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Einkommen & Vermögen

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Einkommen & Vermögen | 21.9.2016 Drucken

Deutschland – Hort der Ungleichheit?

In Deutschland ist die finanzielle Ungleichheit besonders hoch. Das liest und hört man immer wieder. Aber stimmt das wirklich? Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln sagen nein und liefern Zahlen und Fakten zum Beweis.

Bei den Nettoeinkommen streiten sich die Geister kaum. Im Europa- oder OECD-Vergleich, da sind sich die Experten weitgehend einig, weist Deutschland eine unterdurchschnittliche Ungleichheit aus. Der Gini-Koeffizient, mit dem man Ungleichheit bestimmen kann, betrug 2012 in Deutschland 0,29. Der Durchschnitt der OECD-Staaten lag bei 0,32. Zur Erklärung dieser Kennziffer, die zwischen null und eins liegen kann: Ein Gini-Koeffizient von null beschreibt völlige Gleichheit, alle besitzen ein Einkommen in gleicher Höhe. Beim Wert von eins dagegen hätte einer alles und alle anderen nichts.

 

Ungleichheit-in-der-EUDie Nettoeinkommen ergeben sich aus zwei Faktoren: den am Markt erzielten Einkommen und der Wirkung der Steuer- und Transfersysteme. Schaut man sich die Situation in Deutschland vor der Umverteilung durch Steuern und Transfers an, so steht unser Land etwas schlechter da als der Durchschnitt in der europäischen Union. Die Kritiker vor allem aus dem linken Lager könnten sich also bestätigt sehen. Doch diese Ungleichheit der Markteinkommen, darauf verweisen die Wissenschaftler des IW Köln, hat eine Ursache: Sie wird maßgeblich auch von den Personen beeinflusst, die nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen. Rentner in Deutschland bestreiten ihren Lebensunterhalt zum überwiegenden Teil mit ihrer gesetzlichen Rente. Sie beziehen kaum Markteinkommen. Ohne Berücksichtigung der gesetzlichen Rentensysteme führt ein bloßer Vergleich der Markteinkommen in die Irre. Er würde die Ungleichheit nicht in ihrem tatsächlichen Umfang widerspiegeln.

Steuern und Transfers sorgen für Ausgleich

Verfügt nämlich ein Land, wie zum Beispiel Österreich oder Deutschland, über eine weitreichende gesetzliche Absicherung im Alter, dann mangelt es an Anreizen, privat anzusparen oder länger zu arbeiten. Das führt zu geringeren Markteinkommen der Rentner. Eine umfassende gesetzliche Alterssicherung bewirkt in der Tendenz also eine größere Ungleichheit der Markteinkommen. Das Bild ändert sich aber entscheidend, wenn die Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung bei der Ermittlung der Ungleichheit berücksichtigt werden. Damit liegt Deutschland auf Platz 13 unter den 28 EU-Staaten und unter dem EU-Durchschnitt.

Die Steuern und Transfers sorgen für einen weiteren Abbau von Ungleichheit. Nach dieser Umverteilung liegt Deutschland auf einem deutlich unterdurchschnittlichen Rang 10. Das deutsche Steuer- und Transfersystem hat also starken Einfluss. „Nimmt man Rente, Sozialtransfers und Abgaben zusammen, erreichen nur drei EU-Staaten eine stärkere effektive Umverteilungswirkung“, schreiben die Autoren der IW-Studie „Faktencheck Gerechtigkeit und Umverteilung: eine empirische Überprüfung wichtiger Stereotype“.

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