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Einkommen & Vermögen

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Einkommen & Vermögen | 26.10.2015 Drucken

Erbschaftsvolumen steigt künftig langsamer

Während in den zurückliegenden Jahrzehnten Erbschaften in Deutschland deutlich zugelegt haben und in naher Zukunft dieser Trend sich noch einige Zeit fortsetzen wird, ist auf längere Sicht mit einem langsameren Anstieg zu rechnen.

Diese Prognose trifft die DIA-Studie „Erben in Deutschland 2015 – 2024: Volumen, Verteilung, Verwendung“, die unlängst vorgestellt wurde. Zwar sind quantitative Annahmen für die Zeit ab 2025 mit vielen Unsicherheiten behaftet, aber es gibt mehrere Gründe für die Voraussage, dass die Volumina der Erbschaften langfristig nicht mehr so stark zunehmen werden wie in der Vergangenheit.

So steigt die Wohneigentumsquote der Erblasser fast nur noch im Osten, dort liegen die Verkehrswerte der Immobilien allerdings unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Vor allem in Schrumpfungsregionen werden die durchschnittlichen Immobilienpreise kaum noch zunehmen. Ab den 2020er Jahren werden zudem die Zahl der Haushalte und damit die bundesweite Wohnungsnachfrage sinken. Trotz wachsendem Leerstand werden weiter Wohnungen neu errichtet. Im Ergebnis wird der durchschnittliche Preis inflationsbereinigt sinken.

Niedrigzinsen bremsen Vermögensbildung aus

Der Anstieg der Geldvermögen dürfte langfristig parallel zum Wachstum der Einkommen verlaufen. Kurzfristig wird die Geldvermögensbildung allerdings durch die Niedrigzinsen ausgebremst. Darüber hinaus verlangsamen sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und dadurch auch das Einkommenswachstum privater Haushalte seit langer Zeit. Dieser Trend setzt sich mit großer Wahrscheinlichkeit fort. Seit dem vergangenen Jahrzehnt kommt dem Aufbau privater Altersvorsorge größere Bedeutung zu. Diese Vermögen sind jedoch meist nicht oder nur bedingt vererbbar. Es ist unklar, inwieweit die private Altersvorsorge den Aufbau „konventioneller“ Geldvermögen verdrängt oder echte zusätzliche Ersparnisse darstellt. Je größer die Verdrängung ausfällt, desto geringer ist das künftige Erbvolumen.

Zusätzliche Lebensjahre führen zu zusätzlichen Ausgaben

Die zunehmende Lebenserwartung der Erblasser wird das Wachstum der künftigen Erbschaften ebenfalls verlangsamen. Die zusätzlichen Lebensjahre führen bei den Erblassern zu zusätzlichen Ausgaben. Dieser Effekt fällt vor allem dann stark ins Gewicht, wenn künftige Erblasser im Alter konsumfreudiger sind als heutige. Der Aufbau und der Konsum einer privaten Altersvorsorge könnten einen „Gewöhnungseffekt“ hervorrufen: gewöhnen sich Ältere erst einmal daran, Altersvorsorgevermögen aufzubrauchen, dann werden sie womöglich auch eher als heute „konventionelle“ Geldvermögen aufzehren.


Steigende Lebenserwartung bremst den Anstieg des Erbschaftsvolumens

Altersverteilung der Todesfälle von Frauen: immer mehr werden 80 Jahre und älter

Erbschaftsvolumen-steigt-künftig-langsamerQuelle: Destatis – empirica

 

Parallel dazu nimmt die Ungleichheit der Erbschaften aus mehreren Gründen künftig zu. So werden sich die Immobilienpreise je nach Qualität, Lage und Region weiter ausdifferenzieren. Im Ergebnis gewinnen hochwertige Wohnimmobilien in Wachstumsregionen an Wert, während schlechtere Wohnungsqualitäten in demografischen Schrumpfungsregionen an Wert verlieren werden. „Es ist zu befürchten, dass künftig vor allem die Bezieher höherer Einkommen und damit vor allem Wohneigentümer, die ohnehin sparsamer sind als Mieter, besser privat fürs Alter vorgesorgt haben. Geringverdiener wären demnach im Alter öfter einkommensarm und müssten ihr Vermögen aufbrauchen. Im Ergebnis würde die Ungleichheit der potentiellen Hinterlassenschaften weiter ansteigen“, beschreibt Studienautor Dr. Reiner Braun eine zu erwartende Entwicklung.

Steigender Pflegebedarf hinterlässt Spuren im Vermögen

Eine ähnliche Auswirkung hat der steigende Pflegebedarf auf das künftige Erbschaftsvolumen. Immer weniger Pflegebedürftige werden Kinder haben, die die Pflege übernehmen. Gleichzeitig wird die Leistung der Pflegeversicherung nicht mit der Kostenentwicklung im Pflegesektor Schritt halten, wodurch die Eigenleistungen der Pflegebedürftigen steigen. So bleibt weniger Vermögen zum Vererben übrig, die Ungleichheit der Hinterlassenschaften zwischen Pflegebedürftigen und Nicht-Pflegebedürftigen wird steigen.

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