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Demographie | 11.11.2020 Drucken

Das Ehrenamt wird mit Lebenssinn vergütet

Mit 65 oder 70 noch einmal Woche für Woche in die Schule gehen? Auf 1.300 Mitglieder des Verbandes Seniorpartner in School (SiS) trifft das zu. Ein Gespräch mit Matthias Kraemer, Vorsitzender des SiS-Landesverbandes Bayern, über Zweck und Ziel dieser Schulbesuche.

Der Verband legt Wert darauf, dass der komplette Name auf Englisch gesprochen und verstanden wird, weil damit der Beiklang „Erfahrung“ stärker ins Spiel kommt. Wobei vor allem bringen die SiS-Mitglieder in den Schulen ihre Lebenserfahrung ein?

Matthias Kraemer: Ehrenamt bringt Lebenssinn

Bei der Konfliktlösung. Unser Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche ihre Konflikte mit Unterstützung selbstständig bewältigen. Dabei liegt die Betonung auf „selbstständig“. Wir sind nicht die außenstehenden Besserwisser, sondern vielmehr eine Art Hebamme, die hilft, Probleme zu benennen und in einem Mediationsverfahren selbst zu guten Lösungen zu finden. Die Mitglieder gehen in der Regel an einem Tag in der Woche vor allem in Grundschulen und bieten sechs Stunden lang Gespräche an. Dafür gibt es den „Raum der guten Lösung“. Dort können die Kinder zu uns kommen.

Lebenserfahrung ist eine hinreichende, aber noch keine ausreichende Vorbereitung auf diese Aufgabe.

Das ist richtig. Zu unserem Verband gehören Menschen, die ihr berufliches Leben in der Regel hinter sich haben. Lebenserfahrung ist also ausreichend vorhanden. Zusätzlich bekommen alle Mediatoren eine umfangreiche Ausbildung, insgesamt 85 Stunden, und werden anschließend während ihrer schulischen Aktionszeit weiter betreut, zum Beispiel durch begleitende Supervision.

“Hinter jedem Konflikt steht ein Bedürfnis.”

Mit welchen Problemen kommen die Kinder zu Ihnen?

Da gibt es vor allem zwei Klassiker, die wir immer wieder erleben. Bei den Jungs: „Fußball ohne Regeln“. Fouls sind da so sicher wie Tore. Im Gespräch kommen sie dann darauf, dass es einen Schiedsrichter braucht.  Da fragen wir dann auch, wer könnte diese Rolle übernehmen? Der Klassiker unter den Mädchen: Es gibt drei Freundinnen oder Freunde, aber nur zwei Stühle. Also die Frage, wer welchen Platz in der Freundschaft einnimmt.

Egal, worum es geht, wir fragen und wir hören zu. Hinter jedem Konflikt steht immer ein Bedürfnis, das unter Umständen mit ungünstigen Strategien realisiert werden soll. Auf der Bedürfnisebene kann man nicht diskutieren. Bedürfnisse sind nicht verhandelbar. Nehmen wir ein Beispiel: ein Kind fällt auf dem Schulhof immer wieder auf, dass es sich mit Gewalt Zugang zu Gruppen verschafft. Aber eigentlich will es nur mitspielen. Stattdessen verprügelt es andere. Das ist für den ursprünglichen Wunsch ausgesprochen kontraproduktiv. Aber wenn alle Beteiligte erkennen, dass es eigentlich nur um das Mitspielen geht, findet Integration statt. Das verstehen Kinder sehr schnell.

“Am Anfang hieß es, so etwas brauche man nicht.”

Wie kommt es zur Kooperation mit einzelnen Schulen?

Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Bayern zum Beispiel mussten wir lange darum kämpfen, dass wir vom Kultusministerium und von der Schulverwaltung ernst genommen werden. Noch vor fünf Jahren erhielten wir auf unsere Frage, an welchen Schulen wir helfen können, die lapidare Antwort, so etwas brauche man gar nicht. Wir haben uns dann an die Schuldirektoren gewandt. Von denen wiederum wurden wir mit offenen Armen empfangen. Inzwischen sind wir in München an 31 von 138 Grundschulen aktiv. Auch in der Verwaltung änderte sich die Meinung und das Schulamt wählt mittlerweile die Schulen für uns aus.

Neue Mitglieder hingegen finden wahrscheinlich vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda zum Verband.

Ja, wir sind Teil von Netzwerken anderer Verbände und Freiwilligeninitiativen. Wir gehen aber zum Beispiel auch auf Freiwilligenbörsen und stellen uns vor. Außerdem helfen Interviews in der Presse oder im Rundfunk. Nach einer Notiz in der Süddeutschen Zeitung rufen anschließend meist rund 30 Interessenten bei uns an.

“Die Mitarbeit ist keineswegs ohne Eigennutz.”

Die Mitarbeit bei Seniorpartner in School ist eine komplett uneigennützig. Dennoch finden Sie deutschlandweit ohne Mühe Mitstreiter.

Uneigennützig? Da muss ich widersprechen. Bei uns ist zwar alles ehrenamtlich, selbst Fahrkostenzuschüsse gibt es nicht, dafür zahlen wir aber mit Lebenssinn. Unsere Mitglieder gehören zur ersten älteren Generation, die keinen Krieg mehr erlebt und zugleich in einem Wohlstand gelebt hat, wie man ihn zuvor in Deutschland nicht kannte. Wenn diese Generation in Rente geht, hat sie im Schnitt noch 20 gestaltungsfähige Jahre vor sich, die man nicht nur auf der Zuschauertribüne verbringen kann. Wer sich in dieser Lebensphase nur um sich selbst kümmert, landet am Ende in der Depression. Daher ist die Mitarbeit keineswegs ohne Eigennutz. Wir können so an einer Zukunft noch mitwirken, an der wir selbst gar nicht mehr beteiligt sind.

Wir haben unlängst eine Umfrage unter allen Mitgliedern gemacht, an der sich 50 Prozent beteiligt haben. Dazu gehörte auch die Frage, ob sich durch die Ausbildung und Arbeit bei Seniorpartner in School etwas in deren Leben geändert hat. Die Skala der Antwortmöglichkeiten reichte wie bei solchen Befragungen üblich von „nichts“ bis „sehr viel“. Die Antwort von den meisten Teilnehmern lautete „sehr viel“.

“Wir sind nicht der billige Jakob der Sozialarbeit.”

Trotz aller Zustimmung unter den Mitgliedern sei ein kritischer Einwand erlaubt: Springt Seniorpartner in School nicht in eine Lücke, die an den Schulen erst durch Personalabbau entstanden ist?

Diese Frage hören wir öfter und vernehmen die Skepsis, die darin mitschwingt. Unsere Mediatoren seien der billige Jakob der Sozialarbeit, lautete am Anfang ein Vorwurf. Damit habe die Politik ein Feigenblatt, auf diesem Gebiet weniger zu unternehmen. Aber wir sind doch keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung der Sozialarbeiter an den Schulen. Inzwischen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass wir mit unserer Arbeit Freiräume schaffen für jene, die Hilfe von Sozialarbeitern ganz dringend brauchen.


Zum Verband Seniorpartner in School gehören 1.300 Mediatoren an über 350 Schulen und 70 Standorten bundesweit. Mehr dazu finden Sie hier.

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