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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 5.1.2016 Drucken

Rastloser Ruhestand

In den letzten Jahrzehnten ist die Lebenszeit, die im Ruhestand verbracht wird, kontinuierlich gestiegen. Wie jedoch gestalten die Menschen die gut 20 Jahre ihres Lebensabends?

Mit dieser Frage befasste sich der Sozial- und Bevölkerungswissenschaftler Andreas Mergenthaler vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Er untersuchte die Produktivität der heute 55- bis 70-Jährigen und verglich diese mit älteren Jahrgängen. Erst in den letzten Jahren entdeckte man, dass das Leistungsvermögen der Ruheständler peu á peu zunimmt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zeigt Mergenthaler auf, welche gesellschaftlichen Leistungen 55- bis 70-Jährige erbringen sowie welche weiteren Potenziale es gibt und wo die Grenzen des produktiven Alterns liegen.

Kürzere Arbeitszeit fördert GesundheitSeine Untersuchung basiert auf zwei Datensätzen. Dazu gehört der Deutsche Altersurvey (DEAS) von 2002, der die Jahrgänge 1932 bis 1947 umfasst und somit die Kriegsgeneration sowie die frühen 68er einschließt. Zum anderen bedient er sich der Studie „Übergänge und Alterspotenziale“ (TOP) von 2013. Diese beinhaltet die Jahrgänge 1943 bis 1958 und deckt neben den 68ern auch die frühen Babyboomer ab. Beide Stichproben weisen große Ähnlichkeit bezüglich des Geschlechterverhältnisses, der Wohnregion in Ost- und Westdeutschland, des Beziehungsstatus und des durchschnittlichen Einkommens auf. Differenzen hingegen gibt es nur in der Zusammensetzung der Altersgruppen.

Quote der Erwerbstätigen hat sich mehr als verdoppelt

Um zu untersuchen, wie sich die Gestaltung des Ruhestands in den letzten Jahren verändert hat, stellt Mergenthaler die Jahrgangsgruppen der beiden Studien gegenüber. Neben dem subjektiven Gesundheitszustand der Befragten, dem Bildungsgrad sowie dem Einkommensniveau betrachtet er auch die gesellschaftliche Leistung. Hierbei legt er nicht nur ein Augenmerk auf die Erwerbstätigkeit, sondern auch auf das ehrenamtliche Engagement in der Gesellschaft bzw. die Unterstützung bei der Kinderbetreuung und Pflege in der Familie.

Elf Jahre liegen zwischen den beiden Studien und die Unterschiede zeichnen sich sehr deutlich ab. In diesem Untersuchungszeitraum hat sich die Erwerbstätigenquote bei den ab 60-Jährigen mehr als verdoppelt (siehe Grafik rechts). Ähnlich auffällig veränderte sich auch die ehrenamtliche Tätigkeit sowie die Unterstützung in der Familie, wo eine deutlich gesteigerte Teilnahme zu verzeichnen ist.

Gestaltung des Ruhestands ändert sich

Fast 33 Prozent der befragten Männer zwischen 55 und 59 Jahren gaben an, in den letzten drei Monaten Kinder betreut zu haben. Im Vergleich zum Jahr 2002 waren es nur 14 Prozent. Bei den Frauen zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Darüber hinaus pflegte beinahe jeder vierte Mann einen kranken beziehungsweise behinderten Menschen. Das ist ein Anstieg von 18 Prozent im Vergleich zum Jahr 2002. Bei den Frauen fällt das Ergebnis ähnlich hoch aus und bleibt zudem über alle Altersgruppen relativ konstant. Diese Unterschiede sind laut Mergenthaler vor allem auf die größere Leistungsbereitschaft der 2013 Befragten zurückzuführen. Unter ihnen findet sich ein großer Teil mit hoher Bildung. Zudem stufen diese Menschen auch ihren Gesundheitszustand besser ein. Das gewandelte Altersbild sorgt dafür, dass Aktivität und Tätigkeit im Ruhestand viel stärker betont werden als früher.

Von Weiterbeschäftigungswilligen und Ambitionslosen

Dennoch entsprechen nicht alle Befragten diesem Bild, schränkt der Sozial- und Bevölkerungswissenschaftler ein. Aufgrund dieser Auffälligkeit hat Mergenthaler nicht nur die verschiedenen Jahrgänge verglichen, sondern in einer zweiten Untersuchung die Unterschiede zwischen den Befragten der TOP-Studie untersucht. Im Rahmen dieser Analyse fasste er in einem weiteren Arbeitsschritt die Menschen mit gleichen Merkmalen zu sogenannten Clustern zusammen.

Bei seiner Analyse konnte Mergenthaler sechs unterschiedliche Ruhestands-Typen herauskristallisieren. Der aktivste Typ ist der Weiterbeschäftigungswillige. Sein markantestes Merkmal ist das Ausmaß seiner Erwerbstätigkeit, die mit 41 Wochenarbeitsstunden im Vergleich zu den anderen fünf Ruhestands-Typen am höchsten ist. Sein bürgerliches Engagement ist durchschnittlich, während er sich familiär eher unterdurchschnittlich engagiert. Der Forscher verdeutlicht, dass die personellen Ressourcen in dieser Gruppe besonders hoch sind. Im Vergleich zu den anderen Gruppen weisen sie das höchste Bildungsniveau auf, verfügen über das höchste Einkommen und haben das höchste berufliche Prestige.

Dem Weiterbeschäftigungswilligen steht der Ambitionslose gegenüber. Er ist nicht nur der passivste aller sechs Ruhestands-Typen, mit 26 Prozent stellt er auch die größte Gruppe, während alle anderen einen Anteil zwischen 14 bis 17 Prozent haben. Vertreter dieses Typus haben sowohl eine geringe Neigung zur Erwerbstätigkeit als auch zum bürgerlichen Engagement. Hingegen ist in dieser Gruppe die familiäre Beteiligung überdurchschnittlich ausgeprägt. Das Bildungsniveau, das Einkommen sowie das berufliche Ansehen sind bei den Ambitionslosen am niedrigsten. Zu den weiteren vier Gruppen, die Mergenthaler herausgestellt hat, zählt auch der Familial Engagierte. Diese Gruppe widmet sich sehr stark der Familie. Durch sein hohes bürgerschaftliches Engagement zeichnet sich der Bürgerschaftlich Engagierte aus. Der fünfte Ruhestands-Typ ist der Erwerbstätige, der einen Vollzeitjob nachgeht. Im Gegensatz dazu charakterisiert sich der Engagementwillige durch ein geringes Tätigkeitsniveau bei Beruf und Familie. Jedoch weist er eine hohe Neigung auf, zukünftig eine Beschäftigung beziehungsweise eine ehrenamtliche Tätigkeit aufzunehmen.

Ungleiche Verteilung der Ressourcen

Die Ergebnisse verdeutlichen, je älter eine Person ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einer Gruppe mit hohem Tätigkeitsniveau angehört. Hingegen steigert eine gute subjektive Gesundheit, ein hohes berufliches Prestige sowie ein hoher Sozialstatus die Wahrscheinlichkeit einer Tätigkeit. Obwohl das Potenzial Älterer in den letzten Jahren anstieg, sollte man laut Andreas Mergenthaler bedenken, dass ihre Ressourcen ungleich verteilt sind. Daher stößt aus seiner Sicht ein Altersbild, das allein die Produktivität und Potenziale der 55- bis 70-Jährigen in den Mittelpunkt stellt, bei den benachteiligten Bevölkerungsgruppen an seine Grenzen. Statt dessen plädiert er für eine Vielfalt des Alterns.

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