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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 2.5.2016 Drucken

Bildungsabschluss der Frau macht den Unterschied

Die eigene Erwerbstätigkeit ist die Basis für eine gute Altersvorsorge. Aber gerade in dieser Hinsicht weisen die meisten Lebensläufe von Frauen Brüche und Unregelmäßigkeiten auf, die letztendlich auf das Mutterdasein zurückzuführen sind.

So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine gut gebildete Frau zeitnah nach ihrer Entbindung wieder ihre Vollzeitstelle aufnimmt. Die berufliche Anerkennung, ein gutes Gehalt sowie die Unterstützung durch den Partner tragen zu dieser Entscheidung bei. Bei Frauen mit geringem Bildungsstand wird vermutlich diese Haltung seltener vorzufinden sein, da für sie eine Erwerbstätigkeit nach der Geburt meist von gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie von der Einstellung zur außerhäuslichen Betreuung abhängig ist.

Zurück an die Arbeit - Bildung mach den Unterschied zwischen Haushalt und KarriereDie Wissenschaftlerinnen Caroline Berghammer (Vienna Institute of Demography), Nadja Steiber (International Institute of Applied Systems Analysis) und Barbara Haas (Wirtschaftsuniversität Wien) gingen daher in ihrer Anfang 2016 veröffentlichten Studie der Frage nach, wie stark sich Bildung auf die Erwerbstätigkeit von Müttern in verschiedenen EU-Ländern auswirkt. „Das heißt, wir stellen die Frage, unter welchen Gruppen Müttererwerbstätigkeit höher ist und wodurch Unterschiede erklärbar sind“, fügt Caroline Berghammer hinzu. Für ihre Untersuchung wählten die Forscherinnen Länder aus, deren Sozialstandards, staatliche Unterstützung junger Familien, Lohnniveau sowie Ausmaß der Gleichberechtigung verschieden sind. Die Wahl fiel auf Österreich, Deutschland, Frankreich, Norwegen und Ungarn. Als Untersuchungsgrundlage dienten Daten von über 10.000 Paaren und Familien mit Müttern im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Diese stammen aus dem Generations and Gender Survey.

Damit der Bildungseffekt eindeutig nachgewiesen werden konnte, wurden nur Paare berücksichtigt, deren höchster Abschluss das Abitur war oder wo beide Partner mindestens über einen Berufsabschluss mit Zulassung für eine Hochschule verfügten. Dabei wird deutlich, dass die Bildung vor allem bei der Frage wichtig ist, ob eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird und weniger in welchem Umfang dies geschieht.

Eine Teilzeitbeschäftigung dominiert nach der Entbindung

Der Anteil der Erwerbstätigen unter den gut gebildeten Französinnen sowie unter fast allen Norwegerinnen fällt nie unter 80 Prozent und das unabhängig von der Familiensituation, in der sie sich befinden. „Frankreich und Norwegen sind durch geringe Unterschiede im Einkommen zwischen höher und niedriger gebildeten Frauen gekennzeichnet, durch geringe Unterschiede in der Qualität des Jobs und durch positive Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Frauen sowie zur außerhäuslichen Betreuung von Kindern“, veranschaulicht Berghammer. Hingegen zeigt sich in Deutschland, Österreich und Ungarn, dass der Anteil der Erwerbstätigen sinkt, sobald Kinder geboren werden. Danach steigt er nur langsam wieder an und läuft dann meist auf eine Teilzeitbeschäftigung hinaus und das bei fast allen Müttern.

In Frankreich ist der Bildungsunterschied bei Müttern mit Kleinkindern am stärksten ausgeprägt. Hier arbeitet etwa die Hälfte der Frauen mit niedrigem Bildungsabschluss, wenn ein Kleinkind im Haushalt lebt. Das sind immer noch 17 Prozentpunkte mehr als bei den gut gebildeten deutschen Müttern mit Kleinkindern. Jedoch sind es 30 Prozentpunkte weniger als bei den gut gebildeten Französinnen. Das Bildungsgefälle in Deutschland fällt mit 15 Prozentpunkten gerade einmal halb so hoch aus wie in Frankreich. Österreich und Ungarn haben noch geringere Unterschiede. Diese Auffälligkeit ist laut den Forscherinnen vor allem darauf zurückzuführen, dass in diesen Ländern weder gut noch schlecht gebildete Frauen arbeiten, wenn sie ein Kind unter drei Jahren haben.

Äußere Rahmenbedingungen beeinflussen die Erwerbsbeteiligung

Ab dem Vorschulalter liegt in Frankreich der Unterschied zwischen den Bildungsklassen hingegen nur noch bei 13 Prozentpunkten, während es in Norwegen fünf und in Ungarn 37 Prozentpunkte sind. Als Ursachen führen die Forscherinnen die größeren Gehaltsunterschiede zwischen den gut und weniger gut gebildeten Frauen an sowie die unterschiedlichen Einstellungen zur Kinderbetreuung. Ebenso habe die hohe Arbeitslosigkeit unter den gering qualifizierten Müttern Einfluss. „Dies sind sicher nicht alle Faktoren, die eine Rolle spielen, zum Beispiel hat die bisherige Forschung auch gezeigt, dass die Leistbarkeit und Verfügbarkeit von Kinderbetreuung zentral ist für Müttererwerbstätigkeit wie auch ein am früheren Einkommen orientiertes Elterngeld“, legt Berghammer dar.

Die Ergebnisse für Mütter mit schulpflichtigen Kindern fallen dabei ähnlich aus: Hier liegt Ungarn mit einem Unterschied von 27 Prozentpunkten vorn, gefolgt von Deutschland mit 21 Prozentpunkten. In Österreich sind es nur 15 Prozentpunkte, in Frankreich und Norwegen nur sechs. Berghammer fügt ergänzend hinzu: „In dieser Studie haben wir nur die aktuellen Bedingungen, vor allem Charakteristiken der Partnerschaft und Alter der Kinder, mit einbezogen, nicht jedoch die Sozialisation der Mütter. Frühere Studien haben aber gezeigt, dass die Sozialisationsbedingungen ein wichtiger Faktor sind, zum Beispiel sind Frauen eher erwerbstätig, wenn bereits ihre Mütter erwerbstätig waren, weil sie gelernt haben, dass dies normales und erwartetes Verhalten ist.

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