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Demographie

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Demographie | 9.5.2017 Drucken

Unbezahlte Arbeit: Folgen für Karriere und Alterssicherung

Es gibt eine große Diskrepanz zwischen den Geschlechtern bei der unbezahlten Arbeit. So leisten Frauen deutlich mehr in der Kindererziehung, bei der Hausarbeit und in der Pflege als Männer.

Solange dieser Zustand weiter vorherrscht, ist eine Gleichstellung in Beruf und Gesellschaft nicht realisierbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung.

Viele Paare wünschen sich ohne Frage eine partnerschaftliche Arbeitsteilung. Jedoch ist die Realität eine andere. Den größten Teil der unbezahlten Arbeit leisten immer noch Frauen. Laut Studie investieren Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren 2,4-mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und das 1,6-fache für Hausarbeit wie Männer dieser Altersgruppe. Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei Erwerbstätigen mit Kindern aus.

Wenn man die durchschnittliche tägliche Gesamtarbeitszeit von erwerbstätigen Frauen und Männern betrachtet, dann fällt diese ähnlich hoch aus. Frauen arbeiten im Mittel täglich 7:44 Stunden und Männer 7:40 Stunden. Jedoch gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit.

Hoher Aufwand für häusliche Arbeit

Erwerbstätige Männer verbringen im Durchschnitt täglich 5:32 Stunden mit bezahlter Arbeit. Das ist etwa 1,2-mal so viel Zeit wie bei erwerbstätigen Frauen (4:15 Stunden). Erwerbstätige Frauen beschäftigen sich aber darüber hinaus im Schnitt 3:29 Stunden mit unbezahlter Arbeit. Das ist 1,6-mal so viel Zeit wie bei den erwerbstätigen Männer (2:08 Stunden).

Der hohe Aufwand für häusliche Arbeit geht mit reduzierten Arbeitszeiten im Beruf einher. So arbeitet beinahe jede zweite Frau in Teilzeit. Unter Müttern ist Vollzeitarbeit sogar die Ausnahme. Dagegen arbeiten Männer, auch wenn sie Väter sind, fast ausschließlich in Vollzeit. Für einen vollzeitbeschäftigten Mann besteht mit 73 Prozent der größte Teil seiner Gesamtarbeitszeit aus bezahlter Arbeit. Eine Frau in Teilzeitarbeit wird hingegen nur für 43 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit entlohnt und leistet den größten Teil ihrer Arbeit unbezahlt.

Trotz Elterngeld entfallen 90 Prozent der Elternzeit auf Frauen

Wenn Kinder unter sechs Jahren im Haushalt leben, ist die Diskrepanz von beruflicher und häuslicher Arbeit zwischen den Geschlechtern besonders groß. Väter in Vollzeit mit kleinen Kindern haben mit 9:11 Stunden die längste Gesamtarbeitszeit von allen. Lediglich ein Drittel davon verwenden sie für Hausarbeit, Kinderversorgung oder Pflege von Angehörigen. Hingegen nutzen vollzeitbeschäftigte Mütter dafür mehr als die Hälfte und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar fast 70 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit.

Unbezahlte Arbeit: Folgen auf Karriere und AlterssicherungSomit liegt die Betreuung von Kleinkindern weiterhin überwiegend in Frauenhand. Das wird auch daran ersichtlich, dass Mütter deutlich häufiger und länger Elterngeld beziehen als Väter. Bislang entfallen mehr als 90 Prozent der Elternzeit, für die Elterngeld gezahlt wird, auf Frauen. Allerdings scheint sich in diesem Bereich etwas zu ändern. Mittlerweile nehmen Männer häufiger Vätermonate in Anspruch als noch vor ein einigen Jahren.

Die Elternzeit von Vätern ist zwar meist nur von kurzer Dauer,  dennoch ergeben sich daraus langfristige Effekte. Je mehr sich Väter um ihren Nachwuchs kümmern und so in Kontakt mit vorübergehender Teilzeitarbeit kommen, umso wahrscheinlicher wird es laut Studie, dass sie auch über die Elternzeit hinaus ihre Arbeit reduzieren. Etwa jeder vierte Vater setzt seine Arbeitszeitdauer im Anschluss an seine Elternmonate herab. Im Vergleich zu der Zeit vor der Geburt des Kindes beträgt die Arbeitszeitverringerung zwischen 10 bis 20 Prozent. Besonders häufig reduzieren Väter (42 %) ihre Arbeitszeit, die drei oder mehr Elterngeldmonate genommen haben.

Zwei Drittel der unbezahlten Pflegearbeit entfallen auf Frauen

Der zweite wichtige Bereich der Fürsorgearbeit ist die Pflege von Angehörigen. Wie bei der Kinderbetreuung engagieren sich auch hier Frauen häufiger und intensiver: Sie stellen mit 2,35 Millionen fast zwei Drittel der Personen, die unbezahlte Pflegearbeit leisten. Mindestens zwei Stunden bringen drei Prozent der Frauen für die Pflege von Angehörigen auf. Bei den Männern ist das gerade mal ein Prozent.

Im Alter von 45 bis 74 Jahren ist der Anteil der pflegenden Frauen am höchsten. Männer pflegen eher später im Lebenslauf. Dass Frauen ab 75 seltener pflegen als Männer in der gleichen Altersgruppe, liegt daran, dass sie häufiger verwitwet sind und somit keinen Partner mehr zu betreuen haben.

„Von einer gleichmäßigen Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern kann bislang keine Rede sein“, erläutern die Autoren die Studienergebnisse. Die Tatsache, dass Frauen häufiger zurückstecken, hängt aus ihrer Sicht direkt mit der ungleichen Aufteilung der häuslichen Arbeit zusammen. Folglich seien damit erhebliche Auswirkungen auf das Einkommen und die beruflichen Chancen sowie die Alterssicherung der Frauen verbunden.

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