit zu messen. Er bewegt sich zwischen null und eins. Besteht maximale Ungleichheit – einer bekommt alles, der andere nichts – nimmt der Koeffizient den Wert von eins an. Verdienen alle in gleicher Höhe, beträgt er null. Seit 2005 zeigt der Gini-Koeffizient der Nettoeinkommen in Deutschland, berechnet mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), keine statistisch bedeutsame Veränderung. Das ist der erste Einwand der Wissenschaftler des IW Köln zu der immer wieder aus der linken politischen Ecke behaupteten Einkommensschere. Angesichts der Herausforderungen, die sich zum Beispiel durch den mit der Globalisierung einhergehenden Lohndruck ergeben, sei das durchaus bemerkenswert.

Aber es lohnt durchaus ein genauerer Blick auf die Entwicklung der Nettoeinkommen, die sich nach 2005 zunächst sogar wieder ein wenig annäherten. Zwischen 2005 und 2010 stellte der IW-Report eine Erhöhung der Nettoeinkommen der ärmsten zehn Prozent der deutschen Bevölkerung um 8,4 Prozent fest. In keiner anderen Einkommensgruppe stieg das Nettoeinkommen in diesem Zeitraum stärker. Die höchste Einkommensklasse verzeichnete nur einen Zuwachs von 0,8 Prozent.

In den anschließenden vier Jahren kehrte sich die Entwicklung allerdings wieder um. Die realen Einkommen des ärmsten Dezils gingen von 2010 bis 2013 um 5,1 Prozent zurück, während im gleichen Zeitraum die Einkommen der reichsten zehn Prozent um 1,3 Prozent wuchsen. Das führte zu einem leichten Anstieg des Gini-Koeffizienten. Das Plus in der obersten Gruppe überrascht nicht. Nach dem Einbruch der Kapitaleinkommen in der Finanzkrise verbuchten die Vermögenden wieder verstärkt Kapitaleinkommen. Dagegen sind die IW-Forscher schon erstaunt über die Realeinkommenseinbußen bei 90 Prozent der Bevölkerung, die das SOEP ausweist. Immerhin wuchsen in diesem Zeitraum das deutsche Bruttoinlandsprodukt und die Reallöhne deutlich. Laut SOEP liegt das durchschnittliche reale Nettoeinkommen 2013 aber noch unterhalb des Niveaus des Krisenjahres 2009.

Als eine Erklärung führen die Autoren des IW-Reports Veränderungen in der Stichprobe des SOEP an. So wirke sich im Jahr 2013 eine zusätzliche Migrationsstichprobe aus. Ein Teil dieser Befragten sei eher in den unteren Einkommensschichten zu verorten. Allerdings zeigt sich auch in den Berechnungen von Eurostats eine negative Entwicklung des durchschnittlichen Einkommens in den vergangenen vier Jahren. Anders der Mikrozensus, eine der größten Haushaltsbefragungen in Deutschland: Er weist einen merklichen Anstieg des realen Einkommens aus. Wer mit Zahlen zur Einkommensentwicklung hantiert, sollte also immer klar die Quelle benennen und auf die Unterschiede in den Statistiken hinweisen.


Entwicklung der Realeinkommen in unterschiedlichen Datensätzen

Fakten zur Schere zwischen Arm und ReichQuelle: Amtliche Sozialberichterstattung auf Basis des Mikrozensus, Eurostat, SOEP v31; Statistisches Bundesamt, Institut der deutschen Wirtschaft Köln


Ein anderes Bild ergibt sich wiederum, wenn nur die realen Bruttoerwerbseinkommen herangezogen werden. Sie stiegen laut SOEP bei einem Vollzeitbeschäftigten im unteren Einkommensdezil von 2009 bis 2013 um 6,6 Prozent. Im zweiten Dezil waren es dagegen nur 3,3 Prozent. Die reichsten zehn Prozent konnten ihre Einkommen im selben Zeitraum nur um 2,8 Prozent steigern. Der Lohnabstand zwischen dem obersten und untersten Einkommenszehntel liege heute auf dem gleichen Niveau wie 2006. „Es hat also keine weitere Einkommensspreizung stattgefunden“, schreibt das IW Köln in seinem Faktencheck Verteilung. Das ist auch die grundlegende Aussage des umfangreichen Reports: Ganz gleich, welche Daten betrachtet werden, die Schere zwischen Arm und Reich hat sich nicht weiter geöffnet. Ein wesentlicher Grund dafür ist die gute Lage am Arbeitsmarkt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gestiegen.

In Deutschland herrscht im Vergleich der Länder in der Europäischen Union auch keine extreme Ungleichheit, sondern es liegt in der Nähe des Durchschnittes der 28 EU-Staaten. Beim Vergleich der Markt- und der Nettoeinkommen zeigt sich zudem, wie Abgaben, Steuern und Transferleistungen die Ungleichheit erheblich abmildern.


Gini-Koeffizienten der Markt- und Nettoeinkommensverteilung in den Ländern der Europäischen Union im Jahr 2014

Quellen: EUROMOD, 2016; Institut der deutschen Wirtschaft Köln


 

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