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Einkommen & Vermögen

Rund ums liebe Geld: So viel wird verdient.

Einkommen & Vermögen | 12.9.2016 Drucken

Die Deutschen und ihr Geld

Über Geld spricht man nicht? Eigentlich schade, meint das Kölner Meinungsforschungsinstitut YouGov, denn dieses Thema sei allgegenwärtig und bewege die Menschen wie kein anderes. Daher gingen die Meinungsforscher der Sache auf den Grund und machten gleich ein Buch daraus. Ein Gespräch darüber mit Herausgeber Holger Geißler.

Sie wollten herausfinden, wie die Deutschen rund ums Geld denken, meinen, fühlen und haben dazu ausführlich Meinungsforschung betrieben. Wie lautet Ihr Fazit, wenn Sie das Verhältnis der Deutschen zum Geld in wenigen Sätzen beschreiben sollten?

Die Deutschen sind ein sparsames Volk, machen ungern Schulden und sind gern rundum abgesichert. Geld ist uns zwar wichtig, aber andere Dinge wie Gesundheit, Familie und Freunde sind deutlich wichtiger.

Wir-Deutschen-und-das-GeldWelches Umfrageergebnis hat Sie am meisten überrascht?

Das ist eine schwierige Frage, weil wir so viele unterschiedliche Fragen gestellt haben. Besonders interessant fand ich die Überprüfung von Sprichwörtern. Regiert Geld die Welt? Stinkt Geld tatsächlich? Hier sind viele Ergebnisse zwar erwartungskonform, aber wir sehen dann doch noch mal recht deutlich, dass der Volksmund nicht immer Recht hat. Dem Sprichwort „Das Geld liegt auf der Straße“ stimmen zum Beispiel nur 25 Prozent zu. Richtiger für die Deutschen wäre es zu sagen, dass das Geld auf der Bank liegt. Es muss auch nicht immer Bargeld sein: Gerade mal 54 Prozent stimmen noch der Aussage zu „Nur Bares ist Wahres“.

Hört bei Geld die Freundschaft auf? Diese Frage stellen Sie im Vorwort des Buches. Der Volksmund meint ja. Ergaben Ihre Auswertungen eine andere Sicht?

Ja, tatsächlich stimmen nur 58 Prozent der Deutschen dieser Aussage zu. Das bedeutet, dass eben viele doch bereit sind, Freunden in der Not auch zu helfen. Interessanterweise sind Männer deutlich offener, Freunden auch mit Geld zu helfen, als Frauen. Immerhin zwei Drittel der Deutschen haben tatsächlich auch schon Geld verliehen. Geld rangiert bei der Wichtigkeit dann eben doch nicht ganz vorne. Wir sehen, dass die Einstellung, dass bei Geld die Freundschaft aufhört, bei den älteren Bundesbürgern viel stärker verbreitet ist als bei den Jüngeren.

Sie bescheinigen den Deutschen einen gewissen Starrsinn in Geldfragen. Wie äußert er sich?

Zum Beispiel darin, dass die Anlageformen, die uns am sympathischsten sind, am wenigsten Rendite abwerfen. Wir sind recht einfach gestrickt, wenn es um unser Geld geht. In anderen Bereichen des Lebens mag es Einfallsreichtum geben: Bei Gelddingen meistens nicht.

Wie groß ist die Angst der Deutschen vor Armut? Spielt dabei der Blick auf die Rentenzeit eine besondere Rolle?

Die Angst vor Altersarmut ist tatsächlich weit verbreitet: 51 Prozent der Westdeutschen und immerhin 56 Prozent der Ostdeutschen haben davor Angst. Dementsprechend wird viel zurückgelegt und gespart und eben nicht investiert und spekuliert, sondern auf Anlageformen zurückgegriffen, deren Rendite zwar sicher, aber in der Zukunft vergleichsweise niedrig sein werden wie zum Beispiel Lebensversicherungen. Außerdem haben 38 Prozent Angst davor, dass die gesetzliche Rente schrumpft.

„Viele Deutsche legen immer noch Geld aufs Sparbuch oder Tagesgeldkonto, obwohl die Zinsen verschwindend gering sind.“

Vom Verdienen bis zum Vererben haben Sie alle Stationen im individuellen Geldkreislauf untersucht. Uns interessiert vor allem das Sparen in Zeiten niedriger Zinsen. Behält das Sparbuch seine Favoritenrolle oder hat die Suche nach ertragreicheren Anlagen eingesetzt?

Nein, leider gar nicht. Viele Deutsche legen immer noch Geld aufs Sparbuch oder Tagesgeldkonto, obwohl die Zinsen verschwindend gering sind. Die meisten von uns beschäftigen sich sehr ungern mit Gelddingen und greifen auf sichere, aber eben auch renditearme Anlageformen zurück. Dazu gehört auch, dass wir zwar mit unseren Banken ganz zufrieden sind, aber das Vertrauen darin, dass die Banken immer nur das Beste mit unserem Geld wollen, hat stark abgenommen. 75 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Banken uns das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Das spricht doch Bände. Das heißt, selbst wenn die Hausbank mit innovativen Finanzprodukten um die Ecke kommt, bleiben die meisten Deutschen skeptisch und risiko-avers.


Holger Geißler studierte Psychologie in Heidelberg und Mannheim und lebt mit seiner Familie in Köln. Seine Leidenschaft sind die internetbasierte Markt- und Meinungsforschung, die er in Deutschland als Forschungsleiter und Sprecher von YouGov und Dozent an der Fachhochschule Köln aktiv mitgestaltet. 


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