Nachricht an die Redaktion

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

DIA Update

Abonnieren Sie den kostenlosen
Newsletter des DIA .

Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 7.1.2019 Drucken

Wohnungsnot verändert unser Verhalten

Die Wohnungsnot in Deutschland wirkt sich auf unser Verhalten aus. So pendeln wir öfter, ziehen später bei den Eltern aus und leben auf kleinerem Raum.

Bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist aus Sicht der Deutschen derzeit das größte Infrastrukturproblem der Bundesrepublik. Nur Brasilianer sind noch unzufriedener mit dem Wohnungsmarkt im eigenen Land.

Wohnungsnot verändert unser VerhaltenDas geht aus dem Global Infrastructure Index 2018 hervor. Doch was passiert eigentlich mit uns, wenn uns solch ein Problem dauerhaft belastet? Wenn weniger Wohnungen als benötigt gebaut werden, sinkt zunächst einmal der Leerstand. Immer mehr Menschen suchen auf dem Markt nach den immer gleichen Angeboten. Wer in der Großstadt nichts findet, weicht eventuell auf das Umland aus. Doch der Arbeitsplatz bleibt in der Regel derselbe. Somit führt Wohnungsnot zu einer steigenden Anzahl von Pendlern. Zudem verlassen junge Erwachsene das Elternhaus später und leben während der Ausbildung länger zu Hause. Auch Wohngemeinschaften werden, um Kosten zu sparen, immer beliebter, vor allem bei Studenten.

Zu diesen Ergebnissen kommt das Forschungsinstitut empirica in seiner aktuellen Wohnungsmarktprognose. Die Studie berechnete die Einwohnerzahl Deutschlands bis in das Jahr 2030 und ermittelte anhand dessen den künftigen Wohnbedarf. Ebenso flossen demografische Entwicklungen wie die Veränderungen der Haushaltsgrößen, der Lebenserwartung, die Zuwanderung oder die Umzüge zwischen Land und Stadt mit ein. Ergebnis: 2030 leben voraussichtlich 82,3 Millionen Menschen in Deutschland. Das ist über eine Million mehr als derzeit. In den nächsten vier Jahren müssten dafür rund 290.000 neue Wohnungen gebaut werden. Den Bedarf an bezahlbaren Wohnraum deckt diese Zahl allerdings nicht ab.

Von der Stadt aufs Land, nur wegen der Wohnung?

Die Studie untersucht lediglich, wie viele Wohnungen künftig benötigt werden und nicht, wie viele in welchem Preissegment fehlen. Empirica argumentiert, dass ohne eine Knappheit auch die Preise wieder fallen. Allerdings sind gerade Neubauten in Deutschland aufgrund veränderter Bestimmungen zum Brandschutz und Vorschriften zur Energieeinsparung relativ teuer. Auch das Bauland ist zunehmend knapp und somit teuer. Um die Mietpreise dennoch zu senken, gibt es zwei Varianten. Entweder entstehen in Gebieten mit Knappheit mehr neue Wohnungen, als die Prognose vorgibt, oder die Nachfrage verlagert sich in andere Regionen. Heißt: wer in der Großstadt nichts findet, muss sich im Umland nach einer günstigen Alternative umschauen.

Wohnen im Speckgürtel immer beliebter

Eine zunehmende Suburbanisierung findet bereits statt. Das zeigen derzeit die sogenannten Schwarmwanderungen, bei denen Menschen von der Stadt nicht direkt aufs Land ziehen, sondern in den umliegenden Speckgürtel. So profitiert der Einzelne weiter von den Vorteilen des Stadtlebens wie guten Arbeitsmöglichkeiten und wohnt gleichzeitig verhältnismäßig preiswert. Darüber hinaus siedeln Menschen auf dem Land häufiger in kleine Städte um als in die großen Metropolen. So ziehen junge Brandenburger mittlerweile seltener nach Berlin und dafür öfter nach Rostock, Leipzig oder Chemnitz.

Immer mehr Singles suchen eine Wohnung

Zudem muss nicht jede fehlende bezahlbare Wohnung neu gebaut werden. Vielmehr können sich teure Objekte zum Beispiel durch Subventionen verbilligen. Der Staat könnte ältere Wohnungen auf eigene Kosten modernisieren. Im Gegenzug müsste der Hauseigentümer die Miete an untere Einkommensklassen anpassen. Alternativ könnten sehr große Wohnungen in mehrere Einheiten aufgeteilt werden. Eine solche Aufspaltung löst auch ein demografisches Problem, denn immer weniger Menschen leben heutzutage in einer Paarbeziehung. Zusätzlich lassen sich Verheiratete im Laufe ihres Lebens mit einer 50-prozentigen Chance wieder scheiden. Tendenz steigend. Das führt zu mehr Single-Haushalten und somit auch zu einem höheren Wohnungsbedarf. Dieses Phänomen lässt sich im Übrigen nicht nur in der Stadt, sondern in allen Regionen Deutschlands beobachten.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem. Gebäude halten nicht unendlich lange. Wird zum Beispiel eine Nutzungsdauer von 100 Jahren vorausgesetzt, dann müsste ein Haus nach dieser Zeitspanne abgerissen und ebenso neu gebaut werden. Demnach müsste jedes Jahr ein Hundertstel des Gesamtbestandes ersetzt werden. Jedoch verteilen sich die Gebäude in Deutschland nicht gleichmäßig auf alle Baualtersklassen. So kam es beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg durch einen Bauboom zu anteilig vielen neuen Wohnungen. Diese werden nun auch ungefähr zur gleichen Zeit baufällig, was die Wohnungsnot zusätzlich vergrößert.

Nachricht an die Redaktion

Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

Nachricht an die Redaktion

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Artikel teilen

Ihre Nachricht am den Empfänger (optional)
Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Ausgewählte Artikel zum Thema

Immer mehr Stadtkinder durch Bildungswanderung

In städtischen Ballungsräumen wachsen immer mehr Kinder auf. Hauptursache dafür ist aber nicht eine höhere Geburtenrate, sondern eine Bildungswanderung. Wer heutzutage eine große Auswahl von Ausbildungsstellen und Studienplätzen sucht, landet häufig in Städten wie Berlin, Dresden oder Potsdam. Für junge Menschen steht nach der Auswahl der Wunschstelle in vielen Fällen ein Umzug an. Infolgedessen verlassen […]

Artikel lesen

Ältere haben die größten Wohnungen

Je älter die Deutschen sind, desto mehr Platz haben sie in ihren Wohnungen. Gerade Senioren sehnen sich aber oft nach einem kleineren Zuhause. Mit Mitte 40 haben die Bundesbürger den meisten Platz in ihren Wohnungen. Obwohl im Anschluss oft die Haushaltsmitglieder schwinden, weil die Kinder ausziehen oder im hohen Alter der Partner stirbt, ziehen die […]

Artikel lesen
Arzt auf dem Dorf

Taugt das Haus auf dem Lande noch als Altersvorsorge?

Durch Bevölkerungsschrumpfung wird in einigen Regionen die Immobilie als Altersvorsorge zunehmend infrage gestellt. Diese Auffassung vertritt Prof. Dr. Rolf G. Heinze von der Ruhr-Universität Bochum und fordert mehr Unterstützung für ländliche Räume im demografischen Umbruch. Durch die sehr unterschiedliche räumliche Entwicklung in Deutschland gebe es mittlerweile Gegenden, in denen die eigene Immobilie das vernünftige Auskommen […]

Artikel lesen