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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 22.1.2020 Drucken

Erst Landflucht, nun Rückkehr?

Gibt es einen Trend zurück aufs Land oder dreht sich die Spirale aus Abwanderung und Verlust von Infrastruktur und sozialen Räumen weiter?

Auf diese knappe Formel ließ sich der Inhalt einer Podiumsdiskussion verdichten, die das von der Max-Planck-Gesellschaft getragene europäische Forschungsnetzwerk Population Europe in Berlin organisierte.

Arzt auf dem DorfSo gibt es durchaus zunehmend Familien, die der Stadt den Rücken kehren und sich eine neue Bleibe auf dem Land suchen. Das berichtete Carla Kniestedt, Mitglied des Landtags von Brandenburg und als ehemalige Redakteurin des Rundfunks Berlin-Brandenburg eine Kennerin brandenburgischer Dörfer. Sie selbst ging diesen Schritt und zog nach Lychen, um dort in einer alten Industriemühle ihre Mühlen-Wirtschaft und Kaffee-Mühle zu eröffnen. Sie stellte sich damit gegen einen verbreiteten Trend, der in vielen ländlichen Gegenden zum Verschwinden dörflicher Gastwirtschaften geführt hat.

Zahl der Pendler nimmt zu

Solche individuellen und zivilgesellschaftlichen Projekte sind es auch, die den Wegfall sozialer Räume auf dem Land zumindest ein wenig ausgleichen. Doch der Weg dahin ist steinig. „Viele müssen in ihrem Ursprungsberuf noch weiter arbeiten, weil sie von dem, was sie im ländlichen Raum aufbauen, lange nicht leben können“, gab Carla Kniestedt zu bedenken. Die Folge: Der Umzug aufs Land erhöht die Zahl der Pendler. „Es gibt heute mehr Pendler als früher“, stellte Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden, fest.

Das ist sicher nicht allein den Umzügen aufs Land geschuldet. Schneider nannte einen anderen wesentlichen Grund: die höhere Erwerbsquote der Frauen. Wenn zwei in der Partnerschaft Arbeit suchen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einer von beiden einen Job nur in größerer Entfernung findet. Auch die Zunahme befristeter Stellen erhöht das Aufkommen der Pendler. „Für eine befristete Stelle zieht niemand um.“ Ein dritter Grund: Es gibt eine allgmeine Abneigung gegen Fernumzüge, so Prof. Schneider.

Wer auf dem Land wohnt und arbeitsbedingt pendelt, erfährt den Verlust sozialer Räume doppelt. Er nutzt nämlich die ohnehin weniger gewordenen Angebote seltener. Arbeitspendler, das belegen Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, sind sozial schlechter integriert. Sie haben zudem mehr Stress und gehen obendrein seltener zum Arzt. Pendeln könne also nicht der Königsweg sein, wenn es darum geht, auskömmliches Leben auf dem Land zu gestalten.

Was kann Deutschland von Pittsburgh lernen?

Pittsburgh hat es richtig gemacht, anwortete Dr. Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, auf ein Beispiel, das der Moderator ins Gespräch gebracht hatte. Nach der Stahlkrise in den 70er Jahren durchlebte die Stadt schwere Verwerfungen, gilt heute aber in den USA als Musterbeispiel für gelungenen Strukturwandel. Auf die Frage, wie sie das denn geschafft hätten, antworteten damals Entscheidungsträger der Stadt: Wir haben als erstes drei Lehrstühle für Jazz eingerichtet. Diesem Modell kann Ministerin Schüle viel abgewinnen: „Menschen müssen sich wohlfühlen. Zuzug schafft man mit dem Ausbau von Infrastruktur, Bildung und Kultur, mit sozialen Räumen zur Begegnung.“

Wann sind Lebensverhältnisse gleichwertig?

Eine heftige Debatte löste Prof. Schneider zum Thema „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ aus. Er führte jüngere Untersuchungen ins Feld, wonach die Unterschiede zwischen den Regionen geringer ausfallen. Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, die oftmals als Argument für mehr Investitionen im ländlichen Raum angeführt wird, nehme also nicht ab, sondern zu. Diese Feststellung trug ihm heftige Gegenrede ein. Die zu beobachtenden Entwicklungen auf dem Land signalisierten eine ganz andere Situation, äußerten mehrere Teilnehmer der Runde auf dem Podium und im Auditorium. Aber die Zahlen sind, wie sie sind, legte Schneider nach. So blieb am Ende offen, wie die Auswahl der Kriterien, das Verständnis von Gleichwertigkeit und die Art der Vergleiche unter dem Strich zu ziemlich entgegengesetzten Einschätzungen führen. Es bleibt also Stoff für viele weitere Diskussionsrunden.

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