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Einkommen & Vermögen

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Einkommen & Vermögen | 10.1.2017 Drucken

Befristet Beschäftigte: häufig jung, arm und kinderlos

Fast jeder fünfte Beschäftigte unter 35 Jahren besitzt nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Damit sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase besonders stark von dieser Benachteiligung betroffen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, das dafür Daten aus dem Mikrozensus 2015 auswertete.

skater_01Nach Herausrechnung von Auszubildenden, Praktikanten und Umschülern haben 19,3 Prozent aller Arbeitnehmer unter 35 Jahren nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Auch nach Ausklammerung der Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren, in der es viele befristete Ferienjobs geben dürfte, liegt die Befristungsquote der 20- bis 34-Jährigen immer noch bei 18,4 Prozent. Damit ist sie beinahe doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (9,3 %). Die Qualifikationsprofile der jungen Beschäftigten verdeutlichen, dass Universitätsabsolventen sowie Menschen ohne Berufsausbildung gleichermaßen häufig befristet beschäftigt sind wie Absolventen einer dualen Berufsausbildung oder mit Fachhochschulreife. Jedoch führen später die Berufswege beider Gruppen oft in unterschiedliche Richtungen. Während Uni-Absolventen im Zeitverlauf häufiger in feste Anstellungen wechseln, stellt der befristete Job für Geringqualifizierte oft eine Sackgasse dar.

Arbeit schützt vor Armut nicht

Selbst mit einer Vollzeitstelle verdienen 26,2 Prozent der befristet Beschäftigten unter 35 Jahren weniger als 1.100 Euro netto im Monat. Ihr Brutto-Stundenverdienst liegt somit auf dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns. Dementsprechend sind der Studie nach Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag wesentlich häufiger armutsgefährdet als Unbefristete. Geht es nach der amtlichen Definition, leben sie in einem Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Daher zählen 15,5 Prozent der befristet Beschäftigten zwischen 20 und 34 Jahren zu den working poor. Unter ihren Altersgenossen mit einem dauerhaften Vertrag sind es nur 7,5 Prozent.

Befristet Beschäftigte sind seltener verheiratet und haben weniger Kinder

Unter den 20- bis 34-Jährigen mit unbefristetem Arbeitsvertrag sind 27,7 Prozent verheiratet. Im Vergleich dazu befinden sich nur 17,4 Prozent der Gleichaltrigen mit befristeter Anstellung in einer Ehe. Zudem unterscheidet sich auch die Anzahl der Kinder. In 100 Haushalten von befristet Beschäftigten leben laut Studie 29 Kinder. Hingegen sind in 100 Haushalten ihrer Altersgenossen mit festem Arbeitsvertrag 42 Kinder zu finden.

„Der offenkundige Nachteil einer befristeten gegenüber einer unbefristeten Beschäftigung besteht darin, dass die Betroffenen mit erheblichen Planungsunsicherheiten konfrontiert sind, die sich lebensweltlich auswirken“, erläutert der WSI-Sozialexperte Dr. Eric Seils. „Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften. Kinder kosten Geld, daher dürften viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben“, ergänzt der Wissenschaftler.

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