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Einkommen & Vermögen

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Einkommen & Vermögen | 26.7.2017 Drucken

Erwerbsarmut steigt in Deutschland am stärksten

Immer mehr EU-Bürger gelten als arm, obwohl sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

In den vergangenen Jahren stieg im Vergleich zu anderen EU-Ländern die Erwerbsarmut in Deutschland am stärksten an. Zudem stehen Arbeitslose immer stärker unter Druck, eine schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich arbeitsmarkt- und sozialpolitische Maßnahmen, die Menschen schneller zu Arbeit verhelfen sollen, auf die Erwerbsarmut in 18 europäischen Ländern ausgewirkt haben. Gemessen an der Erwerbsbeteiligung der 18- bis 64-Jährigen, betrug 2014 der Anteil der Working Poor etwa zehn Prozent in der EU. Obwohl sie einer regelmäßigen Beschäftigung nachgehen, müssen sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens in ihrem Land auskommen. Es handelt sich dabei also um relative Armut.

Am höchsten ist der Anteil in Rumänien (18,6 %), Griechenland (13,4 %) und Spanien (13,2 %). Die geringste Erwerbsarmutsquote in Europa mit 4,5 Prozent oder weniger haben Belgien, die Tschechische Republik und Finnland. Genau im EU-Durchschnitt liegt Deutschland mit 9,6 Prozent.

Mehr Arbeit ist keine Garantie für weniger Armut

Die Wissenschaftler heben vor allem Deutschland hervor. Zwischen 2004 und 2014 stieg hier die Beschäftigungsrate stärker als in anderen europäischen Ländern. Dennoch registriert Deutschland den höchsten Zuwachs an Erwerbsarmut.

Erwerbsarmut in Europa„Offensichtlich ist der Zusammenhang zwischen Beschäftigungswachstum und Armut komplizierter als gemeinhin angenommen“, stellen die Forscher fest. So sei aus ihrer Sicht, mehr Arbeit keine Garantie für weniger Armut. Zumindest dann nicht, wenn die neue Beschäftigung nicht angemessen entlohnt wird bzw. die Stundenzahl gering ist.

Die gute Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes basiert zu einem großen Teil auf der Zunahme atypischer Beschäftigungen. Hierzu zählt vor allem die Teilzeit im Dienstleistungs- und Niedriglohnsektor. Zudem sei der Druck auf Arbeitslose gestiegen, möglichst schnell eine Erwerbstätigkeit zu finden. „Maßnahmen, die Arbeitslose dazu zwingen, Jobs mit schlechter Bezahlung oder niedrigen Stundenumfang anzunehmen, können dazu führen, dass die Erwerbsarmut steigt, weil aus arbeitslosen armen Haushalten, erwerbstätige arme Haushalte werden“, schreiben die Wissenschaftler.

 

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