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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 15.8.2016 Drucken

Bevölkerung: Wachstum wider Erwarten

In den nächsten 20 Jahren schrumpft die Bevölkerung in Deutschland nicht wie bislang in den offiziellen Vorausberechnungen angenommen, sondern wächst wider Erwarten. Ende 2035 leben hierzulande etwa drei Millionen mehr, als das Statistische Bundesamt in seiner derzeit geltenden Bevölkerungsvorausberechnung annimmt. Zu diesem Ergebnis gelangt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mit eigenen Berechnungen.

Der Grund für diese Abweichung: Es kommen seit 2015 deutlich mehr Ausländer nach Deutschland als Deutsche und Ausländer fortziehen. Daher ist die Frage, ob und wie Migranten die demografische Entwicklung unseres Landes verändern, durchaus berechtigt. Die Schätzungen der IW-Experten belegen eines: Aktualisierte Informationen über die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung sind erforderlich. Im vergangenen Jahr betrug die Nettozuwanderung immerhin 1,1 Millionen, wie das Statistische Bundesamt bereits vor einigen Monaten feststellte. Die Hälfte davon sind Flüchtlinge. Das diese aber erst in die Statistik eingehen, wenn sie einen Asylantrag gestellt haben, ist deren tatsächliche Zahl deutlich höher. So kommen noch einmal 300.000 bis 400.000 Asylanträge aus dem Jahr 2015 zu den im Durchschnitt pro Jahr erwarteten 500.000 Flüchtlingen hinzu.

Mehr Migration als erwartet

Die Migration ist damit deutlich höher, als in den statistischen Vorausberechnungen angenommen. Das Statistische Bundesamt hat für die Jahre 2014 und 2015 aber nur eine Nettozuwanderung von 500.000 Personen unterstellt, die in den folgenden Jahren langfristig je nach Szenario auf 200.000 oder 100.000 absinkt. Da es zunächst keine Aktualisierung der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung geben wird, hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln eigene Prognosen angestellt.

IW-Prognosen-Bevölkerungswachstum-bis-2035Bereits beim Ausgangswert dieser Berechnungen unterscheiden diese sich von der amtlichen Statistik: Durch die Rekordzuwanderung im Jahr 2015 stieg die Bevölkerung unerwartet an. Ende Dezember vergangenen Jahres lebten 81,9 Millionen Personen in Deutschland. Die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, das ist die derzeit aktuellste Prognose, hatte für diesen Zeitpunkt lediglich 81,3 Millionen ergeben. Darin zeigt sich einmal mehr, welch große Unsicherheit die Migration in den Bevölkerungsprognosen verursacht. Allerdings wird diese nicht nur durch stark schwankende Flüchtlingszahlen verursacht, sondern auch durch unerwartet hohe Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, wie sie zum Beispiel durch die Wirtschafts- und Finanzkrise im südlichen Europa ausgelöst wurde.

Der Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge wächst die Bevölkerung bis 2022 auf 83,9 Millionen Personen. Auf diesem Niveau verbleibt sie bis 2028, erst danach nimmt die Bevölkerungszahl wieder leicht ab. Für 2035 gehen die IW-Wissenschaftler im Durchschnitt ihrer Simulationen von 83,1 Millionen aus. Das sind immerhin 1,2 Millionen Personen mehr als im Jahr 2015. Daher lautet eine ihrer Schlussfolgerungen: Der lange Zeit als sicher angenommene Rückgang der Bevölkerung findet in den beiden kommenden Dekaden noch nicht statt.

Die Alterung schreitet dennoch fort

W-Prognosen-Bevölkerung-bis-2035-AlterspyramideDeutschland wächst also erst einmal. Allerdings ändert das nichts an der grundsätzlichen demografischen Entwicklung. Die Alterung der Gesellschaft schreitet dennoch fort. Diesen Prozess wird auch die derzeit hohe Zuwanderung nicht umkehren, obwohl viele der Migranten jung sind. Der geburtenstarke Jahrgang 1964 mit 1,4 Millionen Neugeborenen war 2015 knapp über 50 Jahre alt, im Jahr 2035 wird dieser Jahrgang über 70 Jahre alt sein. Die Baby-Boomer-Jahrgänge stellen also auch 2035 den höchsten Anteil an der Bevölkerung. Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt und für die sozialen Sicherungssysteme. Die Mehrheit der zugewanderten Personen bewegt sich in einer Altersspanne zwischen 20 und 30 Jahren. Vorausgesetzt sie bleiben überwiegend in Deutschland, könnte sich 2035 ein ähnlicher kleiner „Buckel“ bei den dann 50-Jährigen ergeben, wie wir ihn heute durch die Baby-Boomer in der Alterspyramide erleben.

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