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Demographie

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Demographie | 11.12.2015 Drucken

Frauen zwischen Kindern und Karriere

Mehr als 25 Jahre nach dem Fall der Mauer leben Frauen in Ost- und Westdeutschland noch immer in unterschiedlichen Familienmodellen.

Betrachtet man allein den Geburtsjahrgang 1940 im Osten, so gingen zwei Drittel der Mütter einer Vollzeitbeschäftigung nach. Hingegen waren es nur 16 Prozent der gleichaltrigen Mütter im Westen. Wie entstand dieser Unterschied und warum hält diese Erscheinung noch teilweise bis heute an?

Frauen zwischen Kindern und KarriereIm Rahmen einer Studie, die in Zusammenarbeit von Christian Schmitt und Heike Trapp vom Lehrstuhl für Familiendemografie an der Universität Rostock sowie von Matthias Pollmann-Schult vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung entstand, wurde diesen Fragen nachgegangen.

Ob Mütter arbeiten und in welchem Umfang dies geschieht, ist weniger eine individuelle Entscheidung. Vielmehr ist es abhängig von sozialen Normen, politischen Rahmenbedingungen und institutioneller Unterstützung.

Die Ost-West-Entwicklung um 1960

1960 ist ein Jahr, in dem sich die Ost-West-Entwicklung besonders deutlich zeigt, auch wenn sich dieser Verlauf bereits vor der Teilung Deutschlands angedeutet hat, hebt Christian Schmitt hervor. Zu dieser Zeit waren die Mütter in der BRD ausschließlich für Haushalt und Familie verantwortlich. Gefördert wurde dies durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Wollte eine Frau arbeiten, musste ihr Ehemann das erlauben. Bis zum 1. Juli 1958 konnte der Mann den Anstellungsvertrag der Frau nach eigenem Ermessen und ohne deren Zustimmung fristlos kündigen. Erst 1977 wurde das Gesetz geändert. In der DDR herrschte ein anderes Frauenbild vor. Die Rolle der Hausfrau war hier schlichtweg verpönt. Daher gingen aufgrund des ökonomischen Drucks sowohl kinderlose Frauen wie auch Mütter einer Beschäftigung nach.

Bruch im klaren Bild der Rollenverteilung

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Familienbilder seit 1940 bis heute in Ost und West entwickelt haben. Sie wollten dadurch verdeutlichen, wie diese Rollenbilder entstehen konnten. Für ihre Studie dienten als Grundlage die Daten der Deutschen Lebensverlaufsstudie zur Beschäftigung von Frauen in ehelichen und nichtehelichen Partnerschaften. Sie stellten fest, dass die Erwerbstätigenquote für Mütter in Ostdeutschland von 1940 bis heute durchgehend höher war als die im Westen. In der DDR lag der Anteil der arbeitenden Mütter nahezu durchgehend bei 65 bis 75 Prozent. Der Höhepunkt der Beschäftigung wurde in den 1960er Jahren erreicht. Aufgrund sinkender Geburtenzahlen wurden den Müttern im Osten Rückkehrgarantien für den Arbeitsplatz sowie weitere heute noch fortschrittlich erscheinende Erleichterungen zugesichert.

Parallel herrschte in der BRD das „Goldene Zeitalter der Familie“. Es gab eine klare Rollenverteilung, die durch das Steuersystem sowie durch soziale Sicherungssysteme honoriert wurde. Die Forscher stellten fest, dass erst im Jahr 1970, als die Geburtenrate sank und die Scheidungsrate stieg, sich das Familienbild in der BRD wandelte und sich die Erwerbstätigenquote dem Ostniveau annäherte. Ursachen hierfür waren neben Reformen im Familienrecht und in der Familienpolitik, die Emanzipationsbewegung sowie die besseren Bildungschancen für Frauen. In dem jüngsten Geburtenjahrgang (1971), der der Untersuchung vorlag, arbeiten knapp 50 Prozent der westdeutschen Mütter. Jedoch ging aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktlage auch im Osten die Beschäftigung von Müttern auf 58 Prozent zurück, so dass sich dieser Geburtenjahrgang fast anglich.

Die Rolle der Väter bleibt in Ost- und Westdeutschland unangetastet

Die Studie legt dar, dass diese lang anhaltenden Familienmodelle weiter fortwirken. Das wird ersichtlich bei der Betrachtung des Beschäftigungsverhältnisses der Mütter. Während im Westen elf Prozent der Mütter, also jede fünfte Beschäftigte, einer Vollzeitarbeit nachgeht, sind es im Osten knapp 42 Prozent. Hingegen bleibt die Rolle der Väter trotz aller Entwicklungen konstant. Sowohl im Osten wie auch im Westen war die Kindererziehung sowie die Haushaltsführung fast ausschließlich Frauensache, auch wenn die Mutter vollzeitbeschäftigt war. Christan Schmitt vermutet, dass das Muster auch in Zukunft relativ traditionell bleiben wird, auch wenn die Väter mehr Engagement in der Kinderbetreuung zeigen werden. Es wird noch ein „Zeitraum von 10, 20 Jahren vergehen, bis sich ein Wandel empirisch von Eltern-Väter-Zeit erkennen lässt“, verdeutlicht der Wissenschaftler.

Differenz wächst weiter an

Die Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Anfang des Jahres eine Studie, die zu ähnlichen Erkenntnissen kam wie Schmitt, Trapp und Pollmann-Schult. Für die Untersuchung verglich die Bertelsmann-Stiftung die Frauenbeschäftigungsquote der Jahre 2006 und 2012 von bundesweit 295 Landkreisen und 106 kreisfreien Städten. Dabei wurde ersichtlich, dass in den neuen Bundesländern deutlich mehr Frauen berufstätig sind als in den alten Bundesländern. Obwohl mittlerweile mehr als jede zweite Frau im Westen eine sozialversicherungspflichtige Anstellung hat, wird die Differenz zwischen Ost und West weiter wachsen. Die Frauenerwerbstätigenquote liegt im Osten bei 57,9 Prozent. Im Westen bei 50,8 Prozent, diesen Stand hatten die neuen Bundesländer bereits im Jahr 2006 erreicht. Die Bertelsmann-Stiftung spricht von einer „grundsätzlich positiven Entwicklung“. Jedoch weist sie auf die größer gewordene Differenz zwischen Ost und West von 5,1 auf 7,0 Prozentpunkte hin.

Die Ursachen für den Unterschied bei der Frauenerwerbstätigkeit

Den Grund für diesen Unterschied sieht Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung in der unterschiedlichen Sozialisation in der DDR und der Bundesrepublik: „Die Ost-Rollenbilder waren sehr lange egalitär geprägt – also beide Geschlechter in der Regel berufstätig. Im Westen ist dieses gleichberechtigte Doppelverdienermodell weniger stark verbreitet. Hier ist meist der Mann der Hauptverdiener“, verdeutlicht Witte. Hingegen sieht Barbara Riedmüller, Professorin an der Freien Universität Berlin und Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktfragen, als Ursache dafür eine weiterhin anhaltende kulturelle Differenz: „In Westdeutschland steigen die Frauen aus, wenn sie ein Kind bekommen. Das kommt für Frauen in den neuen Bundesländern nicht infrage“, betont Riedmüller. Sie führt zudem weiter aus, dass es auch in Zukunft unterschiedliche Frauenerwerbstätigenquoten auf dem bundesweiten Arbeitsmarkt geben wird.

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