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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 29.12.2014 Drucken

Später in Rente = länger leben?

Die Rente mit 63 ohne Abschläge, die 2014 für Menschen mit 45 Versicherungsjahren eingeführt wurde, löste eine öffentliche Diskussion zum Thema „Frühverrentung“ aus.

Ein Forscherteam hat unlängst untersucht, wie der Trend zur früheren Verrentung die Rentenkassen belastet. Das Fazit fiel anders aus, als allgemein erwartet.

Stephan Kühntopf vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden und Thusnelda Tivig vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels gingen der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Renteneintritt vor dem gesetzlichen Rentenalter und der noch verbleibenden Lebenserwartung gibt. Legt man allein die durchschnittliche Lebenserwartung zu Grunde, so führt ein früherer Rentenbeginn zu höheren Ausgaben für die Rentenversicherung. Die Rente wird länger bezogen, daher muss in der Summe auch länger Rente gezahlt werden.

Frührentner mit gesundheitlichen Schäden

Allerdings bleibt bei dieser pauschalen Betrachtung eine Frage offen: Leben Menschen, die mit 60 oder 63 Jahren bereits in Rente gehen, auch so lange wie jene, die bis 65 in ihrem Job ausharren? Es drängt sich der Verdacht auf, dass der vorzeitige Renteneintritt nicht selten durch gesundheitliche Schäden veranlasst war. Stephan Kühntopf und Thusnelda Tivig haben sich die Lebenserwartung dieser Gruppe genauer angeschaut. Ein Ergebnis: „Die Lebenserwartung deutscher Männer hängt sehr stark vom Renteneintrittsalter ab“, stellt Thusnelda Tivig fest. Bei Frauen sei dieser Zusammenhang weniger stark ausgeprägt, vor allem wenn diese erst mit 60 Jahren oder später in Rente gehen.

Vier Jahre längere Lebenserwartung

Ein Beispiel aus den Berechnungen der beiden Wissenschaftler: Ein Mann, der mit 55 Jahren erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen hat, konnte zum Zeitpunkt der Analyse im Alter von 65 Jahren im Durchschnitt noch mit einer weiteren Lebenszeit von 13 Jahren rechnen. Bei Männern, die bis 65 gearbeitet haben, waren es hingegen 17,3 Jahre. Untersucht wurden für diese Auswertungen alle deutsche Rentner der Jahre 2003 bis 2005.


Später in Rente = länger leben?


Tivig und Kühntopf stellten zwei Sprünge bei der Lebenserwartung fest: Einmal beim Renteneintrittsalter von 60 und einmal beim Rentenbeginn mit 63. „Das liegt vor allem daran, dass Männer, die vor ihrem 60. Geburtstag in Rente gingen, vielfach gesundheitliche Probleme hatten“, erklärt Tivig. Mit 60 Jahren stellten hingegen auch viele Langzeitarbeitslose und mit 63 Jahren viele besonders langjährig Versicherte einen Rentenantrag. Allerdings sinkt nach einem Renteneintrittsalter von 64 Jahren die Lebenserwartung der Männer noch einmal leicht. Das passt nicht ganz in das zuvor gezeichnete Bild. Es könne unter anderem daran liegen, dass viele Menschen, selbst wenn sie gesundheitliche Probleme haben, aus finanziellen Gründen gezwungen seien, bis 65 zu arbeiten, heißt es in einem Beitrag der beiden Wissenschaftler im Newsletter „Demografische Forschung aus erster Hand“. Diese Erklärung kennzeichnen die Demografen aber selbst als Spekulation.

Die Lasten fürs Rentensystem sind geringer als angenommen

Alles in allem kommen sie aber in ihrem Fazit zu der Einschätzung, dass die erhöhte Sterblichkeit der Frührentner und die daraus resultierende kürzere Rentenbezugszeit eines zur Folge hat: Die Lasten für das deutsche Rentensystem aus der Frühverrentung sind geringer, als allgemein angenommen. Bekommen die Protagonisten der Rente mit 63 oder der Teilrente ab 60 damit eine neues Argument in die Hand? Gegen die Frühverrentung werden bekanntlich immer auch die höheren Kosten für die Rentenversicherung ins Feld geführt.

Ergebnisse nur bedingt auf heutige Neurentner anwendbar

Auf diese Frage reagieren die beiden Wissenschaftler mit dem folgenden Hinweis: Für die aktuellen und zukünftigen Neurentner seien die Ergebnisse nur bedingt aussagekräftig. Die Rente mit 63 öffnet zum Beispiel auch vielen Fachkräften den Weg in die vorzeitige Rente, den sie ohne die gesetzliche Neuregelung wahrscheinlich nicht gegangen wären und aus gesundheitlichen Gründen auch nicht hätten gehen müssen. Hier werden weiter Studien Aufschluss geben müssen.


In Deutschland liegt das derzeitige Renteneintrittsalter durchschnittlich bei 61,3 Jahren (2013). Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit beginnen im Schnitt mit 51 Jahren. Nimmt man nur die Renten wegen Alters, so lag das durchschnittliche Zugangsalter der Neurentner im Jahr 2013 bei 64,1 Jahren. Das Rentenzugangsalter wird sehr stark von Rechtsänderungen beeinflusst. So waren in den zurückliegenden Jahren die Möglichkeiten zur Frühverrentung eingeschränkt worden. Das hat zum Beispiel dazu geführt, dass sich seit 1995 das Rentenzugangsalter um 2,3 Jahre erhöhte. Durch die Rente mit 63 ist vor allem in diesem und im kommenden Jahr wieder mit einem Absinken des durchschnittlichen Zugangsalters zu rechnen. Danach steigt die Altersgrenze, ab der Menschen mit 45 Versicherungsjahren vorzeitig in Rente gehen können, wieder schrittweise an.


 

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