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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 5.5.2013 Drucken

Status entscheidet über Lebenserwartung

Demografie ist nur etwas für Zahlenmenschen – so die landläufige Meinung. Die Folge: Viele steigen erst gar nicht tiefer in Tabellen und Grafiken zur Demografie ein.

Dabei kann dies durchaus spannend sein, immerhin begegnen wir vielen Sachverhalten im täglichen Leben. Ein kurzer Ausflug in die Spezialdisziplin „Evolutionäre Biodemografie“. Oder: Was kommt dabei heraus, wenn sich ein Biologe mit Demografie beschäftigt?

Status entscheidet über Lebenserwartung

Beim Thema Demografie denkt man an die Alterspyramide der Bevölkerung oder an die Probleme der gesetzlichen Rente, aber nicht an Bienen oder Ameisen. Sie dagegen schon. Was versucht ein Wissenschaftler zu ergründen, der sich mit „Evolutionärer Biodemografie“ beschäftigt?

Die Biodemografie versucht, die demografischen Muster, aus denen zum Beispiel die Alterspyramide resultiert, evolutionär zu erklären. Ein wichtiger Faktor ist hierbei die Mortalität. Es gibt verschiedene evolutionäre Theorien, die den Prozess der Alterung und die daraus resultierende altersspezifische Mortalität beschreiben. Diese Theorien passen für viele Organismen, bei als eusozial bezeichneten Insektenstaaten ist die Erklärung für die unterschiedliche Alterung von Königinnen und Arbeiterinnen jedoch komplexer. Sie zeigen die Grenzen der etablierten Theorien zur Alterung auf.

Inwiefern?

Bei Bienen, Ameisen und Wespen kann sich jedes befruchtete Ei, das von der Königin gelegt wurde, sowohl zu einer Königin als auch zu einer Arbeiterin entwickeln. In jedem Genotyp befinden sich also mehrere Phänotypen, die je nach Bedarf der Kolonie produziert werden. Noch spannender ist die Tatsache, dass Arbeiterin und Königin ganz unterschiedlich aussehen können und in der Kolonie unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Aus diesen unterschiedlichen Aufgaben resultieren unter anderem unterschiedliche Lebensspannen.

Vermutlich lebt die Königin länger …

Ja, bis zu 28 Jahren. Die Arbeiterinnen der gleichen Art leben jedoch maximal drei Jahre. Die Unterschiede in der Lebensspanne lassen sich zum einen durch die hohe Abhängigkeit der Kolonie von der oft einzigen Königin erklären, deren Tod in vielen Fällen das Ende der Kolonie bedeutet. Die Arbeiterin durchläuft in ihrem Leben unterschiedliche Aufgaben: Junge Arbeiterinnen kümmern sich um die Brut und übernehmen relativ sichere Aufgaben innerhalb der Kolonie. Ältere dagegen Aufgaben mit hohem Sterberisiko außerhalb des relativ sicheren Nestes.

Welche Folgen hat das für die Demografie des Bienenstocks?

Da es eine hohe Redundanz bei den Arbeiterinnen gibt und Arbeiterinnen in den wenigsten Fällen lernen, ist es ökonomisch sowie aus der Fitness-Perspektive für die Kolonie sinnvoll, lieber viele kurzlebige als wenige langlebige Arbeiterinnen zu produzieren. Schließlich sind die Gefahren außerhalb des Nestes für beide Typen von Arbeiterinnen gleich. Ich konnte nachweisen, dass eine kürzere Lebensspanne bei den Arbeiterinnen zu Fitness-Vorteilen für die Kolonie führen kann. Außerdem nehmen die Unterschiede zwischen Lebensspannen von Königinnen und Arbeiterinnen bei Arten mit größeren Kolonien zu.

Gibt es im Tierreich noch andere Erscheinungen mit „demografischem“ Hintergrund?

Mortalität, Fertilität und Migration, also die Messgrößen der Demographie, sind natürlich im gleichen Maß für alle Populationen von Bedeutung. Vor allem beim Schutz vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten sind Populationsmodelle ein wichtiges Werkzeug, um Vorhersagen zu erstellen oder die Effekte von menschlichen Eingriffen zu beurteilen. Dabei profitiert die Biologie von den in der Demografie entwickelten Methoden, da dort die Datenlage oft wesentlich besser ist.

Wie kommt ein Biologe zur Demografie?

Zufällig. Ich habe Umweltwissenschaften studiert und dann meine Diplomarbeit über soziale Mulle geschrieben. Dort findet man, wie bei den sozialen Insekten Unterschiede in der Lebensspanne zwischen reproduktiven und nicht-reproduktiven Individuen. Ich fand es spannend, dass dieses Phänomen bei allen als eusozial bezeichneten Tierarten auftritt und wollte es verstehen.


Beim Menschen und bei den meisten Tierarten weicht die maximale Lebenserwartung eines Individuums relativ wenig vom Durchschnitt ab. Daher liegt die Annahme nahe, dass die Lebenserwartung in den Genen steckt. Doch nicht alle Lebewesen halten sich an diese gängige Theorie. Das untersuchte Boris Kramer, der kürzlich am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock seine Dissertation erfolgreich verteidigte.


 

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